"Saints Row 2 (dt.)" Das prollige Pendant


Auch auf dem PC kann "Saints Row 2" seinem großen Vorbild "GTA 4" nicht das Wasser reichen. Das Gangster-Game hat einfach zu wenig Klasse und wurde zu schlecht umgesetzt ...

"Sandbox" nennt sich das zugrunde liegende Spielprinzip von "Saints Row 2", weil dem Gamer bei seinem Weg vom Gefängnisinsassen zum Gangster-Gebieter über die gesamte Stadt kaum Grenzen gesetzt werden. Doch bevor der Protagonist, der am Ende des ersten Xbox-exklusiven Teils in Luft gesprengt wurde, wieder sein Stück vom Crime-Kuchen einfordert, darf man bei der Charaktererstellung seiner Kreativität freien Lauf lassen. Mit dem extrem umfangreichen Editor lässt sich nicht nur das Aussehen bis ins letzte Detail bestimmen. Auch Lieblingsgesten, Kampfstil, Gangart und Gangabzeichen können Spieler festlegen. Und natürlich das Geschlecht: Erstmals dürfen auch Frauen Karriere in der Unterwelt machen.

Wo "GTA 4" auf eine Hollywood-reif inszenierte Geschichte in einem toll designten Mikrokosmos der Popkultur setzte, regieren bei "Saints Row 2" Klischees und schlechter Geschmack. Um die Kontrolle über das stark erweiterte Stilwater zurückzubekommen, müssen rund 40 Storymissionen und unzählige Nebenaufgaben erledigt werden, deren Bandbreite von üblen Schlägereien über Drogenhandel bis hin zu Motorradrennen reicht - um ein paar halbwegs "normale" Beispiele zu nennen. "Saints Row 2" kann aber auch anders. Grenzwertig anders. Da muss ein Pornostar vor aufdringlichen Paparazzi mit dem Baseballschläger beschützt, ein Flitzer gejagt oder eine Nobelgegend mit dem Güllelaster besudelt werden ...

Letzterer steuert sich, und das ist nur eine technische Macke von "Saints Row 2", im Übrigen wie alle anderen Karren, die sich der Spieler mit Waffengewalt unter den Nagel reißen kann: unrealistisch und überempfindlich. Neben Sportflitzern und Polizeiautos dürfen auch Boote und Hubschrauber gekapert werden. Damit die Ausflüge zu Lande, zu Wasser und in der Luft nicht allzu langweilig werden, stehen diverse Radiosender mit unterschiedlichen Musikstilen zur Wahl.

Der Soundtrack von "Saints Row 2" ist zweifelsohne grandios - grafisch ist das Spiel jedoch glatter Durchschnitt und weit von der optischen Opulenz des Konkurrenten "GTA IV" aus dem Hause Rockstar Games entfernt. Trotz der Detailarmut, der Pop-Up-Effekte und der matschigen Texturen ist der Hardware-Hunger allerdings enorm. Selbst auf modernen PCs mit Quad-Core-Prozessoren, üppigem Arbeitsspeicher und gut bestückter Grafikkarte ruckt es mitunter gewaltig. Als unberechenbar erweist sich auch die Künstliche Intelligenz der Bewohner von Stilwater: Autofahrer bauen permanent seltsame Auffahrunfälle. Und manchmal reagieren weder Passanten noch Polizisten, wenn man sich mit ebenso lethargischen Gangstern wilde Feuergefechte liefert.

Saints Row 2 (dt.)

Hersteller/Vertrieb

Volition/THQ

Genre

Action

Plattform

PlayStation3, Xbox 360

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Es sind viele kleine Gründe und große Patzer, warum bei "Saints Row 2" der Schuss nach hinten los geht. Über Humor und Geschmack lässt sich streiten, über technische Unzulänglichkeiten nicht.

Michael Eichhammer/Teleschau TELESCHAU

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