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"Supreme Commander": Masse und Klasse

THQ entfacht mit "Supreme Commander" eine gewaltige Massen- und Materialschlacht auf dem PC. Größenwahnsinnige Generäle mit Allmachtsphantasien wähnen sich im Paradies.

Hektisch, fordernd, kompliziert, einsteigerfeindlich, kompromisslos, umfangreich - "Supreme Commander" ist vieles, vor allem aber eine gewaltige Materialschlacht. Diese tobt nicht nur auf, sondern auch vor dem Bildschirm. Oder besser gesagt: vor den Bildschirmen. Denn Chris Taylors Echzeitstrategie-Spektakel, in dem Dutzende von Fabriken Flugzeuge, Panzer, Schiffe und Roboter im Akkord ausspucken, spielen größenwahnsinnige Generäle mit Allmachtsphantasien und Kontrollzwang am besten auf zwei Monitoren. Damit bei der Eroberung des Universums auch ja nichts aus dem Ruder läuft...

Natürlich funktioniert "Supreme Commander", dieses Ungetüm von Strategiespiel, auch mit nur einem Bildschirm. Es gewinnt dadurch sogar an Tempo - was einiges zu bedeuten hat. Denn THQs Sci-Fi-Schlacht benötigt neben einer üppigen Hardware-Ausstattung vor allem eines: Zeit. Bereits die erste Mission schlägt bei allen drei Fraktionen mit gut 45 Minuten zu Buche. Später werden Stunden daraus, um die United Earth Federation, die künstlichen Cybrans oder die religiösen Aeon-Fantiker zum Sieg zu führen. Viele Stunden.

Mehrere tausend Quadratkilometer große Karten

Verwundern darf das schon angesichts der Kartengrößen nicht. Über mehrere tausend Quadratkilometer erstrecken sich laut Herstellerangaben die virtuellen Schlachtfelder - da dauert es schon mal, bis eine Panzerkolonne von einem zum anderen Ende rumpelt. Um der Krisen-Reaktionszeit einer Weinbergschnecke vorzubeugen, werden also gleich mehrere Basen aus dem Boden gestampft und gesichert. Simultan versteht sich. Produktionsschleifen und Befehlsketten sorgen dafür, dass in den zig Fabriken die Fließbänder niemals stillstehen und der Nachschub an Kriegsmaterial rollt. Apropos: Erst bei 500 einzeln dirigierbaren Einheiten ist Schluss - und man sollte dieses Kontingent vollends ausschöpfen.

Denn die KI erweist sich im Lauf der jeweils sechs Kampagnenmissionen als gnadenlos und schwer zu knacken, weshalb Einsteiger schon früh die Waffen strecken dürften. Nur wer weise vorausplant, auf den richtigen Truppenmix setzt - bei insgesamt 35 Einheiten pro Fraktion ist das gar nicht so leicht - und dabei mit einem Auge immer auf seine Ressourcen schielt, hat eine Chance zu bestehen. Aber von dieser Herausforderung und Hektik lebt "Supreme Commander": an mehreren Fronten bauen, wirtschaften, aufklären, forschen, kämpfen - da darf man sich wirklich wie der große Mover und Shaker fühlen.

Funktionelles Interface

Möglich machen die Omni-Präsenz ein altbackenes, aber äußerst funktionelles Interface, eine Flut von Tastaturkürzel und das Mausrad. Stufenlos lässt sich innerhalb einer Sekunde aus dem Geschehen heraus- und in einen anderen Brennpunkt hineinzoomen. Immer wieder kehrt man jedoch zur ACU zurück - der Armored Command Unit, dem Herz der Armee. Dieser riesige Roboter ist so etwas wie das Alter Ego des Spielers und dank upgrade-fähiger Waffen eine der mächtigsten Einheiten im Spiel. Doch in den Kampf zieht der Blechkübel, der auch Gebäude errichten und Rohstoffe sammeln kann, nur im Notfall. Wird er zerstört, heißt es "Game Over". Gleiches gilt im Übrigen für den Gegner...

Es geht aber noch gewaltiger: Jede Partei darf gigantische Waffensysteme in die Schlacht führen, deren Produktion Unmengen von Ressourcen verschlingt und gut und gerne länger als zehn Minuten dauert. Dafür verdampfen der galaktische Koloss, der Soul Ripper, der Monkey Lord oder der Fatboy gegnerische Armeen in Windeseile.

Supreme Commander

Hersteller/Vertrieb

Gas Powered Games/THQ

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Ansichtssache

Bunte Laserstrahlen, spektakuläre Explosionen, herumfliegende Trümmer, realistischer Rauch - das alles bietet "Supreme Commander" zur Genüge, doch davon bekommt der Spieler auf seinem Feldherrenhügel nur wenig mit. Um die Übersicht über das eigene Heer zu wahren, wird früher oder später nur noch aus der Satellitenperspektive gesteuert. Die Modelle der Bomber, Schlachtschiffe, mobilen Schildgeneratoren, Angriffsrobotern und Panzern werden dabei jedoch zu einfachen Symbolen degradiert. Spielbarkeit und Schönheit versprechen nur zwei Bildschirme...

Optisch nicht immer ein Kracher

Wobei Letztere sicherlich im Auge des Betrachters liegt: Aufgrund der dargestellen Massen mangelt es hier und da an Detailreichtum. Auch die Einsatzgebiete, die während eines Einsatzes oft überraschend erweitert werden, sind wie die Missionsziele nicht sonderlich spektakulär geraten.

Dafür entschädigt Gas Powered Games mit einem umfangreichen Multiplayer-Modus und einer komfortablen Online-Blattform, die Blizzards Battle.net nicht ganz unähnlich ist und Duelle über das Internet ermöglicht.

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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