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Apple präsentiert verbessertes iPad: Schneller, schlanker, leichter

Trotz Auszeit und Krankheit hat Steve Jobs den Neuzugang der Apple-Familie vorgestellt: Das iPad 2 ist schneller, schlanker, leichter als sein Vorgänger und kann Videos aufnehmen. Reicht das?

Von Karsten Lemm, San Francisco

Die Jahreszeiten im kalifornischen Städtchen Cupertino verlaufen etwas anders als im Rest der Welt. Am Stammsitz des Technik-Trendsetters Apple gehört der Sommer dem iPhone, der Herbst dem iPod und der Winter, rund um Weihnachten, dem Geldverdienen. Mit einer Verlässlichkeit, die der Deutschen Bahn längst abhanden gekommen ist, stellt der Computerriese Jahr für Jahr zur selben Zeit aufgefrischte Modelle seiner Will-ich-auch-haben-Geräte vor. Der Frühling gehört neuerdings dem iPad, und entsprechend trommelte Apple am Mittwoch die Presse zusammen, um in San Francisco die zweite Generation seines Multimedia-Täfelchens vorzustellen.

Mehr als 15 Millionen iPads haben die Kalifornier in den ersten neun Monaten verkauft, und die Konkurrenz, die lange getrödelt hatte, müht sich nun nach Kräften, Apples Vorsprung einzuholen. Entsprechend hoch lagen die Erwartungen - was würde Apple seinen Herausforderern entgegensetzen, um auch mit dem "ZweiPad" die Nummer eins zu bleiben? Die erste Überraschung kam in Form des Gastgebers: Um kurz nach 10 Uhr Ortszeit stand plötzlich Steve Jobs auf der Bühne - obwohl der Apple-Chef im Januar eine Auszeit genommen hatte. Wochenlang machten Gerüchte um eine Rückkehr seiner Krebserkrankung die Runde; nun badete der hagere, aber erholt wirkende Zeremonienmeister, seit wenigen Tagen 56 Jahre alt, im Applaus seines verblüfften Publikums und erklärte gut gelaunt: "Wir haben an diesem Gerät eine ganze Weile gearbeitet. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen."

Dünner als das iPhone4

So erfolgreich das iPad schon bisher war, natürlich muss Version 2.0 deutlich schneller, schlanker, besser werden - alles andere wäre ein Verstoß gegen Moore's Law, das eherne Gesetz der Computerwelt, das Fortschritt in Siebenmeilenstiefeln vorschreibt. Schlimmer noch: Die Fans wären enttäuscht, und die Konkurrenz könnte Apple womöglich tatsächlich näher kommen. Also wartet das iPad 2 mit einem neuen Rechenchip auf, A5 getauft, der zwei Prozessorkerne enthält und bis zu doppelt so schnell seine Arbeit erledigen soll wie sein Vorgänger. Die Grafikkarte, verspricht Apple, baut das Bild sogar bis zu neun Mal schneller auf als im Original-iPad. Dennoch soll die Batterie weiterhin etwa zehn Stunden durchhalten.

Mit gleich zwei Kameras an der Vorder- und Rückseite kann das iPad nun genauso aufmerksam in die Welt schauen wie sein kleiner Bruder, das iPhone 4 - etwa, um Fotos zu schießen oder auch für Videotelefonie per Internet. Trotz solcher Extras ist das "ZweiPad" wesentlich schlanker geworden: An der dicksten Stelle misst es nun 8,8 Millimeter, statt bisher 13,4, und ist damit dünner als das iPhone. Das Abspecken hat das iPad auch leichter gemacht - es wiegt jetzt 590 Gramm, knapp 100 Gramm weniger als bisher. Und für alle, die ungern Schwarz sehen, bietet Apple seine Wunderflunder künftig auch in Weiß an. Unverändert bleibt der Preis. Das Einstiegsmodell, das Wlan-Internet und 16 Gigabyte Speicher bietet, ist weiterhin für 499 Euro zu haben. Damit bleibt das iPad in der Basisversion deutlich günstiger als namhafte Herausforderer wie Motorolas neues "Xoom"-Tablett oder Samsungs "Galaxy Tab". Für aufwändigere iPad-2-Modelle mit mehr Speicher und mobiler Internetverbindung klettert der Preis stufenweise auf gut 800 Euro. In Deutschland soll das aufgefrischte Täfelchen am 25. März in den Handel kommen.

Keine radikalen Veränderungen

Bei allen Neuerungen hat sich eine Hoffnung vieler Apple-Fans nicht erfüllt: Das hochauflösende "Retina Display", das eine deutlich schärfere Darstellung liefert, bleibt dem iPhone und iPod Touch vorbehalten - das iPad muss weiterhin mit seinem bisherigen Display auskommen, das 1024 mal 768 Bildpunkte auf knapp Din-A4-Größe unterbringt. Wie zum Trost macht es künftig ein HDMI-Adapter möglich, das iPad an Flachbildschirme anzuschließen, damit sich Fotos, Videos und andere Inhalte auch in groß bewundern lassen. Stolze Besitzer können dann auch HD-Videos vorzeigen, die sie mit dem iPad selbst aufgenommen und bearbeitet haben. Eine Mobilvariante von Apples "iMovie"-Software erlaubt es, direkt auf dem Rechentäfelchen hochauflösende Videos präsentabel zu machen. Eine überarbeitete Version des Betriebssystems, die unter anderem schnelleres Surfen mit dem Safari-Browser verspricht, soll auch bisherigen iPads sowie den neuesten iPhone- und iPod-Touch-Modellen eine Frischzellenkur verschaffen. Apple will das "iOS 4.3" am 11. März freischalten; es kann dann kostenlos heruntergeladen werden.

Analysten sehen im iPad 2, was der Name schon andeutet: "Es ist eine Weiterentwicklung, nicht unbedingt etwas radikal Neues", sagt Roger Kay, Präsident der Unternehmensberatung Endpoint Technologies und langjähriger Apple-Kenner. Doch die Verbesserungen bei gleichbleibendem Preis dürften genügen, um die Konkurrenz ins Schwitzen zu bringen, glaubt Kay: "Apple hat fraglos die Latte ein Stück höher gelegt; die Anderen müssen sich anstrengen." Zur Hardware kommt das Software-Angebot: Mit gut 65.000 Programmen ("Apps"), die speziell auf die Fähigkeiten des iPad abgestimmt sind, liegt Apple derzeit weit vor seinem schärfsten Konkurrenten Google, dessen Android-Betriebssystem von vielen iPad-Rivalen genutzt wird. In Kombination mit dem niedrigeren Einstiegspreis habe das iPad weiterhin deutlich die Nase vorn, argumentiert die Unternehmensberatung Forrester Research und sagt voraus, dass von 24 Millionen Tablet-Rechnern, die in diesem Jahr verkauft werden könnten, mindestens 20 Millionen das Apfel-Logo tragen werden.

Kein Wunder, dass Apple sich von seinen Verfolgern herzlich unbeeindruckt zeigt. Für das laufende Quartal, traditionell das schwächste des Jahres, gab Topmanager Tim Cook, hinter Steve Jobs die Nummer zwei, gegenüber Wall-Street-Anlegern schon vor der iPad-2-Premiere die Prognose aus: "Wir erwarten Einnahmen von 22 Milliarden Dollar, verglichen mit 13,5 Milliarden im selben Quartal des vorigen Jahres." Es ist noch gar nicht lange her, dass Apple im ganzen Jahr so viel verdient hat wie nun in nur drei Monaten. Ganz egal also, wie sehr die Konkurrenten strampeln - in diesem Frühling zumindest blüht das Geschäft in Cupertino so prächtig wie nie.