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Billig-Tablet "Kindle Fire": Amazon macht Apple Feuer unterm Hintern

Amazon greift Apples iPad an: Der Onlinehändler bringt mit dem "Kindle Fire" seinen ersten Tablet-Computer auf den Markt - zu einem Kampfpreis von 199 Dollar. Experten sind sich einig: Dem Platzhirsch droht erstmals ernste Konkurrenz.

Amazon-Chef Jeff Bezos machte es spannend. Eine gute halbe Stunde war die Pressekonferenz in New York alt, als er aus der Tasche zog, worauf alle gewartet hatten: das "Kindle Fire". Ein neues Lesegerät für elektronische Bücher nannte Bezos ihn, wie auch die anderen Kindle zuvor. Doch das kleine Gerät ist viel mehr: Tablet-Computer, Fernseher, Musikspieler - und der wohl bisher stärkste Konkurrent für Apples iPad.

Apple hat den Tablet-Computer zwar nicht erfunden, aber mit dem iPad erst marktfähig gemacht. Der Computer, der eigentlich nur ein flacher Bildschirm mit Berührungssteuerung ist, wird dem Hersteller immer noch aus den Händen gerissen - obwohl selbst das einfachste Modell 500 Dollar kostet. Trotzdem waren die Versuche der Konkurrenz bisher vergebens: Das Gerät von Hewlett-Packard ist schon wieder vom Markt verschwunden, Samsung hat wegen des Galaxy Tabs mehrere Patentklagen am Hals und das vom Blackberry-Hersteller RIM wird gerade für 300 Dollar verschleudert.

"Natürlich kann das Kindle Fire Flash"

Doch Amazon kann diesen Dumpingpreis noch unterbieten. Gerade einmal 199 Dollar (145 Euro), verkündete Bezos strahlend, soll der Kindle zum Verkaufsstart am 15. November kosten. Das sind noch einmal 50 Dollar weniger als zuvor kolportiert wurde. Im Gegensatz zum iPad kann das "Kindle Fire" auch mit der Flash-Technologie umgehen. Viele Webseiten sind mit der Software programmiert, zeigen Bilder und Filmchen - die auf dem iPad nicht laufen. Apple lehnt Flash mit der Begründung ab, es verschwende zu viel Rechen- und Akku-Kapazität. "Natürlich kann es Flash", sagt Amazon-Entwickler Jon Jenkins grinsend über das "Kindle Fire". "Wir wollen unseren Kunden nichts vorenthalten - wie vielleicht der ein oder andere Mitbewerber."

Des "Kindle Fire" ist kleiner als das iPad. Statt knapp 25 ist der Bildschirm nur etwa 18 Zentimeter in der Diagonale groß, also 7 Zoll. Es ist mit gut 400 Gramm auch wesentlich leichter, bietet aber Stereolautsprecher "und ein sagenhaftes Display", wie Jenkins beteuert. Aber den Hauptvorteil gegenüber Samsung und RIM und HP lieferte der Chef selbst: "Wir haben die Inhalte", sagt Bezos. "Wir haben die Millionen Filme, Millionen Bücher, Millionen Songs. Das Web ist ein komplizierter Platz geworden. Bei uns haben Sie alles in einer Hand und das werden die Leute lieben." Marktexperten rechnen damit, dass genau das der Trumpf ist, mit dem das "Kindle Fire" auf Augenhöhe mit dem iPad kommen kann. Zunächst soll das "Kindle Fire" in den USA auf den Markt kommen, Verkaufsstart ist der 15. November. Einen Zeitplan für den internationalen Start nannte Amazon nicht.

E-Reader bekommt Touchscreen

Die Ankündigungen zur neuen Kindle-Familie gingen bei der Tablet-Euphorie fast unter. Denn von den neuen E-Book-Lesegeräten, nach Amazon-Angaben die erfolgreichsten der Welt, gibt es künftig auch eines, das man mit Finger-Bewegungen bedienen kann. Das "Kindle Touch" soll gerade einmal 99 Dollar kosten, ohne das Berührungsdisplay sogar nur 79 Dollar. In Deutschland kommt von allen diesen Neuheiten bisher nur der einfache neue Kindle am 12. Oktober auf den Markt, für 99 Euro. Das ist auf den ersten Blick deutlich teurer als in den USA - allerdings wird dort der Preis von 79 Dollar dadurch ermöglich, dass der Kunde Werbung auf sein Kindle-Gerät aufgespielt bekommt.

joe/DPA / DPA