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Cebit 2008: Neue Konzepte, alte Probleme

Die Cebit 2008 erfindet sich neu - doch auch neue Konzepte und Schwerpunkte können den Rückgang der Ausstellerzahl nicht verhindern. Pünktlich zur Eröffnung der weltgrößten Computermesse warnte der Branchenverband "Bitkom" davor, Deutschland könne den Anschluss an die Weltspitze der High-Tech-Industrie verlieren.

Die weltgrößte Computermesse CeBIT in Hannover geht am Montag mit der Hoffnung auf einen Neuanfang an den Start. Mit einer neuen Struktur wollen die Veranstalter sie wieder populärer bei den Ausstellern machen und besser mit Konkurrenzveranstaltungen mithalten. Schwerpunkte des Pressetages am Montag werden die Entwicklungen in der Telekommunikations-Branche sein sowie der Auftritt von Microsoft-Konzernchef Steve Ballmer. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet die CeBIT dann am Abend offiziell zusammen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Ballmer.

Die CeBIT 2008, die für die Öffentlichkeit von Dienstag bis Sonntag geöffnet sein wird, ist einen Tag kürzer als bisher und hat eine neue Struktur mit drei Säulen bekommen. Im Bereich "Business Solutions" sollen Unternehmen Fragen zum Beispiel zu Software & Dienstleistungen beantwortet werden. Der Bereich "Public Sector Solutions" zeigt Modernisierungs-Möglichkeiten vor allem für öffentliche Verwaltungen. Bei "Home & Mobile Solutions" sind Produkte und Lösungen zu sehen, die das private Leben verändern. Die größte Halle 1, in der die CeBIT einst begann, bleibt diesmal geschlossen.

Schwerpunkt "Green IT"

Thematischer Schwerpunkt der Cebit ist in diesem Jahr die Umweltverträglichkeit. Unter dem Schlagwort "Green IT" werden vor allem Möglichkeiten für einen sparsameren Stromverbrauch aufgezeigt. Besonders im Blickpunkt stehen außerdem neue Internet-Dienste, preiswerte Mini-Notebooks und Navigationslösungen.

Auch mit dem neuen Konzept hat die CeBIT-Veranstalterin Deutsche Messe AG den Rückgang der Ausstellerzahl nicht verhindern können. Die Zahl der Aussteller sank im Vergleich zum Vorjahr um etwa fünf Prozent auf gut 5800, die Ausstellungsfläche um mehr als zehn Prozent auf rund 240.000 Quadratmeter. Die Messe nennt vor allem zwei Gründe: Der starke Euro belaste die Budgets von Unternehmen aus Übersee, zudem spiegele die geringere Ausstellerzahl den Konzentrationsprozess in der Branche wider.

"Deutschland hat eine Chance"

Merkel würdigte am Wochenende die Bedeutung der Messe. "Die CeBIT wird zeigen, was wir können", sagte sie in ihrer wöchentlichen Internet-Videobotschaft. Mit einem Umsatz von 135 Milliarden Euro sei die Wertschöpfung in der Kommunikations- und Informationsbranche in Deutschland inzwischen größer als im Maschinen- oder Automobilbau. "Wir wollen vorne mit dabei sein", sagte Merkel. "Deutschland hat eine Chance, Deutschland will diese Chance nutzen."

Technologien mit Hebelwirkung

Der Branchenverband "Bitkom" betonte, Deutschland müsse zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um den Anschluss an die Weltspitze in der Hightech-Industrie zu halten. "Wir müssen unsere Strategie noch stärker auf Technologien mit Hebelwirkung für andere Branchen ausrichten", sagte "Bitkom"-Präsident August-Wilhelm Scheer. Die Informationstechnik treibe andere Industrien technologisch an, etwa die Medizintechnik, die Logistik und die Robotik. Der Stellenabbau in der Kommunikationstechnik habe noch einmal deutlich gemacht, dass Deutschland die ausgetretenen Pfade verlassen müsse.

Die Cebit mit dem Partnerland Frankreich biete eine große Chance, sagte Scheer. Auch auf europäischer Ebene müsse die Zusammenarbeit im ITK-Bereich verstärkt werden. Vorstellbar sei, ein Projekt der Art "Airbus" zu starten. Möglichkeiten dazu gebe es in vielen Technologiefeldern. Scheer nannte als Beispiele Verkehrstelematik, Sicherheitstechnologien, Internet-TV, die neue Funktechnik RFID, E- Learning und Wissensmanagement. Der Aufbau des europäischen Satellitensystems Galileo müsse beschleunigt werden.

DPA/AP/be