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Fontgate in Pakistan Wie eine Microsoft-Schriftart einen Premierminister als Betrüger auffliegen ließ

Der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif
Die Familie des pakistanischen Premierminister Nawaz Sharif soll Schwarzgeld herumgeschoben haben
© Aamir Qureshi/AFP
Als die Panama-Papers erschienen, musste sich Pakistans Premierminister Nawaz Sharif plötzlich gegen massive Korruptions-Vorwürfe wehren. Jetzt werden seine Gegenbeweise als Fälschung zerpflückt - und Schuld ist eine Microsoft-Schriftart.

Als letztes Jahr durch einen Leak die sogenannten Panama-Papers ins Netz gelangten, sorgte das rund um den Globus für mächtig Unruhe. Die Unterlagen zeigten, wie viele Reiche und Mächtige Steuern hinterzogen, Schwarzgeld herumschoben und Steueroasen nutzten. Unter den Belasteten: Die Familie des pakistanischen Premierminister Mian Mohammed Nawaz Sharif. Jetzt sorgt auch noch ihre Verteidigung für Spott im ganzen Land - wegen einer Schriftart.

Das oberste Gericht des Landes ermittelt wegen der Vorwürfe unter anderem gegen die Tochter des Premiers, Mariam Nawaz Sharif. Sie soll über Briefkastenfirmen mit Schwarzgeld Wohnungen in London gekauft haben. Um die Vorwürfe zu entkräften, legte sie Dokumente vor, die besagten, dass sie nur eine Treuhändlerin dieser Firmen sei - und nicht die Besitzerin. 

Calibri überführt die Fälschung

Das Gericht ließ die Unterlagen in England auf ihre Echtheit prüfen - und sie wurde mit einer lachhaft einfachen Methode als Fälschungen entlarvt. Die auf 2006 datierten Dokumente wurden in der Microsoft-Schriftart Calibri verfasst. Das Problem: Die Schriftart ist erst seit dem 31. Juli 2007 offiziell verfügbar.

Ausgerechnet bei Wikipedia hat das nun zu einem erbitterten Kampf geführt. Der englischsprachige Eintrag der Schriftart wurde immer wieder auf das Jahr 2004 umdatiert, vermutlich, um Sharif so zu entlasten. Tatsächlich war die Schriftart bereits 2002 entwickelt worden, bestätigte ihr Designer Lucas de Groot der pakistanischen Zeitung "Dawn". 2004 übermittelte er die fertige Schrift dann an Microsoft. Sie tauchte in Testversionen von Windows Vista auf - schon vor 2007.

Trotzdem hält de Groot es für unwahrscheinlich, dass für die Dokumente seine Schriftart genutzt wurde. "Frühe Windows-Versionen sind etwas für Programmierer und Technik-Freaks, die wissen wollen, ob etwas funktioniert oder nicht", ließ er die Zeitung wissen. "Es ist extrem unwahrscheinlich, dass jemand eine Schriftart aus einer Testversion kopiert, um sie dann in offiziellen Dokumenten zu benutzen."

Mit Fontgate zur Witzfigur

Die pakistanischen Bürger fordern wegen "Fontgate"nun Sharifs Rücktritt - und spotten bei Twitter kräftig über die Überführte. "Der Calibri Font wurde von unserer Tochter Maryam Nawaz im Arfa Kareem Tower von Lahore erfunden", legt ein Twitter-Nutzer dem Premierminister in den Mund. Ein anderer schlägt in dieselbe Kerbe: "Ich glaube, wir zollen Mariam Sharif nicht genug Respekt dafür, dass sie Calibri erfunden hat."

 


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