Ultra Wide Monitor im Test Der Spaß wächst mit der Länge


Was ist das? Es ist absolut unsexy und man starrt es doch ständig an. Richtig: ein Computermonitor. Ein extra breites Format soll den Bildschirmen mehr Charme verleihen. Wir haben es getestet.
Von Henry Lübberstedt

Die Auswahl des Monitors löst beim Kauf eines Computers wahrscheinlich am wenigsten Emotionen aus. Schließlich stellt heute jeder handelsübliche Bildschirm alles zuverlässig dar, was er so darstellen soll. Das übliche Seitenverhältnis von Höhe zu Breite ist 16:9 bei einer Auflösung von 1920 Pixeln in der Breite und 1080 in der Höhe, also das vom Fernseher bekannte FullHD. Was viele ebenfalls von ihrem TV-Gerät kennen sind die schwarzen Balken oben und unten bei einigen Filmen. Die wurden nicht in 16:9, sondern in dem breiteren 21:9-Format gedreht. Und mit eben diesem "UltraWide-Format" wollen die Hersteller die ansonsten eher drögen Computermonitore aufpeppen. Aus dem Angebot haben wir uns den 29UB65 von LG herausgesucht und über Wochen getestet. Unser Fazit: Das breite Format ist weit weniger ein Marketing-Gag, als wir anfangs dachten. Es ist sogar ziemlich praktisch.

Der 29UB65 hat eine Bilddiagonale von 29 Zoll (73 Zentimetern) und eine Auflösung von 2560 x 1080 Pixel. Die Höhe entspricht der von FullHD, doch in der Breite ist die Bildfläche etwa 18 Zentimeter breiter als bei einem 24 Zoll 16:9 Monitor. Bei Alltagsarbeiten und Spielen bietet die zusätzliche Fläche einen handfesten Mehrwert.

Zum Beispiel beim Schneiden von Videos. Im UltraWide-Format ist von der Schnitt-Timeline deutlich mehr zu sehen. Das ebenfalls breitere Auswahlfenster für weiteres Filmmaterial, Bilder und Effekte zeigt nun mehr Dateien auf einen Blick. Das spart eine Menge an Scrollen und Zoomen. Gleiches gilt für die Fotobearbeitung und Grafikerstellung. Ob nun Toolbars, mehrere Bilder oder Vorschaufenster – alles passt nebeneinander. Das 21:9-Format ist sozusagen zwei Bildschirme in einem. Mit dem Vorteil von weniger Kabelsalat und Stromhunger. Vollbildfetischisten sollten sich indes davon befreien, jeden Ordner bildschirmfüllend zu öffnen. Dazu zählt auch der Webbrowser, außer man ist mit 25 offenen Tabs im Internet unterwegs - so viele passen im Vollbild bequem nebeneinander.

Mit seiner IPS-Technik ist Video- und Bildbearbeitung ohnehin die Stärke des 29UB65. IPS steht für "In-plane Switiching", einer besonderen Anordnung der Flüssigkeitskristalle. Im Gegensatz zur günstigeren TN-Technik, wie sie in den meisten Bildschirmen zum Einsatz kommt, ist die Farbdarstellung von IPS unverfälscht, der Kontrast hoch und das Bild sehr scharf. Mit Digitalkameras geschossene Aufnahmen sehen auf dem IPS-Monitor genauso aus wie im Kamerasdisplay. Und wer seine Bilder farblich bearbeitet, kann sich sicher sein, dass sie auch hinterher mit eben diesen Farben aus dem Drucker kommen. Und im Gegensatz zu den günstigen TN-Panels verliert das IPS-Monitorbild auch beim Blick von der Seite nicht wesentlich an Kontrast und Farbtreue.

Doch die IPS-Technik hat einen Nachteil: Die Reaktionszeiten beim Bildaufbau sind spürbar langsamer als bei einem TN-Panel. Empfindliche Spieler schneller Multiplayer-Shooter werden mit dem Monitor daher nicht glücklich werden. Hier ist immer noch das TN-Panel mit 144 Hertz die erste Wahl. Dem steht jedoch ein Vorteil des IPS gegenüber: Mit dem überbreiten Format steigt das "Mittendrin-Gefühl" bei den Games. Ob nun in Open-World-Titeln wie "Watchdogs" und "Skyrim" oder Flug-Simulationen wie "Il2 Cliffs of Dover". Freunde von Echtzeit-Strategiespielen profitieren von der größeren Übersicht über ihr virtuelles Reich und seine Schlachtfelder. So lassen sich in "Anno 2070" selbst komplexe Handelswege auf einen Blick kontrollieren.

Das exotische Format wird zwar von den allermeisten Spielen problemlos unterstützt, doch nicht von allen. Das liegt keineswegs an ihrem Alter. Während vergleichsweise neue Spiele wie "Bioshock Infinite" und "Dishonored" nicht in die Breite gehen wollten, zeigten sich das fünf Jahre alte "Stalker: Call of Pripyat", "Deus Ex Human Revolution" von 2011 und das gar 15 Jahre alte "System Shock 2" ohne Murren in 2560 x 1080. Gleiches gilt für Autorennspiele wie "Grid", "Shift" und das betagte "Testdrive Unlimited". Die beliebte "Assassin's Creed"-Reihe verweigert sich leider komplett dem überbreiten Format. Die Spiele zeigen sich dann im 16:9-Format mit den schwarzen Balken am Rand oder werden skaliert.

Erfreulich für Gamer: Obwohl mehr Pixel berechnet werden müssen, bleiben die Anforderungen an die Grafikkarte insgesamt moderat. Auch ältere Grafikkarten wie die AMD 7970 oder Nvidia 680 können trotz des höheren Rechenaufwandes noch mithalten. Das macht die 21:9-Monitore zu einem guten Kompromiss für alle, die beim Spielen mehr sehen wollen, ohne gleich in eine stärkere Grafikkarte investieren zu müssen. Zudem sind die schmalen Monitore günstiger als das etwas größere 16:9-Format mit 2560 x 1440 Pixeln. Besonders Gimmick des getesteten LG-Monitors: Er lässt sich teilen. Werden zwei Computer über HDMI-Kabel an dem Monitor angeschlossen, bekommt jeder eine eigene Bildschirmhälfte. Selbst Macund Windows lassen sich so gleichzeitig anzeigen. Über die Pivot-Funktion und den höhenverstellbaren Standfuß kann der Bildschirm in die Vertikale gedreht werden. Dinge, die wohl im privaten Gebrauch eher selten nützlich sein dürften.

Für ein IPS-Panel mit dieser Ausstattung ist ein Straßenpreis von rund 420 Euro ein gutes Angebot. Die Variante ohne Pivot ist ab 350 Euro erhältlich. Mittlerweile haben fast alle namhaften Monitoranbieter das 21:9-Format im Programm. Die Geräte unterscheiden sich deutlich in der Ausstattung und Preis. Nur beim Panel, also dem eigentlichen Bildschirm, sind sich alle einig: das wird derzeit von LG hergestellt.


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