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Mitfahr-Netzwerk: Flinc ans Ziel

In den meisten Pkw werden mehr leere Plätze als Personen transportiert. Das deutsche Startup Flinc will Fahrer und Mitfahrer zusammenbringen - vollautomatisch, in Echtzeit und auch für kurze Strecken.

Von Ralf Sander

Ob während der Rushhour in der City oder im Stau an der Autobahnbaustelle - ein Blick in die Autos um einen herum zeigt: Die meisten Fahrzeuge sind nur mit einer Person besetzt. Statistisch sitzen in einem Pkw pro Fahrt rund 1,5 Personen, in Städten sind es sogar nur 1,2. Ein Zustand, den Benjamin Kirschner und Michael Hübl ändern wollen. 2008 haben die beiden als Studenten an der Hochschule Darmstadt begonnen, eine Lösung für die bessere Auslastung von Autos zu suchen. Aus dem Uni-Projekt wurde 2010 eine Firma mit einem Produkt: Flinc, das soziale Mobilitätsnetzwerk, wie es Mitgründer Kirschner gerne nennt.

Flinc ist so etwas wie Mitfahrzentrale 2.0, nur ohne Zentrale. Kein Mensch sortiert die Anfragen, kein schwarzes Brett sammelt Zettel mit Hilferufen wie "Muss am Dienstag nach Berlin. Wer noch?".

Alles automatisch

Die Flinc-Technik übernimmt das Vermitteln von Fahrer und Mitfahrer. Vollautomatisch, in Echtzeit und auch für kurze Strecken. Hier bestehe großes Potenzial für Flinc, denn 80 Prozent aller Fahrten seien kürzer als 40 Kilometer, sagen die Firmengründer. Das habe eine Untersuchung des Forschungsinstituts Infas ergeben. Traditionelle Mitfahrzentralen vermitteln Kurzstrecken nicht.

Flinc funktioniert so: Ein Fahrer wird sich heute um 18 auf den Weg von Hamburg nach Berlin machen. Er trägt bei Flinc seine Tour ein, legt einen Fahrpreis fest und wartet. Bald bekommt er von Flinc eine Nachricht, dass Mitfahrer A ebenfalls von Hamburg nach Berlin möchte und mit Abfahrzeit und vorgesehenem Fahrpreis einverstanden ist. Mit einem Klick kann der Fahrer den Passagier akzeptieren, Flinc stellt darauf hin den Kontakt zwischen beiden her. So weit, so konventionell.

Die Stärke von Flinc liegt aber darin, auch Teilstrecken zu vermitteln. Mitfahrer B beispielsweise will von Reinbek nach Witzhave. Die Flinc-Software erkennt, dass beide Orte auf dem Weg von Hamburg nach Berlin liegen und vermittelt den Passagier an den Fahrer. Und vielleicht auch Mitfahrer C, der in einem Kaff vor den Toren Berlins eine Fahrgelegenheit für die letzten Kilometer sucht. Der Fahrer kann in jedem Einzelfall - auch während der Fahrt - entscheiden, welche Anfragen er annimmt. Flinc liefert dazu wichtige Entscheidungshilfen wie zum Beispiel die Länge des Umwegs und den geschätzten Benzinmehrverbrauch, aber auch die Kostenersparnis durch einen weiteren Mitfahrer.

Flinc lässt sich zurzeit über die Website flinc.org sowie eine App für iPhone und iPad nutzen. Das Programm für Android ist noch in der Entwicklung. Wer die Navigationssoftware von Navigon fürs iPhone besitzt, kann Flinc noch effizienter nutzen: Das Tool integriert sich in das Navi und lotst den Fahrer direkt zum Treffpunkt mit dem Mitfahrer.

Nur keine Fremden mitnehmen

Die smarte Vermittlungstechnik ist die eine Hälfte von Flinc, die andere ist das soziale Netzwerk, das die Macher für unverzichtbar halten: "Jeder soll sich sein eigenes Mobilitätsnetzwerk aufbauen, denn beim Mitfahren ist Vertrauen ganz wichtig", sagt Mitgründer Kirschner. Also sollte man sich zuerst mit Personen anfreunden, die man persönlich kennt. Neben dem Freundeskreis bildet Flinc außerdem eine Sphäre der Kontakte von Kontakten - ähnlich wie beim Business-Netzwerk Xing. So sollen sich im weiteren Bekanntenkreis neue Mitfahrgelegenheiten bieten. Die Flinc-Macher hoffen, dass sich auf diesem Weg nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch in Unternehmen neue Fahrgemeinschaften bilden. Motto: Huch, der Typ aus der Poststelle wohnt ja um die Ecke. Und wenn die Fahrt dann doch nicht so toll war: Am Ende jeder Tour fragt die Flinc-Software, ob man den Mitfahrer wieder mitnehmen würde oder nicht. Wer sich Auto im nicht ordentlich benimmt, läuft also Gefahr, irgendwann nicht mehr mitgenommen zu werden.

Die Konkurrenz auf dem Gebiet der Fahrtenvermittlung ist vielfältig. Angebote wie mitfahrzentrale.de und mitfahrgelegenheit.de nutzen ebenfalls das Web und auch Apps für ihre Zwecke und verfügen nach eigenen Angaben über viele Hunderttausend registrierte Nutzer. Und der Automobilkonzern Daimler testet in Ulm ein eigenes System, das Fahrer und Mitfahrer per Smartphone und über das Web zusammenbringt.

Mit dem integrierten sozialen Netzwerk und der in Echtzeit funktionierenden Technik unterscheidet sich Flinc allerdings von den Mitbewerben. Noch ist das Angebot kostenlos. Denn damit das Ganze überhaupt funktionieren kann, müssen möglichst schnell viele Nutzer gewonnen werden. Sonst bestehen die persönlichen Mobilitätsnetzwerke nur aus ein paar Leuten. Mittelfristig plant Flinc eine Vermittlungsgebühr zu erheben. Schließlich ist es kein Uni-Projekt mehr, sondern richtiges Business.

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