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PC-Software: Das Moorhuhn flattert wieder

Die aufgestauten Aggressionen müssen einfach raus. Nach diversen weich gespülten Ablegern geht es bei "Moorhuhn X" wieder nur um das Eine: Ballern, bis die Maus qualmt.

Lange, lange Jahre ist es her, da stellte eine damals noch recht unbekannte Firma namens Phenomedia das kostenlose Spiel "Moorhuhn" ins Internet. Es ließ den fedrigen Bewohner der schottischen Torfmoore dümmlich grinsend über den Bildschirm flattern. Die Spieler dürfen das arme Moorhuhn gleich im Dutzend vom Monitor ballern - und bekamen dafür auch noch Punkte geschenkt. Dass das Spiel eigentlich nur Werbung für eine bekannte Whisky-Sorte machen sollte, ging angesichts der übersprudelnden Mordlust der Bildschirm-Ballermänner völlig unter. Stattdessen brach in der deutschen Nation das Hühnerfieber aus. Millionen Büroangestellte daddelten in der Mittagspause das "Moorhuhn" und versuchten, binnen 90 Minuten so viele wehrlose Moorhühner wie nur möglich mit heißem Schrot vom Himmel zu holen.

Nachdem der Hype um das Moorhuhn auch im Zuge des Startups-Sterbens etwas abgeebbt ist, versuchten die Junge von Phenomedia im letzten Jahr, ganz neue Wege zu beschreiten. Der lüsterne Schafsbock Sven Bomwollen durfte in zwei Spielen die weiblichen Schafe auf der Weide so intensiv beglücken, dass ein lüsternes "Mäh" durch die Arbeitszimmer der Nation dröhnte. Das Moorhuhn selbst wurde in einem tiefer gelegten Boliden auf die Kartbahn geschickt, um hier einige Runden gegen die Zeit zu drehen.

Moorhuhn X

System

ab Windows 98

Autor

Phenomedia

Preis

XS: Freeware
XXL: 10 Euro

Sprache

Deutsch

Das Urteil der Fans war einhellig: alles ganz nett, aber nicht mit dem Original zu vergleichen. Inzwischen sind die Freunde der wüsten Ballerei bereits auf dem Höhepunkt ihres Entzugs angelangt: Ein neues Schießabenteuer muss her. Phenomedia kann liefern. Endlich. Mit dem Stichtag des 19. Mai 2003 steht das "Moorhuhn X" überall im Internet zum Download bereit - u.a. auch bei Bild.de. Das neue Abenteuer führt die bestehende Reihe humoriger Moorhuhn-Ballerspiele kongenial fort. Wieder hat sich die Grafik entscheidend verbessert, ohne dass das bewährte Spielprinzip über Bord geworfen wird: Binnen 90 Sekunden muss auf alles geballert werden, was sich auf dem Bildschirm bewegt. Eine neue Kulisse, ein Spiel im Spiel und viele spannende Gimmicks machen "Moorhuhn X" zu einem echten Abenteuer. Laut Aussage von Phenomedia hat man dieses Mal allerdings den Schwierigkeitsgrad der Rätsel etwas zurückgeschraubt, damit die Anwender nicht ausschließlich ins Tüfteln verfallen, sondern auch etwas Spaß mit der Software haben.

Wie das zuletzt bei allen Phenomedia-Spielen der Fall war, wird es eine kostenlose XS-Version geben, die im Internet zum Download angeboten wird. Sie enthält eine abgespeckte Version des Spiels. Wer mehr sehen möchte, besorgt sich die XL-Version, die Bild.T-Online.de exklusiv im Internet verkauft. Auf CD ist dann die XXL-Version auf CD zu haben. Sie kostet zehn Euro und wird am 15. Mai in einer Startauflage von 60.000 an den Handel ausgeliefert. Das Spiel auf der XXL-Version ist dann bereits satte 76 Megabyte groß und wird von 43 Megabyte Bonus-Materialien ergänzt.

90 Sekunden Ballerei

Das "Moorhuhn X" beginnt auf die klassische Weise. Nach dem Start einer neuen Partie zählt das Programm oben links im Fenster die verbleibenden Sekunden herunter. Oben rechts werden die Punkte addiert, die sich der Spieler während der Partie erkämpft.

Die Szenerie scrollt einmal mehr nach rechts und nach links. Mit den Richtungstasten kann der Spieler die Ansicht des Spielfeldes verschieben. Linkerhand beginnt der Ausblick in das neue Moorhuhn-Spielfeld mit der Ansicht eines kleinen Teiches. In der Mitte ist dann ein Schrottplatz zu sehen, während auf der rechten Seite ein knorriger alter Baum mit einem Knollennasengesicht auf die Spieler wartet. Wer beim Ballern keine Zeit hat, die Richtungstasten zu drücken, kann das Scrollen der Ansicht auch mit der Maus auslösen: Der Cursor muss nur an den linken oder rechten Bildschirmrand bewegt werden.

Die Maus fungiert wieder einmal als Schießprügel. Der lässt sich mit der linken Maustaste abfeuern, wobei der Cursor als Fadenkreuz beim Zielen hilft. Die vorhandene Munition ist schnell verbraucht, wie ein Überblick der verbleibenden Patronen unten rechts im Schirm zeigt. Sind alle Patronen verbraucht, kann mit der rechten Maustaste nachgeladen werden.

Die Moorhühner, die für "Moorhuhn X" völlig überarbeitet wurden und nun noch plastischer aussehen, fliegen inzwischen nicht mehr nur über den Parcours, sondern verstecken sich auch aktiv an vielen Stellen oder rennen mit weit ausholenden Schritten zu Fuß über den Boden.

Der Spieler, der sich auf die Taktik beschränkt, einzig und allein die gerade sichtbaren Hühner abzuknallen, wird zunächst den höchsten Punktestand einfahren und sich schon bald mit seinem Namen im Highscore eintragen dürfen. Viel spannender ist es aber natürlich, die zahlreichen Rätsel zu knacken, die auch bei diesem Spiel das Salz in der Suppe sind.

Spieler, die das Moorhuhn besonders erfolgreich vom Himmel holen, dürfen ihren Highscore übrigens auch ins Internet funken. Beim nationalen Vergleich der Spieler dürfte es heiß hergehen: Nur wer die geheimen Gimmicks richtig ausreizt, wird dazu in der Lage sein, den eigenen Namen in den oberen Plätzen unterzubringen.

Verstecker Bonus

Das neue "Moorhuhn X" wäre kein echtes Moorhuhn-Spiel, wenn es nicht auch nach der hundertsten Partie noch einige Geheimnisse geben würde. So grübelt der Spieler doch lange darüber nach, was wohl die metallenen Safes zu bedeuten haben. Wie lassen sie sich öffnen? Auch der schlafende Baum mit seinem Knollennasengesicht gibt dem Anwender Rätsel auf. Wie lässt er sich wohl aufwecken?

Gerüchteweise soll der Besitzer allein der XXL-Vollversion dazu in der Lage sein, weitere Module im Spiel freizuspielen. Wobei es sich allerdings bei dieser "Überraschung" handeln soll, bleibt vorerst noch geheim.

Sicherlich wird es aber nach der Veröffentlichung der XS-Version nicht allzu lange dauern, bis die erste Komplettlösung im Internet zu finden ist. Ganz in diesem Sinne lohnt sich der regelmäßige Besuch der Moorhuhn-world.de, die sich der Veröffentlichung aller Moorhuhn-Geheimnisse verpflichtet hat.

Fazit

Das Spiel "Moorhuhn X" bietet alles, was sich süchtige Moorhuhn-Fans vom neuesten Teil versprochen haben. Das Programm bleibt dem alten Spielprinzip treu, sodass jeder Anwender, der irgendwann einmal eine Partie Moorhuhn gemeistert hat, sofort und ohne Nachdenken auch ins neue Spiel durchstarten kann. Für Abwechslung sorgen die neue, stark verbesserte 3D-Grafik, die völlig neu gestaltete Kulisse und natürlich die zahlreichen frisch erdachten Knobelrätsel. So gesehen steht dem reinen Ballerspaß rein gar nichts im Wege. Das Moorhuhn-süchtige Volk wird sich einmal mehr mit der Schrotflinte vor dem Monitor platzieren, um sich möglichst weit oben in den Highscore zu ballern. Die Beschränkung der Spielzeit auf 90 Sekunden sorgt dann auch gleich wieder für den bekannten Satz, der kurze Mittagspausen zu Stunden dehnen kann: "Ach, eine Runde mach ich noch."

Gelungen ist bei dem neuen Spiel, dass es nicht mehr so viele und nicht so komplizierte Rätsel gibt. Musste man beim letzten Moorhuhn noch mit dem Unmöglichen rechnen, so diktiert hier wieder die reine Logik die Lösung. Mit etwas Geduld, Knobelei und Spucke lassen sich eigentlich alle Aufgaben lösen.

Kaum echte Neuerungen

Ein wenig betrübt ist der eine oder andere Spieler, weil es so wenig echte Neuerungen im Konzept gibt. Spannend wäre es gewesen, wie in "Sven Bomwollen 2" ein Spiel mit mehreren alternativen Szenarien und Leveln vorzufinden. Ein echter Spaß wäre auch eine 3D-Egoshooter-Version des Spiels gewesen, die noch mehr Kribbeln auf das Rückgrat des Anwenders zaubert. Aber egal: Viele Fans wünschen sich, dass alles so bleibt wie immer - nur eben ganz anders. Ganz in diesem Sinne hat Phenomedia gute Arbeit geleistet.

Wo es die Downloads (ab 19.05.03) gibt, steht auf der offiziellen Website: http://www.moorhuhnx.de/index.html

Carsten Scheibe
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