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Pferdespiele: Es steht ein Pferd auf dem Schirm

Striegeln, füttern, streicheln - immer mehr Mädchen lieben Spiele mit Ross und Reiter am PC. Der stern hat gefragt, warum das so ist.

Es ist dunkel, die elfjährige Josy sitzt mutterseelenallein in einem Zugabteil. Es blitzt und donnert, Regen prasselt an die Scheiben, doch Josy hat keine Angst: Sie spielt nur ein Computerspiel, und der Zug bringt sie nach Schottland, zur berühmten Reitakademie von Darthmore. Hier beginnt das "Abenteuer auf dem Reiterhof", so heißt das Spiel, "Teil 4: Die Meisterschule": Als Josy bei der Akademie ankommt, schlägt ein Blitz in den Stall ein, die Pferdeboxen beginnen zu brennen, sie hört ein Pferd wiehern. Es ist Zorro, ihr Pferd im Spiel. Sie muss ihn retten. Sie hastet zum Stall, klickt auf die Leertaste, die Stalltür öffnet sich - doch Zorros Box ist verriegelt. Josy irrt umher. "Da! Ein Schlüssel!", ruft sie. Schnell nimmt sie ihn, läuft zurück zur Box und rettet Zorro aus den Flammen. "Geschafft!", stößt Josy erleichtert aus - und jetzt geht das Abenteuer auf dem Reiterhof richtig los: "Ich mag gar nicht mehr aufhören", schwärmt das Mädchen, das auch im echten Leben Pferdebesitzerin ist. "Das ist alles total echt gemacht. Cool!"

Nicht nur Josy ist begeistert vom Pferd im PC. Seit Monaten besetzen Pferdespiele die ersten Plätze der Kindersoftware-Charts, und die Spielindustrie legt fleißig nach - endlich Software, mit der man Mädchen an den PC kriegt. Das Spielprinzip ist so simpel wie verführerisch: Pflege dein Pferd, gewinne sein Vertrauen, meistere Abenteuer und Turniere. Doch beim Spielen lernen die Kleinen mehr als virtuelles Reiten, Verantwortung zum Beispiel: Miste den Stall aus, sonst kriegt dein Pferd Würmer. Reite und streichle es täglich, sonst ist es traurig.

Besonders für Kinder unter zehn Jahren ist das Angebot groß. "Bibi und Tina: Der geheime Pferdeclub" gehört dazu. Das Spiel basiert auf der Hörkassetten-Serie mit Hexe Bibi Blocksberg und ihrer Freundin Tina. Die besten Freundinnen Nina, 9, und Carlotta, 10, aus Hamburg spielen es für den stern: Sie sind auf dem Martinshof zu Besuch, dem Zuhause von Bibi und Tina. Hier herrscht große Aufregung: Hengst Maharadscha ist ausgerissen. Zum Glück ist Bibi da. "Hex hex": Die Hexe zaubert die Hufspuren des Hengstes sichtbar. Gemeinsam finden die Mädchen das verunsicherte Tier. Nun müssen sie zum Internat, in dem Maharadschas Besitzer wohnt. "Wie kommen wir denn dahin?", fragt Nina verzweifelt. "Du musst auf die Landkarte klicken!", ruft Carlotta. Doch schnell wird das Spiel den Mädchen zu eintönig. "Ich find's blöd, dass wir so wenig machen können. Immer nur irgendwo draufklicken ist langweilig!", findet Nina. Gaul Over.

Carlotta will selbst reiten, also startet Nina "Lass uns Reiten 2". Damit basteln sie sich mit dem "Pferdeeditor" erst einmal das Pferd ihrer Träume. "Das find ich toll! Ich will einen Hengst, den nenn ich Hugo": Nina ist begeistert, die beiden kichern. Dann geht's endlich zum Turnier auf Hof Auenwald. Nina und Hugo gehen an den Start. Sie galoppieren auf das erste Hindernis zu - Hugo springt, geschafft! "Das ist mein Lieblingsspiel!", ruft Nina. Doch beim dritten Sprung zögert Hugo und verweigert, Nina ist verunsichert und verirrt sich im Parcours. Jetzt ist Carlotta auf Stute Kischa dran. Fehlerfrei und in Bestzeit meistert das Paar alle Hürden. Carlotta hat gewonnen, und das bedeutet ihr viel: Im "echten Leben" hat sie leider kein Pferd, im Spiel aber sind Kischa und sie gerade Freunde geworden. Dabei ist es Carlotta egal, dass es ihre Stute nur auf dem Bildschirm gibt: Für sie wird "PC" ab sofort "Pferdecomputer" heißen.

Mascha Jacoby / print
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