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Scheibes Kolumne: Gadget-Feldstudie in der Türkei

stern.de-Kolumnist Carsten Scheibe hat die zwei Wochen in einer türkischen Ferienanlage gut genutzt: Zwischen Meer und Pool hat er eine Feldstudie betrieben und den Leuten auf den Liegen direkt auf die Elektronik geschaut. Seine Erkenntnis: Der Nintendo DS ist noch nicht tot, und das iPad ist im Kommen.

Hier im Asteria Hotel im türkischen Belek trifft sich die Welt. Schätzungsweise tausend Gäste sind in der weitläufigen Anlage unterwegs. Alle Nationen sind hier vertreten: Deutsche, Russen, Polen, Tschechen, Franzosen, Belgier, Schweden, Engländer - und sogar ein glatzköpfiger Mann aus dem Kongo. Dieses Kuddelmuddel der Nationen lädt dazu ein, aus Beobachter-Sicht die Gretchen-Frage zu stellen: Sagt mal, wie haltet ihr es denn mit der Elektronik?

Fakt Nummer eins ist: Auf den wenigsten Sonnenliegen wird noch gelesen. Wenigstens einer aus der Familie hat beim Sonnenbad immer ein Stück Elektronik in der Hand. Meist sind es die Kinder, die sich die Zeit bei einem Spielchen vertreiben. Aber auch die Erwachsenen nutzen die digitale Zerstreuung gern. Hier ist in den letzten Jahren viel passiert. Als ich vor sechs Jahren das letzte Mal in einem türkischen Ferienhotel abgestiegen war, gab es noch keine Elektronik rund um den Pool. Obwohl ich IT-Fan bin, finde ich die Entwicklung sehr bedenklich. An Gadgets herumdaddeln kann man auch Zuhause.

Die Liegewiesen gehören dem Nintendo DS

Hier im Asteria wird die Elektronik regelrecht in Zonen genutzt. Am Meer, auf den Liegewiesen und am Pool ist der Nintendo DS Zuhause. Das Gerät ist anscheinend doch noch sehr verbreitet und hat den Kampf gegen den iPod Touch noch lange nicht verloren. Fakt ist, dass es Dutzende, wenn nicht gar weit über hundert DS-Geräte gibt, die hier zeitgleich zum Einsatz kommen. Kein Wunder, dass es auf den Märkten in Side und Belek denn vor allem DS-Raubkopien zu kaufen gibt. Der neueste Trend sind DS-Module, die mit hauchdünnen Speicherkarten aufgewertet werden und dann 301 Raubkopien auf einmal speichern. Solche Raubkopie-Bomben mit allen aktuellen Titeln kosten hier auf den Märkten um die 35 Euro.

An der Pool-Bar regiert das iPhone

Kommt man im Asteria in den höher gelegenen Bereich der Pool-Bar, so verschwinden die Nintendos urplötzlich. Hier sitzen die Erwachsenen, die mit dem Handy telefonieren - ungeachtet der teuren Auslands-Gebühren. Neben vielen 08/15-Geräten sind hier doch schon etliche iPhones zu sehen, allerdings ausschließlich Geräte der 3. Generation. Ein iPhone 4 ist mir jedenfalls nicht untergekommen. Auf jeden Fall fällt auf, dass immer irgendjemand am Telefonieren ist. Hat das schnelle Telefonat aus dem Urlaub die Postkarte ersetzt? Während am hoteleigenen Kiosk die neue "Bild" immer sofort ausverkauft ist, tut sich im Postkartenständer wenig.

Die Lobby - der Lebensraum für Notebooks

Ganz "oben" im Hotelgelände ist die Lobby mit dem kostenlosen Wlan. Hier finden sich vor allem nachts die Gäste ein, die E-Mails checken möchten oder noch etwas arbeiten müssen. Es ist erstaunlich, wie vielseitig das Rechneraufgebot an den etwa zehn Tischchen ist, die hier zum Arbeiten zur Verfügung stehen. Es gibt Note- und Netbooks, ein paar Macs und bemerkenswerterweise gleich mehrere iPads. Das iPad scheint als Reisebegleiter ideal. Auf dem Flug kann man Filme schauen und im Hotel die E-Mails und die Online-Zeitungen lesen. Während ich gebückt über meinem Notebook hänge, sitzen die iPad-Besitzer ganz entspannt auf ihren Stühlen.

Ach ja: Eine einzige Playstation Portable habe ich in zwei Wochen gesehen. Dieses mobile Gerät kann sich anscheinend nicht flächendeckend durchsetzen.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania