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Scheibes Kolumne: Maroder Schrott-PC

stern.de-Kolumnist Scheibe ist einfach nur noch müde. Dieser ganze Frickelkram am Windows-PC geht ihm gehörig auf die Nerven. Und nachdem der alte Rechner schon auseinanderfällt, dauert es wieder einen ganzen Tag, um den neuen PC einsatzbereit zu machen.

Früher war das echt cool. Wir DOS-Zeilenritter und Windows-Frickler der ersten Stunde wurden zwar als Tasten-Nerds und Mäuse-Schubser verlacht. Aber wenn der Computer nicht mehr lief, hatten wir allein immer alle Tricks auf Lager, um die Kiste wieder zum Laufen zu bringen. Im einfachsten Fall rückten wir ein lose sitzendes Kabel wieder gerade und faselten etwas von einem IRQ-Konflikt, den wir zum Glück finden und beheben konnten. Im schlimmsten Fall kam Schweiß auf die Stirn und der ganze Rechner musste gestürzt, formatiert und neu bespielt werden.

Mit Windows zu arbeiten, das war so etwas wie die Lizenz zum Schrauben. Während die Mac-Anwender einfach nur ihrer Arbeit nachgingen, waren wir vom Windows-Fußvolk immer irgendwo zugange, um Speicherblöcke auszutauschen, Registry-Codes zu pimpen oder um Freeware-Tools zu installieren, die mehr können als die Basis-Funktionen. Das geht alles. Aber - es geht zu weit. Jetzt, 20 Jahre später, ist es einfach nur noch nervtötend, wenn Windows einfach den Dreh nicht findet.

Ich merke das gerade wieder. Mein Rechner ist knapp zwei Jahre alt und mit Windows XP ausgestattet. In den letzten Monaten habe ich zig Programme getestet, sie installiert und auch wieder gelöscht. Mit der Zeit hat der Rechner dadurch einen immer größeren Hau wegbekommen. Windows verkraftet es einfach nicht, wenn am PC gearbeitet wird. Das System verschlackt und verschlammt immer mehr.

"Ätsch, geht doch nicht"

Erst fiel bei mir die Systemwiederherstellung aus. Es war mir einfach nicht mehr möglich, den gesicherten Stand "von früher" wieder herzustellen. Nach jedem Reboot stand da ein "Ätsch, geht doch nicht" auf dem Schirm. Dann konnte ich aus Outlook heraus plötzlich keine Adressen mehr im Excel-Format exportieren - für die Verwendung mit Serienbriefen. Die Zip-Funktion meines Rechners ließ mich zwar in Archive hineinsehen, erlaubte es aber nicht mehr, das Zip zu "verlassen". So musste ich extrem tricksen, um die Archive auszupacken. Bestimmte Dateiformate verweigerten sich auf einmal der Wiedergabe. Das .Net-Framework 2.0 war nach manchen Software-Updates auf einmal kaputt. Was tragisch war, weil dann auch meine TV-Software nicht mehr funktionierte. Und nein, das war kein Virus.

Zuletzt wurde der Rechner so träge und langsam, dass Corel Draw beim Layouten manchmal aus Speichermangel abstürzte und die fertig geschriebene Seite mit ins Nirvana riss. Und Outlook selbst ließ den ganzen Bildschirm in Katatonie einfrieren, wenn es darum ging, ein paar neue Mails vom Server zu holen. Als es dann auch noch zu fiesen Konflikten mit den externen USB-Schnittstellen kam, war alles aus. Es klingelte an der Tür - und mein ISDN-Anrufmonitor zeigte es mir nicht mehr auf dem Bildschirm an. iTunes weigerte sich auf einmal, mein iPhone zu erkennen. So schlachtete ich es drei Mal nacheinander und setzte es auf Null zurück, um es dann völlig neu mit Apps und Daten zu bespielen. Mit dem Ergebnis, dass die Synchronisation ein paar Tage später wieder nicht funktionierte.

Inzwischen habe ich mir einen neuen PC angeschafft und sitze nun schon den ganzen Tag daran, die verschiedenen Programme zu installieren und freizuschaufeln, Daten zu transferieren und alles wieder in den Gang zu bekommen. Dabei fällt mir auf: Ich habe keine Lust mehr drauf.

Wie schön ist das doch beim Apple iPhone. Alle Anwendungen bestehen nur aus einer einzelnen Datei. Das bedeutet, ich kann alle meine Programme problemlos sichern und auf eine DVD brennen. Geht irgendetwas schief, ziehe ich sie einfach wieder in das iTunes-Programmfenster und alles ist wieder so wie vorher. Kontakte, Termine und Web-Adressen speichere ich über MobileMe im Internet. Im Ernstfall sind auch diese Daten im Nullkommanichts wieder auf dem mobilen Gerät. Ich habe gehört, dass Apple an einem Tablett-PC arbeitet, der sich wie ein riesiges iPhone bedienen lässt. Ich glaube, das ist dann der Moment, an dem ich der PC-Welt endgültig Adieu sage und nach 20 Jahren Frickeln und Schrauben endlich in die Mac-Welt überwechsle.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania