Scheibes Kolumne Shareware im Wandel


Stern.de-Kolumnist Carsten Scheibe ist Experte für Shareware und bereits seit 15 Jahren immer den neuesten Tools und Trends auf der Fährte. Immer wenn er gerade glaubt, dass sich in diesem Bereich nichts wirklich Wichtiges mehr tut, kommt es zu schwer wiegenden Veränderungen.

Vor gut 15 Jahren gab es die Shareware-Szene auch schon. Damals waren in Deutschland zahlreiche Shareware-Händler wie etwa CDV Software, der PD-Profi oder JDS Jens Driese aktiv. Sie alle verschickten einen kostenlosen Katalog auf Diskette, in dem alle Neuerungen aus der Shareware- und Freeware-Szene verzeichnet waren. Wer wollte, konnte einen Bestellschein ausfüllen und sich die gewünschten Testversionen mit der Post zusenden lassen - gegen Gebühr und natürlich ebenfalls auf Diskette.

Von der Disk zur CD-Rom

Dann wurde die CD-Rom erfunden. Prompt war die Diskette "out". Riesige Sammlungen mit zig Hundert Tools wurden auf eine einzelne CD gebrannt und mit einem hübschen Cover in den Handel gebracht. Kollektionen wie die beliebte "Pegasus" erschienen alle paar Monate neu und vertickten gleich mehrere zehntausend Einheiten. Schon bald kamen die PC-Magazine auf den Trichter, auf ihren Heft-CDs ebenfalls Shareware und Freeware anzubieten.

Von der CD-Rom zum Internet

Inzwischen weiß jeder, dass es schneller geht und auch preisgünstiger ist, sich die aktuellen Testversionen aus dem Internet zu fischen. In zahlreichen Download-Portalen werden schließlich tagesaktuell alle Neuheiten und Updates verzeichnet, die sich dann per Mausklick auf die eigene Festplatte übernehmen lassen.

Ganz egal, wie Shareware-Programme verteilt werden: Es gilt, dass sie sich nach der Installation immer nur eine begrenzte Zeit lang auf dem eigenen Rechner ausprobieren lassen. Anschließend muss der Anwender die Vollversion kaufen oder die Testversion wieder löschen. Freeware-Programme lassen sich sogar dauerhaft kostenfrei einsetzen - oft allerdings nur im privaten Umfeld.

Neue Trends

In den letzten Monaten hat sich die Shareware-Szene wieder einmal gewandelt - dieses Mal aber nur inhaltlich. Das Angebot an kostenfreier Freeware hat merklich Federn lassen müssen. Klarer Fall: Viele "kostenfreie" Tools haben sich über eingeblendete Werbung oder über ein eingebundenes Spyware-Modul finanziert. Seitdem eben diese Module auf dem moralischen Index stehen, werden viele der ehemals kostenfreien Tools wieder nach dem Shareware-Prinzip angeboten - erst prüfen, dann zahlen.

Doch es geht noch ein weiterer Ruck durch die Freeware-Szene. Viele richtig bekannte Freeware-Tools aus deutschen Landen sichern sich eine neue Einnahmequelle, indem sie inzwischen Zusatzmodule mit aufnehmen, die nicht als Spyware deklariert sind, die aber über ein so genanntes Affiliate-System doch Geld einbringen. Dabei kann es sich etwa um eine Ebay-Toolleiste für den Internet Explorer handeln, die nach Rücksprache mit dem Anwender gleich mitinstalliert wird. Niemand möchte stänkern - das ist natürlich völlig legitim.

Gute Zeiten für Gelegenheitsspieler

Auch bei der Shareware tut sich etwas. Vor allen Dingen bei den Spielen, die momentan äußerst begehrt sind. Fast hat es den Anschein, dass die ganze Nation nur noch am Rechner spielt, anstatt ihn auch für andere Aufgaben heranzuziehen. Auf jeden Fall ist das Angebot an richtig guten Casual Games unglaublich hoch. Vor allem im Ausland (USA und Osteuropa) werden sie in großer Zahl und in einer wirklich bemerkenswert guten Optik hergestellt. Waren Shareware-Spiele früher immer deutlich preiswerter als kommerzielle Spiele, so scheinen sich alle Entwickler zurzeit auf den recht hohen Einheitspreis von 19,95 Dollar bzw. Euro geeinigt zu haben. Ein stolzer Preis, der mit großem Selbstvertrauen verlangt und offenbar von den Kunden auch bezahlt wird. Um die Forderung zu unterstreichen, laufen die meisten Spieledemos auch nicht mehr 30 Tage wie früher, sondern nur noch 60 Minuten. Manche Games lassen sich gar nur noch zwei Mal starten, bevor die Registrierung nötig wird.

Im Anwendungsbereich herrscht dafür tote Hose. Fast hat es den Anschein, als würden die Entwickler nur noch Sicherheits-Software und Tuning-Tools entwickeln, während die früher so gern besetzten Büro&Business-Kategorien gar nicht mehr oder nur durch neue Versionen der Klassiker mit Leben versehen werden. Hier ist inzwischen ein Vakuum im Angebot entstanden, das ein findiger Entwickler sehr gut mit seiner Angebotspalette füllen könnte.

Carsten Scheibe, Typemania

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