HOME

Scheibes Kolumne: Wetten am Computer

stern.de-Mitarbeiter Scheibe ist ein echtes Spielkind. Oder drastischer ausgedrückt - ein überzeugter Zocker. Nachdem er sich bereits in etlichen Online-Casinos herumgetrieben hat, hat er sich nun ganz den Wetten verschrieben. Mit Erfolg?

Irgendwie bin ich letztens zu 50 Euro geschenktem Kapital gekommen, das ich auf einer dieser Wettseiten im Internet auf den Kopf hauen durfte. Nennen wir sie Bet&Smile, weil ich an dieser Stelle nicht mit den echten Namen um mich werfen möchte. Wow. 50 Euro. Sicherlich würde es mir gelingen, daraus ganz auf die Schnelle 5000 Euro zu machen. Ohne große Erfahrung in diesem Bereich schaute ich mir die Wetten an, die mir auf der Seite angeboten wurden.

Die Wirklichkeit ist hart

Formel 1. Das hört sich doch ganz toll an. Da kann ich also auf den Mann wetten, der seinen Boliden als erster durch das Ziel lenkt. Wird das wohl Alonso sein? Oder doch eher Schuhmacher? Die Quoten stehen bei diesen beiden Jungs aber nicht gut: Alonso zahlt mir bei einem Sieg nur 3:1, bei Schumacher komme ich auf 4:1. Setze ich also einen Euro ein und Schuhmacher gewinnt, dann kassiere ich nur vier Euro. Da ist mir der Gewinn zu mager. Aus diesem Grund war beim letzten Rennen Christian Klien im Red Bull Team mein Favorit. 10 Euro habe ich gesetzt - bei einer Quote von 40:1. Vorausgesetzt, alle anderen Autos machen beim Start eine riesige Karambolage, hätte ich leicht 400 Euro kassieren können. Natürlich war die Wirklichkeit wieder einmal hart zu mir und Christian Klien hat nicht gewonnen. Was für ein Elend.

Quote ist alles

Trotzdem: Das Prinzip mit den hohen Quoten gefällt mir gut. Vielleicht klappt es bei einem anderen Sport ja besser. Ich schaue Darts ganz gerne. Da entdecke ich ein Duell zwischen Phil Taylor und Colin Lloyd. Setze ich auf Lloyd, steht die Quote bei 1:8. Zwar habe ich den Namen Lloyd beim Darts noch nie gehört, aber sei es drum. Wie stehen eigentlich die Chancen dafür, dass Taylor sich vor dem Duell den Wurffinger bricht? Oder sich zumindest eine ordentliche Diarrhö holt, die ihn im entscheidenden Moment verkrampfen lässt? Ich weiß es nicht, überlege aber, ob ich das Spiel selbst manipulieren soll. Hmm, leider bleibt dafür keine Zeit mehr, das Duell steht direkt bevor. Ich setze 40 Euro, weil ich es eilig habe mit dem Geld verdienen. Bei der Quote gewinne ich immerhin 640 Euro. Davon können wir die Nachzahlungsforderung fürs Gas bezahlen, die uns letztens ins Haus geschneit ist und die uns fast ins Armenhaus befördert hat. Aber: Auch hier ist das Glück gegen mich - und meine 50 Euro sind weg.

Es geht um die Ehre

Jetzt bin ich aber sauer. 50 Euro sind verloren, völlig wurscht, ob ich sie geschenkt bekommen habe oder nicht. Jetzt geht es um die Ehre. Ich zahle also 50 Euro von meinem eigenen Geld ein und setze alles auf das Testspiel Deutschland gegen Luxemburg am kommenden Samstag. Gewinnt Luxemburg, so zahlt mir das Wettbüro eine Quote von 34:1 aus. Ich könnte also 1700 Euro kassieren, wenn Lehmann im Tor nur oft genug patzt. Bis zum Spiel sind es ja noch ein paar Stunden. Ich bin mir sicher, dass es dieses Mal klappt mit dem Gewinnen. Und liebe Jungs von der Nationalmannschaft: Es ist ja nur ein Testspiel, das zählt ja gar nicht. Von mir aus könnt ihr also gerne einmal verlieren.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

Carsten Scheibe