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Speicherkarten-Vorstellung: Technik-Party auf dem Sunset Strip

Mit einem pompösen Fest auf Hollywoods Glitzermeile wollte die Silicon-Valley-Firma Sandisk beweisen: Speicherkarten müssen nicht langweilig sein. stern.de hat mitgefeiert, um zu sehen, ob das stimmt.

Von Karsten Lemm, Los Angeles

Gewiss, es gibt aufregendere Dinge im Leben als Speicherkarten; Vesa Heiskanen will das gar nicht verhehlen. "Wenn Sie nur den Speicher selbst betrachten, das ist ein ziemlich langweiliges Thema", sagt der gebürtige Finne, Produktmanager beim Kartenhersteller Sandisk in Kalifornien. "Aber wenn Sie überlegen, was Sie mit der Speicherkarte alles anfangen können, dann wird es gleich viel spannender."

Heiskanen steht vor dem Viper Room in Los Angeles, einem Nachtclub am Sunset Strip, der legendären Glitzermeile, auf der Hollywood gern feiern geht. Es ist Freitagabend, und Sandisk, der führende Anbieter von Speicherkarten für MP3-Spieler und Digitalkameras, hat zu einem rauschenden Fest eingeladen, um der Welt zu zeigen, dass auch Mobiltelefone viel unterhaltsamer sein können, als man meinen sollte - wenn sie denn nur genügend Speicher besitzen. "Wake up your phone!" - wecken Sie Ihr Telefon auf - lautet das Motto dieser "Sunset Strip Block Party", bei der Bands wie Linkin Park und Crystal Method angekündigt sind.

"Die jüngste Generation von Handys kann so viel mehr als nur Telefonieren", erklärt Heiskanen - Musik abspielen zum Beispiel, Fotos knipsen, Videos aufnehmen, per Landkarte und GPS-Chip jederzeit den richtigen Weg weisen. "Diese Funktionen sind nicht mehr nur Spielerei, sie werden wirklich nützlich." Er selbst, erzählt der 47-jährige Familienvater, greife gern zum Handy, um seine beiden Töchter, fünf und drei Jahre alt, zu filmen. "Das mache ich praktisch täglich, und bei acht Gigabyte brauche ich mir keine Gedanken zu machen, ob der Speicherplatz noch ausreicht."

Acht Gigabyte auf kleinstem Raum

Acht Gigabyte, das genügt für etwa 2000 Lieder, 5000 Fotos oder fünf Stunden Video. All das findet Platz auf einem winzigen Chip, kaum so groß wie ein Daumennagel. Dieser Chip ist der wahre, unscheinbare Star des Abends: eine "MicroSD"-Karte für Mobiltelefone, deren offizielles Debüt Sandisk mit der Block Party feiert. Und wie üblich haben Stars ihren Preis - mit 140 Dollar (der deutsche Preis steht noch nicht fest) kostet allein die Karte mehr als viele Handys mit Vertrag. "Es ist sicher viel Geld", räumt Heiskanen ein, glaubt aber, dass besonders Besitzer von Smartphones, den Multitalenten unter den Mobiltelefonen, bereit sein werden, solche Summen auf den Tisch zu legen, um die Fähigkeiten ihrer Geräte voll auszunutzen. "Ohne Speicher", sinniert Heiskanen, "ist es eben nur ein Telefon."

Tatsächlich sagen Marktforscher den Speicherkarten-Herstellern rosige Zeiten voraus. Schon in diesem Jahr wird mit den Minichips mehr Geld zu verdienen sein als mit Headsets, schätzt ABI Research - sieben Milliarden Dollar dürften Sandisk & Co. weltweit einnehmen, allein durch den Verkauf von Speicher-Erweiterungen für Mobiltelefone. Dazu kommt der Markt für Flash-Speicher ganz allgemein, der auf absehbare Zeit um jährlich mehr als 20 Prozent wachsen soll. Purzelnde Preise allerdings machen den Herstellern Sorgen. Sandisk meldete im zweiten Quartal einen Gewinnsturz um 70 Prozent und kürzte vorübergehend die Gehälter der Topmanager.

Vollgas in drei Clubs

Eigentlich kein Grund zum Feiern, aber an diesem Abend präsentiert sich die Firma in Party-Laune. In gleich drei Clubs tobt das Fest zu Ehren der neuen Speicherkarte, und damit jeder kapiert, worum es geht und wer die Rechnung zahlt, prangt überall unübersehbar das Firmenlogo. Ein Multimedia-Display im Key Club preist die Veranstaltung als "historisch" an, wieder und wieder, in einer Endlosschleife. Der Rapper Supernatural lässt sich, nachdem er artig dem Sponsor gedankt hat, vom Publikum Gerätenamen zurufen, die er spontan in seine Verse einbaut. Irgendwie muss man ja die Brücke schlagen zwischen Entertainment und Technik. Mixmeister Cut Chemist mischt derweil mit fetten Bässen und pumpenden Beats das Roxy Theatre auf, ehe die Brachialrocker Linkin Park den Key Club zum Beben bringen, bis die Cocktailgläser klirren.

N95 im Härtetest

All das können die etwa 150 eingeflogenen Reporter auf N95-Handys von Nokia festhalten, die Sandisk vor der Veranstaltung verteilt hat. Was dabei herausgekommen ist, zeigen die Bilderstrecke und das Video. Das N95 hat sich ganz ordentlich geschlagen, aber man sieht dennoch, dass es einer echten Kamera weder bei Fotos noch bei Filmen Konkurrenz machen kann. Am Ende des Abends ist auf der Speicherkarte tatsächlich noch reichlich Platz - nur die Batterie mag nicht mehr. So ein Langweiler.