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Tablet-PC-Konkurrenz: Freie Bahn für das iPad

Dem furiosen Erfolg des iPad hecheln viele Konkurrenten hinterher. Sie plagen sich mit den Kinderkrankheiten ihrer Geräte. Das vielversprechende Weihnachtsgeschäft ist für viele schon gelaufen.

Von Annika Graf und Björn Maatz

Es war ein verzweifelter Versuch: Fünf Sterne vergab Neofonie-Boss Helmut Hoffer von Ankershoffen seinem Wetab in der Wertung beim Onlinehändler Amazon unter dem Decknamen Peter Glaser - ein bekannter Blogger. Der Schwindel flog auf. Zu deutlich stachen die Lobhudeleien zwischen überwiegend kritischen Rezensionen für den Tablet-Rechner Wetab hervor. Ankershoffen musste abtreten und zugeben: "Die beiden fraglichen Rezensionen auf Amazon habe ich privat verfasst, ohne mich mit der übrigen Geschäftsführung oder unserer Kommunikationsabteilung abzustimmen." Internet-Tablets Invasion der iPad-Konkurrenten.

Die Konkurrenz läuft Apple hinterher

Der PR-GAU von Wetab steht beispielhaft für die verzweifelten Versuche der iPad-Konkurrenten, den Vorsprung von Apple wettzumachen. Verzögerte Verkaufsstarts und Softwareprobleme häufen sich, während der IT-Gigant aus Cupertino den Tablet-Markt monatelang allein beackern konnte. Nun dürfte Apple auch einen Großteil des wichtigen Weihnachtsgeschäfts so gut wie allein bestreiten.

Nach dem Erfolg der Smartphones steht auch der Tabletmarkt vor dem großen Boom: Analysten von Goldman Sachs erwarten, dass sich der weltweite Absatz von Tablet-Rechnern im kommenden Jahr von 16 Millionen auf 35 Millionen mehr als verdoppelt. Vorreiter Apple dürfte in diesem Jahr erstmal den Löwenanteil abgreifen. Innerhalb von 80 Tagen verkaufte Steve Jobs drei Millionen Exemplare seines iPads - und da war es erst Ende Juni.

Die Zahl der Konkurrenten ist bislang äußerst überschaubar, einzig die Geräte von Dell und Samsung gelten als ernst zu nehmende Konkurrenten, auch wenn ihr Bildschirm mit fünf beziehungsweise sieben Zoll nicht viel größer ist als der eines Smartphones. Microsoft-Chef Steve Ballmer äußerte sich bereits im Sommer besorgt. Apple habe bereits mehr iPads verkauft, als ihm lieb sei, sagte Ballmer. Immerhin: Rechtzeitig zu den Feiertagen soll ein Tablet-PC mit Microsoft-Betriebssystem vorgestellt werden. Wie das Gerät aussehen wird und welcher Hersteller es bauen wird, wollte der Microsoft-Boss aber noch nicht sagen.

Gartner-Analystin Carolina Milanesi erwartet, dass das so bleibt: "Apple wird noch auf Jahre führender Anbieter auf dem Tablet-Markt sein." Während Apple voraussichtlich Anfang 2011 seine zweite iPad-Generation herausbringe, brächten viele Konkurrenten erst ihre ersten Geräte auf den Markt, so Milanesi. Samsungs heimischer Konkurrent LG Electronics, der drittgrößte Handyhersteller weltweit, verschob den Verkaufsbeginn seines Tablets gerade auf Anfang 2011.

Blackberry-Hersteller RIM verkauft sein Playbook ebenfalls erst Anfang 2011. Auch Motorola schafft es nicht, sein Android-Tablet früher anzubieten.

Marktpotenzial testen

Teilweise sei das Absicht, so IDC-Analystin Eszter Morvay. Viele Hersteller hätten sehen wollen, wie sich das iPad verkauft, um das Marktpotenzial zu testen und ihr eigenes Produkt fertig zu entwickeln. Andere legten einen Fehlstart hin. Wie 1&1. Der Internetanbieter war früh dran. Dann nahmen die Westerwälder ihr Smartpad vom japanischen Hersteller NEC nach wenigen Wochen wieder vom Markt. Der zwei Zentimeter dicke Klotz kam in der Tech-Gemeinde nicht gut an.

Doch auch die Software bereitet Probleme. So gab LG Fehlern der Google-Software Android die Schuld an den Verzögerungen. Google-Manager Hugo Barra räumte jüngst ein, die aktuelle Android-Version sei nicht für Tablets optimiert. Die größeren Displays seien das Problem, erklärt Gartner-Analystin Milanesi. Sie erwartet aber, dass die für Mitte Oktober geplante neue Android-Version Besserung bringt. Neben dem Galaxy Tab von Samsung läuft Android auch auf den Tablets von Dell und Toshiba.

Probleme mit der Software sollen auch für die Verzögerungen beim Tablet von Hewlett-Packard verantwortlich sein. Das Tablet soll jetzt im Herbst mit Windows 7 für Unternehmen auf den Markt kommen. Für Verbraucher plant HP ein Tablet mit dem Palm-Betriebssystem WebOs.

Bleibt zu hoffen, dass der holprige Start des Wetab, das mit dem von Nokia und Intel entwickelten Betriebssystem Meego läuft, ein Einzelfall bleibt. Der jüngste Auftritt des Neofonie-Chefs dürfte der Glaubwürdigkeit der Apple-Konkurrenz jedenfalls kaum geholfen haben.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Samsung Galaxy Tab im Test: Konurrenz fürs Apple iPad"

FTD