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Nintendo 3DS: Der Letzte seiner Art

Mit dem 3DS zeigt das japanische Unternehmen Nintendo, dass es in einer neuen Dimension spielt. Doch braucht man wirklich noch eine neue mobile Spielkonsole, wo doch inzwischen Smartphones in jeder Hosentasche stecken?

Von Gerd Blank

Mit iPhone und Co. lässt sich hervorragend spielen, Games-Apps kosten nur einen Bruchteil von dem, was man für Spiele für Nintendos DS oder Sonys Playstation Portable zu blechen hat. Lohnt es sich, rund 250 Euro für eine reine Spielkonsole auszugeben, wenn man für dasselbe Geld auch ein Smartphone kaufen könnte - das neben den Spielen auch noch als Telefon, Internetzugang, Navigationsgerät und mehr funktioniert? Nintendos Antwort lautet: ja, unbedingt.

Der neue 3DS soll noch einmal zeigen, dass es sich lohnt, in innovative Spielkonzepte zu investieren. Und tatsächlich führt Nintendos jüngstes Familienmitglied spielerisch in eine neue Dimension. Der 3DS ist der Nachfolger des DSi, und trotz der offensichtlichen Ähnlichkeit der beiden Geräte ist fast alles anders. Der größte Unterschied: Mit dem 3DS können auf einem der zwei Displays Spiele mit Tiefenwirkung gespielt werden - ganz ohne Brille. Doch wie schlägt sich das Gerät im Alltagstest? Wie gut ist die Hardware, was taugt die Software und wie viel Spaß bringt es, Spiele in 3D zu spielen?

Hardware

Bei der Entwicklung des 3DS muss sich Nintendo gedacht haben: "Warum ein gutes Konzept ändern?" Die Hardware ähnelt dem Vorgänger sehr. Zusammengeklappt sieht der 3DS aus wie ein Mini-Laptop, und wie beim DSi wurde das Konzept der zwei Bildschirme beibehalten. Doch es gibt ein paar offensichtliche Unterschiede: Auf der Rückseite des Deckels befinden sich zwei Kameras. Der Bedienstift wird nicht mehr seitlich im Gerät verstaut, sondern hinten, außerdem lässt sich dieser wie eine Antenne zusammenschieben. Zum bekannten Steuerkreuz gesellt sich nun ein Analogstick, und ein Schiebeschalter regelt den 3D-Effekt. Während der obere Bildschirm im Gegensatz zum DSi auf 3,5 Zoll (8,89 cm) gewachsen und für die Tiefenwirkung zuständig ist, schrumpfte der untere Touchscreen auf 3 Zoll. Leider hat Nintendo bei der Auflösung gegeizt, das 3D-Display erreicht gerade einmal 800 x 240 Pixel - meilenweit von High Definition entfernt.

Schon beim Einschalten des Geräts überrascht die gute Qualität der 3D-Darstellung. Das leuchtstarke Display muss allerdings in einem festen Winkel und Abstand vor die Augen platziert werden, sonst bekommt man unweigerlich das Gefühl zu schielen. Hält man das Gerät aber korrekt, ist der Effekt erstaunlich, die Darstellung der räumlichen Tiefe funktioniert sehr gut. Im Menü erscheint es so, als säße die Schrift direkt auf dem Glas, während sich ein paar Zentimeter dahinter Symbole bewegen und drehen. An diese Darstellung gewöhnt man sich innerhalb weniger Minuten und möchte sie nicht mehr missen. Reduziert man per 3D-Regler die räumliche Tiefe, wirkt die Darstellung sofort langweilig.

3D-Inhalte lassen sich mit der Nintendo-Konsole auch selbst herstellen. Mit den beiden Kameras auf der Rückseite lassen sich Fotos knipsen und Videos drehen. Doch für eine hohe Bildqualität sind die Kameras mit jeweils 0,3 Megapixel viel zu schwach auf der Brust. Aber es reicht immerhin für ein paar lustige Schnappschüsse mit leichtem 3D-Effekt.

Schwacher Akku

Dem Gerät ist eine Speicherkarte mit zwei Gigabyte Fassungsvermögen beigelegt. Solange es noch keine Downloads für den 3DS gibt, reicht die Größe sicher aus, doch wer später Spiele oder andere Inhalte runterladen will, braucht mehr Platz.

Großer Schwachpunkt des 3DS ist der Akku. Zwar spricht Nintendo von bis zu fünf Stunden Laufzeit, allerdings hielt das Gerät im Test gerade einmal drei Stunden beim Spielen durch. Auf längeren Bahnfahrten oder auf Flugreisen kann man nur hoffen, dass eine Steckdose in der Nähe ist, denn der Akku lässt sich nicht austauschen.

Software und System

Auch die Software des 3DS wurde gründlich überarbeitet. Neben einem frischeren Menü wurden die Funktionen des Geräts deutlich erweitert, und ein paar Programme sind ebenfalls bereits an Bord. Die Darstellungsgröße der installierten Software lässt sich verändern, was bei einer Vielzahl von Anwendungen und Spielen sehr praktisch ist.

Leider hat Nintendo beim Timing ein wenig gepatzt, denn zum Verkaufsstart des Gerätes fehlen zwei wichtige Funktionen, die erst im Mai per Update nachgeliefert werden sollen: Das Surfen im Web ist ebenso deaktiviert wie die Möglichkeit, Software und andere Inhalte online zu erwerben. Dafür kann der 3DS Kontakt zu anderen Spielern aufnehmen - sogar im Stand-by-Modus. Es lässt sich festlegen, welche Informationen von einer Konsole an die andere übertragen werden können. Auch die von der Wii bekannten Mii-Avatare lassen sich auf dem 3DS erstellen. Allerdings wäre es viel sinnvoller gewesen, auf der Wii bereits existierende Avatare auf das mobile Gerät übertragen zu können.

Ganz amüsant sind die bereits installierten Programme: Bei "Face Raiders" fotografiert sich der Spieler selbst, sein Kopf wird dann plötzlich zu einem Flugobjekt und muss mit Bällen abgeschossen werden. Die hinteren Kameras filmen die Umgebung und machen daraus das Spielfeld. Ein schönes Beispiel von Augmented Reality in Videospielen bietet auch "AR Games". Hierfür liegen dem 3DS ein paar Spielkarten bei. Diese Karten werden auf einer geraden Oberfläche platziert und von der Spielkonsole visuell erfasst - und schon verwandelt sich die Karte in ein interaktives Feld mit vielen lustigen Minispielen. Auch hier hat Nintendo vorbildliche Arbeit geleistet. Das neue Aktivitätslog hingegen ist offensichtlich nur eine Alibi-Anwendung: Hier lässt sich ablesen, wie viel Zeit man mit dem 3DS verbracht hat. Wer's braucht ...

Fazit

Nintendo hat es wieder getan: Mit der Wii erfand der Konzern die Bewegungssteuerung, mit dem 3DS zieht nun die dritte Dimension in die Videospiele ein. Und das funktioniert erstaunlich gut. Um das optimale Spielergebnis zu erzielen, muss das Gerät zwar immer in einer korrekten Position gehalten werden, aber das ist ein kleiner Preis für einen tollen Effekt. Hoch ist allerdings der Verkaufspreis: rund 250 Euro. Für diese Summe gibt es schon eine Xbox 360, mit der man deutlich mehr anfangen kann als mit dem 3DS - nur eben keine 3D-Spiele spielen.

Das Potenzial der kleinen Konsole scheint riesig, durch Software-Updates wird das Gerät in den nächsten Jahren um viele Funktionen erweitert. Noch kann man mit keinem Smartphone 3D-Spiele in dieser Qualität spielen. Hinzu kommt, dass es nur bei Nintendo Mario, Zelda und Pokemon gibt - demnächst auch in 3D. Und wem die räumliche Tiefe nicht gefällt, der kann den Effekt auch ausschalten. Was dann bleibt, ist allerdings lediglich ein besserer (und teurerer) DSi.

Dies ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass Nintendo mit einem reinen Spielgerät für unterwegs für Furore sorgen kann. Künftig übernehmen die Smartphones dieser Welt das Geschäft und sorgen für Innovation. Also feiern wir das Ende einer Ära mit dem wohl besten Gameboy aller Zeiten.