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Aufholjagd von Sony: Die verordnete Vernetzung

Unter Sonys Dach findet sich alles, um den Markt aufzurollen. Statt vereint anzugreifen, werkeln die Sparten aber aneinander vorbei. 2010 will Konzernchef Stringer das Problem lösen - fünf Jahre nach Amtsantritt.

Von Björn Maatz

Bevor Steve Jobs zum Wesentlichen kommt, muss er noch eine Botschaft loswerden: "Apple macht mehr Umsatz mit mobilen Endgeräten als Sony - trotz Camcordern, Digitalkameras und diesem ganzen Kram, den sie herstellen", verkündet der Apple-Chef Ende Januar kurz vor der Enthüllung des Tablet-Rechners iPad. Überhaupt sei Apple jetzt der weltgrößte Hersteller mobiler Endgeräte. "Das ist erstaunlich", findet Jobs.

Kein Wunder: Sony-Chef Howard Stringer hat eigentlich die beste Ausgangslage, um in der Apple-Liga mitzuspielen. Der Konzern kann sich quasi selbst mit Inhalten aus angeschlossenen Filmstudios und Plattenfirmen beliefern, die Japaner verfügen über ein gigantisches Hardwareportfolio aus Fernsehern, Computern, Spielekonsolen, Kameras sowie Handys über das Joint Venture Sony Ericsson.

Doch Sony verlor in den vergangenen Jahren den Anschluss und schaffte es nicht, Synergien aus dem Riesenreich zu heben. Die Japaner fuhren Milliardenverluste ein und bauten Zehntausende Jobs ab.

Sony wagt sich aus der Deckung

Nach jahrelanger Schockstarre wagt sich Sony nun wieder aus der Deckung: Das Unternehmen präsentierte am Donnerstag ein neues Steuerungsgerät für seine Playstation, das die Bewegungen der Spieler auf dem Bildschirm nachvollzieht. Eine Kopie der Technik des Marktführers Nintendo - und eine Kampfansage an Microsoft , dessen bewegungsgesteuertes System Natal noch bis zum Weihnachtsgeschäft auf sich warten lässt. Erst am Dienstag hatte Sony verkündet, im bis März 2011 laufenden Geschäftsjahr 2,5 Millionen 3-D-Fernseher verkaufen zu wollen - zweieinhalbmal so viele wie Rivale Panasonic. Die passenden 3-D-Spiele liefert Sony gleich mit.´

Seit seinem Amtsantritt im Juni 2005 redet Stringer davon, die Produkte des Unternehmens intelligent miteinander vernetzen zu wollen. In der zweiten Jahreshälfte soll es so weit sein. Dann präsentiert der Konzern seine Antwort auf Apples Onlineladen iTunes: die bislang Sony Online Service (SOS) genannte Internetplattform, über die die Kunden Software, Spiele, Filme und Musik auf Sonys Bravia-Fernseher, Vaio-Rechner, Playstations und andere Geräte laden können. Stringer verspricht sich von dem Geschäft mit Online-Netzwerkdiensten bis März 2013 einen Umsatz von 300 Mrd. Yen (2,43 Mrd. Euro) . Die Plattform soll die bestehende Serverinfrastruktur sowie die Abrechnungssysteme des Playstation Network nutzen. Bislang stehen dort Filme und Spiele zur Verfügung - allerdings nur für die Spielkonsole. Parallel betreibt Sony Ericsson eine Onlineplattform, über die sich wiederum Spiele, Musik oder Softwareanwendungen laden lassen - nur aufs Handy. Rüdiger Spies vom IT-Beratungsunternehmen IDC hält es für wahrscheinlich, dass diese beiden Plattformen zusammenwachsen: "Ein enger Technologieaustausch ist sinnvoll", sagt der Analyst.

Das hat auch Stringer erkannt. "Seit drei Jahren bin ich nicht mehr hier gewesen", gestand der Sony-Chef Mitte Februar beim Mobile World Congress in Barcelona, dem Mekka der Handybranche. Analysten deuten seinen Auftritt so, dass Sony und Sony Ericsson künftig enger zusammenarbeiten wollen.

Handysteuerung für die Playstation 3

Einen ersten Vorgeschmack zeigt das Smartphone Aino: Das Mobiltelefon lässt sich als Fernsteuerung für die Playstation 3 nutzen und kann somit auf sämtliche Inhalte der Spielkonsole zugreifen. Zudem wird seit Langem über ein Smartphone auf Basis der tragbaren Konsole Playstation Portable spekuliert. Angeblich bastelt Sony auch an einer Mischung aus Netbook, E-Book-Reader und Spielkonsole als Konkurrenzprodukt zum iPad.

Auch innerhalb des Konzerns soll es künftig mehr Querverbindungen geben - Grundvoraussetzung für eine vernetzte Sony-Produktwelt. "Das schien vorher keine Toppriorität bei Sony gewesen zu sein", mutmaßt Carolina Milanesi von der US-Marktforschungsfirma Gartner. Bislang waren die Sparten sehr darauf bedacht, ihre Territorien zu verteidigen. Zudem kommen jetzt Chips auf den Markt, die die Rechenleistung für die Vernetzung digitaler Endgeräte sowie die Verschmelzung von TV und Web erst möglich machen. Chipgigant Intel und der Handychipdesigner ARM erhoffen sich durch die Unterhaltungselektronik einen Schub.

Die Japaner sind zur Eile getrieben. "Sony darf auf keinen Fall diesen Zeitpunkt verpassen", warnt Spies. Grund: Die Konkurrenz prescht weiter vor. Intel und Handy-Weltmarktführer Nokia haben eine gemeinsame Softwareplattform angekündigt. Auch Microsoft hat sich mit seiner kürzlich vorgestellten neuen Plattform für Mobiltelefone im Endkundengeschäft zurückgemeldet. Und Apple wird Sony in wenigen Wochen wieder mit einem neuen Produkt voraus sein - dem iPad.

FTD