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Camcorder: Bewegte Bilder bei jeder Gelegenheit

Noch nie war es so einfach, selbst Filme zu drehen: Die neue Generation von Camcordern ist preiswert, hat beste Bildqualität, ist leicht zu bedienen - und klein genug für jede Tasche.

Von Sven Stillich

Die Revolution ist bei Youtube.de zu besichtigen, Videoclip für Videoclip: Rasend schnell donnert der Snowboarder die Piste bergab, der Schnee staubt, die Kamera ist auf Kniehöhe, nach nur drei Minuten ist der Film zu Ende. Nächster Clip: Wackelig folgt das Bild einer Gruppe Rollerskater, der Kameramann hält sich den Camcorder beim Rollschuhlaufen selbst vors Auge. Nach zwei Minuten stürzt er - alles mit drauf. Nächster Clip: Auf Teppichhöhe flitzt die Kamera durch eine Villa, eine Führung durch alle Zimmer, vier Minuten lang, erzählt von der Hauskatze. Internetsurfer lieben solche Kurzfilme. Möglich werden sie durch eine neue Generation von Videokameras für Hobbyfilmer - und die revolutionieren auch gleich das gute, alte Urlaubsvideo.

Der japanische Hersteller Sanyo brachte mit seiner Xacti-Serie die ersten Vertreter der neuen Camcorder auf den Markt. Ihr Kennzeichen: Im Vergleich zu älteren Videokameras waren die Xactis winzig klein. Die Sanyo-Modelle sind außerdem geformt wie ein Pistolengriff, obendran ein Objektiv, dazu ein Display zum Ausklappen. So eine Kamera kann man überallhin mitnehmen - und eben auch beim Skifahren am Schenkel festbinden.

Kleiner und kompakter

Für solche Eskapaden ist auch das Innenleben geeignet: Statt einer Videokassette im Mini-DV-Format steckt eine SD-Speicherkarte in den handlichen Kameras. Die nimmt Filme ohne bewegte Teile auf und macht die Kamera so besonders robust. Weil solche Karten anfangs noch sehr teuer waren und die Kapazität nur für wenige Minuten reichte, entstanden mit diesen Kameras zuerst vor allem kurze Youtube-Clips.

Die neue Generation ist erwachsen geworden, die Hersteller haben viele Varianten entwickelt - nicht jede in Pistolengriff-Format. Allen gemein ist: Camcorder sind kleiner und kompakter, Speicherkarten und Festplatten lösen die Kassette als Aufnahmemedium ab. Und die Preise sind gefallen: Für nicht mal 200 Euro kann man gute Markengeräte kaufen. Selbst hochauflösende Kameras mit HD-Technologie sind inzwischen für kaum mehr als 500 Euro zu haben.

Diese Geräte lohnen sich vor allem für Besitzer moderner Flachbildfernseher. Denn mit einer Auflösung von 1280 mal 720 Pixeln (besser noch 1920 mal 1080, also "Full-HD") sehen selbst gemachte Videoaufnahmen auf LCD- oder Plasma-Bildschirmen sensationell gut aus. Die Anschaffung einer HD-Kamera ist auch interessant, wenn im Wohnzimmer noch ein Röhrenfernseher steht. Schließlich sind viele Aufnahmen nicht wiederholbar. Wer die Einschulung seines Kindes oder die Silberhochzeit einmal mit Normalauflösung gefilmt hat, wird sich in ein paar Jahren über die schlechte Bildqualität auf dem brandneuen Fernseher ärgern.

Mehr Kapazitäten

Inzwischen ist auch die Datenfülle, die hochaufgelöste Videos liefern, kein Problem mehr für die neuen Speichermedien. Festplatten sind in den vergangenen Jahren immer kleiner und schneller geworden, sie können gewaltige Datenmengen speichern. Wie beim digitalen Fotografieren werden die Aufnahmen nach dem Filmen auf den Computer überspielt. Dann kann man den Speicher des Camcorders löschen, um Platz für neues Filmmaterial zu schaffen.

Die Kapazität von Speicherkarten ist ebenfalls stark gewachsen - bei gleichzeitigem Preisverfall. 16 Gigabyte fassende und noch dazu schnell arbeitende SD-Karten gibt es bereits für unter 30 Euro. Das reicht je nach Auflösung für mehrere Stunden Film.

Trotz des grossen Speicherplatzes müssen die Daten, die von der Kamera aufgenommen werden, komprimiert werden, damit sie nicht zu viel Platz einnehmen. Derzeit setzt sich am Markt das speziell für Festplatten- und Kartenaufzeichnungen entwickelte Dateiformat AVCHD durch. Wer einfach nur ein wenig filmen will, muss natürlich nicht wissen, wie die Daten in der Kamera verarbeitet werden - dennoch ist es ratsam, beim Kauf darauf zu achten, ob die Kamera AVCHD unterstützt, denn dem Format gehört die Zukunft. Einziger Haken: Wer AVCHD-Filme schneiden und bearbeiten will, braucht nicht nur eine Software, die das Format beherrscht, sondern auch einen besonders schnellen Computer, weil der Umgang mit den Daten mehr Rechenleistung fordert.

Für alle Ansprüche sind inzwischen Camcorder zu haben: ganz nach Wunsch ohne Zoom, aber wasserdicht für den harten Outdoor-Einsatz oder mit riesigem Zoombereich und automatischer Bildstabilisierung für jede Aufnahmesituation. Ob damit ein kurzer Clip oder das abendfüllende Urlaubsepos gedreht werden soll - die Möglichkeiten sind vielfältiger denn je.

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