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Das Ende des Binging? : Warum die Streaming-Dienste von Disney und Apple unsere Netflix-Gewohnheiten umkrempeln wollen

"Komm, eine geht noch" - mit Netflix kam auch das Binge-Watching in deutschen Haushalten an. Doch die neuen Konkurrenten von Disney und Apple wollen das wieder ändern. Und haben dafür gute, aber sehr unterschiedliche Gründe.

Die "Star Wars"-Serie "The Mandalorian" hat Disney exklusiv für seinen Streaming-Dienst reserviert

Die "Star Wars"-Serie "The Mandalorian" hat Disney exklusiv für seinen Streaming-Dienst reserviert

PR-Material

Seit wir Serien vor allem auf Streaming-Plattformen schauen, hat sich auch der Umgang mit ihnen verändert. Statt wie früher sehnsüchtig auf die neue Folge zu warten, schaut man einfach noch eine - und hat schon mal eine Staffel an einem Wochenende durch. Disney und Apple wollen das wohl wieder ändern. Das Ende des Binge-Watching ist für sie eine clevere Möglichkeit sich abzusetzen - könnte aber auch nach hinten losgehen.

Erreichen wollen sie das mit einer anderen Veröffentlichungs-Strategie. Während Netflix und Amazon neue Serien-Staffeln in der Regel auf einen Schlag ins Netz stellen, orientieren sich die beiden Streaming-Neulinge laut Medienberichten mehr am klassischeren TV-Ansatz. Die Folgen sollen demnach wieder wöchentlich freigeschaltet werden.

Pausen-Effekt

Die Idee dahinter ist durchaus clever. So sorgte das Binge-Watching für ein großes Problem: Nicht jeder Zuschauer war auf demselben Stand, Gespräche über die neuen Folgen wurden zum Minenfeld für Spoiler. Von der wöchentlichen Staffelung dürften sich Disney und Apple eine Rückkehr des sogenannten "Water-Cooler-Effects" erhoffen. So bezeichnet man das Phänomen, dass bei der Arbeit alle über die gestern gelaufene Folge diskutieren - und man sich ausgeschlossen fühlt, wenn man nicht mitreden kann.

Doch die wöchentliche Taktung hat noch einen weiteren Effekt. Sie verhindert, dass man nur eine gewünschte Serie an einem Stück schaut und dann den Dienst wieder kündigt, eine Taktik, die in den USA als "Binge and bail" ("durchschauen und abhauen") bekannt ist. Stattdessen ist man gleich mehrere Wochen und Monate gebunden.

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Vor allem für Apple dürfte das wünschenswert sein. Während Disney aus seinem gigantischen Fundus an Serien und Filmen von "Mickey Maus" über "Star Wars" bis zu "Marvel" schöpfen kann, geht Konkurrent Apple zu Anfang nur mit drei Serien an den Start. Erst im Laufe der Zeit soll sich das Portfolio füllen. Bis dahin bindet die Wochentaktung die Kunden.

Unterschiedliche Strategie

Bei der Ausspielung unterscheiden sich die beiden Anbieter laut den Berichten. Disney scheint bei Serien wie der "Star Wars"-Show "The Mandalorian" oder der Marvel-Serie "Loki" klassisch jede Woche eine Folge online stellen zu wollen, berichtet "TV Line". So wie man es hierzulande von vor allem online angebotenen TV-Serien wie "Game of Thrones" oder "Better Call Saul" kennt, die kurz nach der Ausstrahlung bei Streaming-Anbietern landen.

Apple versucht es mit einem Misch-Ansatz, berichtet "Bloomberg". Die ersten drei Folgen der neuen Serien wie der hochkarätig besetzten "The Morning Show" seien demnach sofort abrufbar, danach setze eine Wochentaktung ein. Diese Strategie setzt etwa auch der US-Anbieter Hulu ein, der etwa "The Handmaidens Tale" produziert.

Ob die Strategie Erfolg hat, wird sich zeigen müssen. Vor allem für Apple könnte sie sich als riskant erweisen. Während Disney mit einem gigantischen Angebot von Publikumslieblingen und einem Kampfpreis von 7 Dollar an den Start geht, haben Kunden zum Start wenige Gründe, zu Apple zu wechseln. Vor allem zum bisher gemunkelten Preis um 10 Dollar pro Monat. Die große Gefahr: Die Kunden könnten einfach abwarten, bis alle Folgen der neuen Serien verfügbar sind - und sie dann doch nur in einem Monat durchschauen. Der Pauseneffekt verpufft dann einfach.

Quellen: Bloomberg, TV Line