HOME

IFA in Berlin: Wenn die Waschmaschine mit dem Fernseher spricht

Die IFA gilt als "Schaufenster für das Weihnachtsgeschäft", denn auf der Messe sind nicht nur Riesenfernseher und schlaue Lautsprecher zu sehen, sondern auch die Trends des vernetzten Zuhauses.

Anfang September werden auf der Branchenmesse IFA in Berlin wiederdie brandaktuellen Technik-Neuheiten vorgestellt. Vor allem die Händler hoffen, dass die Hersteller manchen bereichen neues Leben einhauchen, denn die Wachstumskurven waren in einigen Segmenten in letzter Zeit deutlich abgeflacht. Vor allem die Nachfrage nach neuen Flachbildfernsehern stagnierte. Doch die Branche zeigt sich optimistisch. Der Siegeszug der Smartphones bringt frischen Wind in die Verbraucherelektronik. Und Smartphone-Anwendungen zur Steuerung von Haushalts- und Unterhaltungstechnik treiben die Innovation an. Apps werden zum Jungbrunnen für die inzwischen 90-jährige IFA.

Riesige Fernseher mit Kinoqualität

"Die IFA ist in diesem Jahr größer denn je", sagt Hans-Joachim Kamp, Vorstandsmitglied des Branchenverbands GFU. Die Messe sei bereits ausgebucht. Neu hinzugekommen sei der City Cube als zusätzliche Ausstellungsfläche. Samsung zeigt dort erstmals die gesamte Bandbreite seiner Produkte vom Kühlschrank bis zum Fachbildfernseher unter einem Dach. Haushaltsgeräte nehmen inzwischen rund 30 Prozent der Fläche auf der Messe ein, Bauknecht ist das erste Mal dabei.

Auch in diesem Jahr bringen die großen Hersteller ihre neuesten TV-Geräte mit. Ein großes Highlight werden Flachbildfernseher mit mehr als 100 Zoll Diagonale und gestochen scharfem Bild mit Ultra-HD-Auflösung sowie gebogenem Display sein. Die südkoreanischen Rivalen Samsung und LG werden in Berlin ihre Flaggschiffe gegeneinander antreten lassen, die Film-Genuss in Kinoqualität bringen sollen.

Zu Jahresbeginn war der Absatz von Fernsehgeräten in Deutschland abgeflaut. Zudem sanken die Preise, so dass der Umsatz um spürbare 7,3 Prozent schrumpfte. Das zweite Quartal mit dem traditionellen Geschäftstreiber Fußball-WM lässt die Zahlen zur Jahresmitte wieder versöhnlicher aussehen. Im gesamten ersten Halbjahr wurden laut GFU mit 3,95 Millionen Fernsehern 8,6 Prozent mehr Geräte verkauft. Der Umsatz liegt demnach angesichts des Preisverfalls immer noch ein Prozent im Minus. Für das gesamte Jahr 2014 rechnet der Branchenverband Bitkom mit einem Umsatzrückgang von 3 Prozent bei einem Absatz-Plus von 1,1 Prozent.

Mehr Tablets als Fernseher

Die Branche sieht aber grundsätzlich gute Rahmenbedingungen: So sei die Inflationsrate niedrig und die Beschäftigung auf einem hohen Niveau. Außerdem profitierten die Kunden von besonders niedrigen Zinsen bei der Anschaffung großer Geräte.

Der Markt sei zudem insgesamt größer als früher, betont Jürgen Boyny von der Marktforschungsfirma gfk Retail and Technology. Die neuen Flachbild-Geräte hätten 2007 für einen mächtigen Auftrieb gesorgt. Mit knapp zehn Millionen verkauften Fernsehern sei in dem Jahr ein Höhepunkt erreicht worden, 2012 waren es dann noch 7,5 Millionen. Vor 2007 habe die Branche aber maximal knapp 6 Millionen Geräte pro Jahr abgesetzt, sagt Boyny.

Die GFK rechnet damit, dass 2015 mit 20 Millionen Geräten deutlich mehr Tablets als Fernseher abgesetzt werden. "Das Fernsehgerät ist alternativlos", sagt Boyny. BeispieltextSmartphone und Tablets ermöglichten aber eine deutlich einfachere Bedienung der Geräte.

Das "Smart Home" ist das nächste große Ding

"Die Zukunft ist smart, und wir sind mittendrin", bringt es Hans Wienands, Deutschland-Chef von Samsung und Vorstandsvorsitzender des Fachverbands ZVEI, auf den Punkt. Das "Smart Home" sei das nächste große Ding. "Wenn wir die Nutzer dort abholen, wo sie sind, werden wir erfolgreich sein." Der Lebensstil sei bereits digital, die digitale Infrastruktur sei vorhanden. "Jetzt müssen wir nur noch alles intelligent vernetzen." Dabei dürfe die Branche die Nutzer aber nicht mit komplexen Lösungen überfordern, sondern im Alltag abholen.

Damit Geräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Fernseher und Audiotechnik auch untereinander auch wirklich kommunizieren können, müssen Standards her. Erste Schritte würden derzeit von den großen Playern der Branche erarbeitet, sagt gfu-Aufsichtsratsmitglied Kamp. "Das "connected home" ist die Zukunft. Wer den Standard dafür macht, der wird gewinnen."

Neben Tablets und Smartphones wird es auf der IFA aber auch zahlreiche Personal Computer zu sehen geben. Der PC- und Tablet-Hersteller Acer etwa will eine Produktoffensive mit insgesamt 14 neuen Serien in Berlin zeigen. "Wir erleben eine Renaissance des Personal Computers", sagt Wilfried Thom, bei Acer für das Geschäft in Zentraleuropa zuständig. Tablets steuerten dagegen derzeit auf eine Marktsättigung zu. Vor allem flacheres Design bei Notebooks und hohe Akkulaufzeiten seien die wichtigsten Gründe für die Nachfrage. "Wir haben wieder Innovationen, die Kaufanreize bieten", sagte Thom.

cf/DPA / DPA