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Online-Shopping: Online-Handel, nein danke: Warum ich wieder im Laden kaufe

Schlangen bei der Post, mäßige Lieferservice-Pizza, Pappkartons im Flur: Im Internet bestellen ist bequem, geht schnell - und es macht zum egoistischen Stubenhocker. Wie ich meine Liebe zum Bummeln wiederentdeckt und dem Online-Handel abgeschworen habe.

Von Gesa Holz

Getty Images

Zugegeben, bei Karstadt und Co. war ich ein, vielleicht zwei Mal. Das klassische Warenhaus soll alles haben, was der Kunde begehrt. Mein Gedanke: Das Internet hat mehr. Damit bin ich gewiss nicht allein und Unrecht habe ich auch nicht. Online-Shopping ist verführerisch. Preise vergleichen, zuhause beliefert werden, sich durch ein unendliches Sortiment klicken. Es macht Spaß, ist bequem, scheint die neue Norm zu sein.

Kleine Käufe, die uns bequem werden lassen

Ich kaufe gerne online. Nicht viel, nur das Wichtigste. Ein neues Ladekabel für meinen Laptop - viel günstiger als das Original. Kokosblütenzucker und Mandelmus in großen Packungen. Ab und zu Kleidung, Technik, Reisen. Die Glasflasche aus der ich trinke, der Tisch an dem ich sitze.

Jedes Mal freue ich mich, wenn ich Pakete bei meinen leicht genervten, Nachbarn abholen kann. Jedes Mal türmen sich Berge von Pappe und Folien in meinem Flur. Jedes Mal habe ich nicht in die Stadt fahren müssen. Lauter kleine Käufe, nicht weiter auffällig. Käufe, die eine Gesellschaft verändern und den Menschen bequem werden lassen.

Vor Zeiten des Online-Handels bin ich gerne mit Freundinnen in die Stadt gegangen. Habe Kleidung anprobiert, Mittag gegessen, bin ins Kino oder Theater gegangen. Heute läuft es ähnlich ab: Ich shoppe stundenlang online, wir bestellen Sushi nachhause, wir streamen einen Film. Ich muss meine eignen vier Wände nicht verlassen. Fest bin ich davon überzeugt, meine Zeit sinnvoller nutzen zu können. Dass das völliger Irrsinn ist, wird mir erst später bewusst.

Dienstag Nachmittag - Ich sitze seit mehreren Stunden zuhause, warte auf ein Amazon-Paket, welches zwischen 12-20 Uhr ankommen soll. Eine wage Zeitangabe, denke ich. Ich besänftige mich mit dem Gedanken an all die gesparte Zeit, die ich in der Stadt gebraucht hätte. Eine Freundin ist zu Besuch und wir bestellen Indisch. 30 Minuten später ist das Essen da - lauwarm. Genervt erwärme ich es in einem Topf und rege mich über den Lieferservice auf. Als drei Stunden später immer noch keine Spur von Amazon zu sehen ist, wird mir klar: Den ganzen Ärger habe ich mir selbst eingebrockt. Ich erwarte ein heißes Curry vom anderen Ende der Stadt in unter 30 Minuten. Ich erspare mir den Weg in die Läden, den letztendlich jemand anders auf sich nehmen muss.

Ein Aufwand, der so viel geringer gar nicht ist

Oft bestelle ich ein und dieselbe Hose drei mal. Online kann ich sie schließlich nicht anprobieren. Um dem Warten in Schlangen zu entkommen, kaufe ich mir das Kleid im Netz mit einem Klick. Ich gehe online Lebensmittel einkaufen, um das volle Sortiment genießen zu können. Ich lese stundenlang Bewertungen, um sicherzugehen, genau das gesuchte Produkt zu bekommen. Ich bin überzeugt, mir eine Menge Mühe, Zeit und Geld zu sparen. Wer für alles aufkommt, ist nebensächlich. Solange ich es nicht selbst bin.

Was mir dabei nicht auffällt ist, dass ich drei von drei Hosen auch wieder zurück senden muss - gepasst hat keine. Hätt’ ich sie bloß anprobiert. Für das Kleid stehe ich zwar nicht in der Schlange, muss dafür aber fast eine Woche auf meine Bestellung warten und 20 Minuten bei der Post anstehen. Bei dem Kauf von Müsli bekomme ich hunderte Angebote. Klicke mich von Seite zu Seite, verbringe letztendlich mehr Zeit online, als ich bei einem kleineren Ladensortiment gebraucht hätte. Ich scrolle durch Unmengen von Bewertungen, wäge ab welche vertrauenswürdig klingen, welche eine kompetente Beratung vermitteln.

Zehn Millionen Pakete pro Tag, ein Großteil sind Retouren

Wenn ich den Abholschein der Post in meinem Briefkasten finde, stelle ich mich automatisch auf stundenlanges Warten in einer Schlage von Online-Käufern ein. Die einen erwarten Pakete, die anderen schicken sie zurück.

Etwa zehn Millionen Pakete werden auf diese Art täglich versandt, berichtet der Bundesverband Paket und Expresslogistik. Das kostet Unmengen an Geld, Porto, Rückgaben und Lieferanten, deren Aufgabe es ist, uns Wege zu ersparen. Auf einmal frage ich mich: Was passiert mit Ware, die zurück geht? Wer muss eigentlich arbeiten, während ich auf dem Sofa sitze? 

Immer öfter ertappe ich mich dabei, über Online-Großhändler, ihre Personal-Handhabung und ihre Schuld am Verschwinden kleiner Läden herzuziehen. Letztendlich sind wir es aber selbst, die dieses Phänomen antreiben. Jeder Kauf im Internet, jedes gelieferte Essen, jede Rücksendung - alles Gründe, weshalb der Drogeriemarkt von nebenan geschlossen hat. Weshalb wir zunehmend Zeit zuhause verbringen. Weshalb wir weniger unter Menschen kommen. Während digitales Shopping immer unkomplizierter wird, bleibt die Realität beim Alten: Pakete müssen gecheckt, verpackt und geliefert werden.

Einkaufen zum Offline-Erlebnis machen 

Mit dieser neuen Erkenntnis habe ich heute meine Leidenschaft zum Bummeln wieder entdeckt. Sehe es nicht mehr als Pflicht, sondern als Erlebnis. Anprobieren, unter Leute kommen, das Haus verlassen. Und siehe da: Letztendlich dauert alles nur halb so lang und lohnt sich dafür umso mehr. Dem Online-Handel habe ich damit fürs erste abgeschworen. 

Finja Carolin Kütz von Oliver Wyman
gho
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