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"(N)Onliner-Atlas"-Studie: Mehr als 15 Millionen Deutsche wollen nicht ins Netz

Mehr als 20 Prozent der Deutschen sind überzeugte "Offliner". Die Studie "(N)Onliner-Atlas 2011" zeigt: Ob das Internet genutzt wird, hängt noch immer stark von Alter, Bildung, Einkommen und Geschlecht ab. Und auch regional gibt es Unterschiede.

Seniorinnen sind immer noch eher selten online

Seniorinnen sind immer noch eher selten online

Gut jeder Fünfte in Deutschland will nicht ins Internet. Der Anteil "überzeugter Offliner" liege bei 21,9 Prozent, ergab die Studie "(N)Onliner Atlas 2011". Das seien immerhin 15,5 Millionen Menschen, betonte der Geschäftsführer des Forschungsinstituts TNS Infratest, Robert Wieland.

Das Wachstum bei der Zahl der Internet-Nutzer hat sich der Studie zufolge unterdessen abgeschwächt. Aktuell sind 74,7 Prozent der Bevölkerung im Alter über 14 Jahren online. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil um 2,7 Prozentpunkte - der geringste Zuwachs seit 2008.

Geschlechts- und Altersunterschiede

Der typische Onliner ist der Untersuchung zufolge ein Mann, 41,5 Jahre alt und berufstätig. Er lebt in einem Haushalt mit zwei bis drei Personen, dessen Nettoeinkommen 2380 Euro beträgt. Der typische "Offliner" ist weiblich, 66,8 Jahre alt, nicht mehr berufstätig und lebt bei einem Nettoeinkommen von 1560 Euro in einem Haushalt mit ein bis zwei Bewohnern.

Alter und Geschlecht sind weiterhin entscheidende Faktoren für die Internetnutzung. Während Frauen eine Nutzungsquote von 68,9 Prozent erreichen, liegt diese bei Männern bei 80,7 Prozent. Allerdings war der Abstand noch nie so gering wie in diesem Jahr. Die Altersgruppe ab 70 Jahren ist mit deutlichem Abstand am seltensten im Netz: Nur ein Viertel (24,6 Prozent) hier nutzt das Internet. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es dagegen 97,3 Prozent. Auch das Einkommen spielt weiterhin eine starke Rolle: Nur 53 Prozent der Haushalte mit einem Nettoeinkommen von unter 1000 Euro nutzen das Internet, bei einem Einkommen von mehr als 3000 Euro sind es dagegen 92,3 Prozent.

Der Osten holt auf

Auch regional gibt es deutliche Unterschiede bei der Internetnutzung. Im Vergleich der Bundesländer liegt Bremen mit einer Quote von 80,2 Prozent an der Spitze. Danach folgen Berlin (79,3 Prozent), Baden-Württemberg (78 Prozent), Hessen (77,1 Prozent) und Hamburg (76,5 Prozent). In den ostdeutschen Ländern liegt die Nutzungsquote niedriger. Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt mit einer Quote von 64,2 Prozent. Allerdings wächst die Nutzungsquote in vielen neuen Ländern stark. Thüringen weist mit einem Plus von 5,6 Prozentpunkten die höchste Zuwachsrate aller Bundesländer auf; ein deutliches Plus gab es auch in Mecklenburg-Vorpommern (5,2 Prozentpunkte Zuwachs) und Sachsen (4,7 Prozentpunkte Zuwachs).

Mehr als die Hälfte hat Breitband

Breitband-Anschlüsse haben der Erhebung zufolge 70,3 Prozent der Internet-Nutzer und damit 52,2 Prozent der Bevölkerung. Es dominieren DSL-Zugänge, die stärksten Zuwächse gibt es aber bei Internet über Kabel (aktueller Anteil 5,9 Prozent) und der Nutzung mobiler Anschlüsse auch zuhause (aktuell 2,9 Prozent).

Europaweit liegt Deutschland bei der Internet-Nutzung auf dem siebten Platz. Spitzenreiter sind Island und Norwegen mit jeweils 93 Prozent. Deutschland kommt in dieser Rangliste auf 80 Prozent, weil nur Personen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren gezählt werden.

Skepsis gegenüber Onlinebanking

Viele Internetnutzer schrecken aus Angst vor Betrug allerdings weiterhin vor Onlinebanking zurück. Jeder vierte Befragte verzichtet nach eigenen Angaben auf Transaktionen im Internet aus Sorge davor, betrogen zu werden. Gerade jüngere Nutzer zeigen sich demnach eher zurückhaltend: Während 28 Prozent der bis 34-Jährigen aus Angst vor Betrug das Onlinebanking meiden, sind es bei den über 55-Jährigen lediglich 22,2 Prozent.

Die Initiative D21 erstellt seit 2001 Analysen zur Internetnutzung. Basis des (N)Onliner-Atlas sind mehr als 30.000 Interviews des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest. Die Initiative D 21 ist ein Netzwerk aus Politik und Wirtschaft, an dem sich mehr als 200 Unternehmen und Institutionen sowie politische Partner aus Bund, Ländern und Kommunen beteiligen.

san/DPA/AFP / DPA
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