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Facebook-Chef in der Kritik "Er gefährdet das Leben von Menschen": Das Mark-Zuckerberg-Krankenhaus kämpft gegen seinen Namen

Das Priscilla Chan and Mark Zuckerberg San Francisco General Hospital and Trauma Center 
Das Priscilla Chan and Mark Zuckerberg San Francisco General Hospital and Trauma Center 
© Eric Risberg/ / Picture Alliance
Mark Zuckerberg und seine großzügige Spende von 75 Millionen Dollar erschien einem Krankenhaus in seiner Wahlheimat einst als Segen. Nun soll es wegen Facebooks Umgang mit Covid nicht mehr nach dem Gründer des sozialen Netzwerks benannt sein. Doch da ist ein winziges Problem.

Es war ein wahrer Geldsegen: Als Mark Zuckerberg und seine Frau Prescilla Chan sich vor fünf Jahren für eine Spende von sagenhaften 75 Millionen Dollar für die Klinik entschlossen, in der Chan als Kinderärztin arbeitete, war das einzige öffentliche Krankenhaus von San Francisco dafür sogar zu einem Namenswechsel bereit. Und nannte sich fortan das "Prescilla Chan and Mark Zuckerberg San Francisco General Hospital and Trauma Center". Doch diesen Namen will man nun wieder los werden. Schuld ist der Umgang des Facebook-Chefs mit der Corona-Pandemie.

"Das einzige öffentliche Krankenhaus San Franciscos sollte nicht nach einer Person benannt sein, die dafür verantwortlich ist, die öffentliche Gesundheit in unserem Land und rund um die Welt zu gefährden. Und doch ist das der Fall", klagte Lokalpolitiker Gordon Mar bei Twitter. Er steckt hinter einem Antrag, den Namen offiziell zu verdammen. "Es geht hier um politische Entscheidungen. Und die sind mit steigenden Todeszahlen verbunden", erklärte er seine Abneigung gegen den Namen.

Facebook als Plattform für Corona-Lügen

Bei der Kontroverse geht es um den Umgang von Mark Zuckerbergs Unternehmen Facebook mit Falschmeldungen zu Gesundheitsfragen. Weil das Netzwerk gesteuert durch Algorithmen seine Inhalte so verteilt, dass sie das höchste Engagement erzielen, sorgt es immer wieder dafür, dass umstrittene oder gar falsche Darstellungen im Nu einem breiten Publikum präsentiert werden. Jüngstes Beispiel sind Gruppen, die Corona verharmlosen oder zur Verschwörungstheorie erklären. Obwohl Facebook und die Töchter Instagram und Whatsapp in den letzten Monaten verstärkt auf Faktenchecks und die Eingrenzung der Gruppen setzen, verbreiten sich Falschmeldungen, Drohungen oder absurde Pseudo-Heilmethoden immer wieder auf den Netzwerken. 

Die Stadt San Francisco steht dem Namenswechsel vor wenigen Jahren deshalb mittlerweile enorm kritisch gegenüber. "Wir sind natürlich dankbar für die Spende für eine der zur Zeit wichtigsten Einrichtungen", stellt Politiker Matt Haney klar. "Aber das bedeutet nicht, dass wir deshalb quasi unbegrenzt Werbung für einzelne Personen über diese Institution machen sollten." Um seine Position klar zu machen, verurteilte der Stadtrat den Namen nun offiziell. Von den elf Ratsmitgliedern stimmten drei dem Antrag zu, Gegenstimmen gab es keine.

Es geht um ein größeres Problem

Eine echte Folge wird die Abstimmung allerdings nicht haben, zumindest nicht für das Krankenhaus. Der Name ist an die Spende gebunden. Mindestens 50 Jahre muss das Krankenhaus den Namen tragen, erklärt der Deal. Wenn die Stadt das Krankenhaus umbenennen will, muss sie das Geld zurückzahlen. Das steht angesichts der aktuellen Pandemie nicht zur Debatte. Es gehe vor allem darum, klare Richtlinien für die Benennung von öffentlichen Einrichtungen nach Spendern zu schaffen, erklärt der Antrag entsprechend.

Denn Zuckerberg ist in der an Milliardären nicht armen Bay Area um San Francisco, San Jose und das dazwischen liegende Silicon Valley nicht alleine. Wie auch in anderen reichen Städten wie New York überbieten sich die zahlreichen Superreichen auch dort mit Spenden, wollen dann aber auch ihren Namen am Gebäude sehen. In San Francisco ist etwa ein anderes Krankenhaus nach Salesforce-Gründer Marc Benioff  benannt, die einstig berühmte Avery Music Hall in New York heißt seit einigen Jahren nach Milliardär David Geffen. Immer wieder gab es Debatten darüber, ob man den Superreichen ausgerechnet mit den Namensgebungen einen Anreiz zum Spenden schaffen sollte.

Für die Leiterin des Spendenkomitees des Zuckerberg-Krankenhauses, Kim Meredith, ist die Lage klar. Sie wehrt sich gegen die Abstrafung. Man sei "sehr stolz, dass das Krankenhaus nun ihre Namen trägt", erklärte sie in einem Statement ihren Rückhalt gegenüber dem Spenderpaar. Ganz uneigennützig ist das nicht. "Die Verurteilung der Umbenennung könnte unerwünschte Nebeneffekte und einen Abkühleffekt für vergangene, aktuelle und zukünftige Geschenke an die Stadt haben", klagt die Spendensammlerin. "Wir brauchen Spendenwillen, um die Herausforderungen durch Covid-10, eine faire Gesundheitsversorgung und den Wiederaufbau der nächsten Jahre finanzieren zu können." Welche Folgen die Resolution tatsächlich hat, wird sich zeigen müssen: Bisher war noch kein Großspender in dieser Form abgestraft worden, berichtet "Vox".

Quellen:The Independent, Antrag der Stadt San Francisco, Vox


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