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Non-Fungible Token "Ich kaufe mich selbst zurück": Emily Ratajkowski rächt sich auf clevere Weise an Instagram-Dieb

Beim Auktionshaus Christies will sich Emily Ratajkowski ihr Bild zurückerobern
Beim Auktionshaus Christies will sich Emily Ratajkowski ihr Bild zurückerobern
© Emily Ratajkowski/Christies / PR
Immer wieder wurden ihre Instagram-Bilder gegen ihren Willen genutzt. Nun wehrt sich Model Emily Ratajkowski. Und verkauft selbst eines der gestohlenen Bilder.

Wem gehört ein Bild von uns? Die Antwort auf diese Frage fällt für ein Model etwas unterschiedlich aus als für einen Durchschnittsbürger. Und doch verlor Emily Ratajkowski gerade dort die Kontrolle über ein Foto, wo sie dachte, die eigenen Bilder selbst in der Hand zu haben. Jetzt will sie es in einer spannenden Kunst-Aktion zurückerobern – indem sie ein Bild des Bildes verkauft.

Ihr digitales Kunstwerk trägt seine Aussage schon im Namen "Buying Myself Back: A Model for Redistribution" – "Mich selbst zurückkaufen: Ein Modell (oder eben Model) zum Weiterverkauf". Denn genau das hat das Model mit dem Bild vor. Sie will es selbst als Non-Fungible Token (NFT) Mitte Mai im berühmten Auktionshaus Christies verkaufen. Um ausgerechnet durch den Verkauf die Kontrolle über ein von Instagram gestohlenes Bild zurückzuerhalten.

Instagram-Posts als Gemälde

Facebooks Foto-Sharing Plattform war lange der einzige Ort, auf dem sich Ratajkowski als Herrin ihres eigenen Bildes fühlte. Sie entschied selbst, welche ihrer Abbildungen sie dort verbreitete, welche Blicke sie in ihr Leben erlaubte. Doch dann übernahm auch dort jemand anderes die Kontrolle über ein Bild: Im Rahmen einer Serie hatte der Maler Richard Prince ein Bild von ihr in die Kunstgalerien gebracht. Indem er einen ihrer Instagram-Posts inklusive eines Kommentars von ihm auf Leinwand bannte.

Als sie von der Aktion erfuhr und das Bild gemeinsam mit ihrem Ex-Freund in einer Galerie betrachtete, wusste sie nicht genau, ob sie sich freuen oder ärgern sollte, berichtete Ratajkowski letztes Jahr in einem langen Essay. Sie schätzte Prince als Künstler, fühlte sich aber hintergangen, ohne die eigene Zustimmung zum Kunstwerk geworden zu sein. Das Paar hätte gemeinsam überlegt, das Bild für 80.000 Dollar zu kaufen, doch der Galerist hatte es schon selbst für sich herausgesucht. Ein weiteres Gemälde der Serie, das ebenfalls auf einem ihrer Instagram-Posts beruhte, war aber noch zu bekommen. Erst später erfuhr sie, dass einer der ebenfalls auf Leinwand gebannten Kommentare unter dem Bild auf Deutsch ihre Brüste abwertend kommentierte. Es ist dieses Gemälde, aus dem sie nun selbst ein Statement über das Recht am eigenen Bild macht.

Wem gehört ein Bild?

Dass Ratajkowski nicht immer beherrscht, was mit ihren Bilder passiert, ist sie durchaus gewohnt. In dem Essay hatte das auch als Schauspielerin aktive Model sehr ausführlich ausgeführt, wie es sich anfühlte, wenn Männer, die Bilder von ihr gemacht hatten, diese gegen ihren Willen kontrollieren konnten. Sie wurde etwa von einem Paparazzi auf 150.000 Dollar Schadensersatz verklagt – weil sie sein gegen ihren Willen geschossenes Foto von ihr selbst auf Instagram geteilt hatte. Und auch mit ihrem Ex-Freund musste sie sich um ein Bild streiten, das eigentlich ihr geschenkt wurde und sogar sie zum Motiv hatte. Immer wieder tauchte dieses Muster also in ihrem Leben auf.

Ein Bild zeigt zwei fast nackte Frauen in identischer Pose: links Emily Ratajkowski, rechts Celeste Barber

Mit der Kunst-Aktion will sie das nun wieder selbst in die Hand nehmen. Sich dafür der Hype-Technologie NFT zu bedienen, ist ein cleverer Schachzug. Das technologisch ähnlich wie Bitcoin funktionierende Zertifikat NFT erlaubt es, digitale Aufnahmen einem klaren Besitzer zuzuordnen. Dadurch können sie zwar weiter geteilt werden, der Besitz ändert sich aber nur mit dem Verkauf des Tokens. Und: Anders als bei einem klassischen Foto oder Gemälde kann auch der Urheber eine automatische Beteiligung an jedem Verkauf verlangen. Wird "Buying Myself Back" nach der Auktion weiterverkauft, landet immer auch auf Ratajkowskis Konto Geld. Sie hat die Kontrolle zurück.

Das Gestohlene zurückerobern

Als Motiv wählte sie daher das Bild, das ihr einst genommen wurde: Die NFT-Datei enthält ein Bild Ratajkowskis, das sie vor dem Gemälde ihres Instagram-Posts in ihrem Zuhause zeigt. "Als Person, die eine Karriere aus dem Teilen meiner Bilder aufgebaut hat, wurde mir so oft mein Bild genommen und der Profit jemand anderem gegeben", erklärte Ratajkowski die Kunstaktion gegenüber der "New York Times". "Dieser digitale Marktplatz ist für mich ein Weg, diese sehr spezifische Idee zu kommunizieren, wie sie sonst nirgendwo existieren könnte." Was Maler Prince davon hält, dass sein Bild nun als Foto verkauft wird, weiß man indes nicht: Er hat bisher jede Presseanfrage zu der Aktion ignoriert.

Wie viel Geld am Ende in Ratajkowskis Taschen landen wird, ist schwer zu schätzen. Während die meisten NFTs eher für geringe Summen verkauft werden, dürfte alleine ihre Prominenz schon einen höheren Verkaufspreis in der ohne Mindestgebot geplanten Auktion garantieren. Der erste Tweet des Twitter-Gründers Jack Dorsey wurde etwa für 2,9 Millionen Dollar versteigert. Die teuerste Auktion gelang dem Künstler Mike Winkelmann, besser bekannt als "Beeple": Er nahm mit dem Bild "Everydays – The First 5000 Days" im März unglaubliche 69.346.250 Dollar, also knapp 58 Millionen Euro, ein.

Quellen:ChristiesNew York Times, The Cut

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