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Soziales Netzwerk: "Ich wäre mehrfach gefeuert worden": Geleakte Aufnahme zeigt, wie Zuckerberg wirklich denkt

Ob Fake News, eine mögliche Zerschlagung oder die Privatsphäre-Krise: Facebook hat aktuell jede Menge Baustellen. In einer internen Rede wollte Mark Zuckerberg sein Team anstacheln. Dabei nahm er kein Blatt vor den Mund, wie eine nun geleakte Aufnahme zeigt.

Mark Zuckerberg F8 Facebook

In einer internen Rede sprach Zuckerberg mit seinen Angestellten (im Bild: Der Facebook-Chef bei der Eröffnung der Hausmesse F8)

AP

Es sind keine einfachen Zeiten für Facebook. Die Nutzer hinterfragen immer mehr, ob Facebooks Dienste ihre Privatsphäre wirklich wert sind, die US-Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren fordert offen die Zerschlagung des Konzerns aus Monopol-Bedenken. In solchen Zeiten muss man sein Team hinter sich wissen, dachte sich wohl Mark Zuckerberg.

In einem internen Treffen stellte er sich daher den vielen Fragen der Facebook-Angestellten. Und war dabei erstaunlich offen. Nun wurde dem Tech-Medium "The Verge" eine vollständige Aufnahme des Treffens zugespielt.

"Es gab mehrere Momente, in denen ich gefeuert worden wäre"

Die zeigt Zuckerberg zum Teil deutlich direkter, als man es von seinen öffentlichen Auftritten gewohnt ist. Der oft recht krampfige Facebook-Chef lacht viel, macht Witze über sich selbst und über seine Stellung in der Firma - und auch über die Wahrnehmung von Facebook im Rest der Welt.

So gab Zuckerberg etwa völlig offen zu, dass er mehrfach gefeuert worden wäre, wenn er sich nicht trotz des Börsengangs die volle Kontrolle über den Konzern gesichert hätte. "Es gab mehrere Momente, in denen ich gefeuert worden wäre. Ganz sicher", erklärte er unter Gelächter des Publikums. Er habe sich etwa geweigert, Facebook für eine Milliarde Dollar an Yahoo zu verkaufen - obwohl sein gesamtes Führungsteam das wollte. Am Ende stand er ohne Team da. Aber hatte sein Unternehmen behalten, das mittlerweile mehrere Hundert Mal soviel wert ist. "Manchmal  zahlt es sich eben aus, das Richtige zu tun", fasst er zusammen.

Kampf gegen die Zerschlagung

Auch gegen eine mögliche Zerschlagung will Zuckerberg Facebook verteidigen. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren hat vor, einige der großen Tech-Konzerne in kleinere Unternehmen zu teilen. "Wenn sie Präsidentin wird, werden wir rechtliche Auseinandersetzungen haben - und ich wette, wir gewinnen sie", gibt sich Zuckerberg selbstbewusst. Er wolle seine Regierung nicht verklagen, führt er aus. "Aber wenn jemand deine Existenz bedroht, steigst du in den Ring und kämpfst."

Marc Zuckerberg Deepfake

Er sieht die Größe der Konzerne wie Facebook, Google und Amazon ohnehin nicht als Problem - sondern als Vorteil. Nur so könne man sich vernetzen und Probleme wie Hass im Netz bekämpfen. "Darum schafft Twitter das auch nicht so gut wie wir. Sie haben grundsätzlich die gleiche Herausforderung", erklärt Zuckerberg. "Aber sie können es finanziell nicht stemmen. Wir stecken mehr in Sicherheit als sie im Jahr einnehmen."

Was sollen Angestellte ihren Freunden sagen?

Da die Kritik an Facebook den Angestellten wohl mittlerweile auch aus dem Freundeskreis entgegen schlägt, wollte ein Angestellter wissen, was man denen sagen soll. Zuckerberg empfiehlt, es auf die emotionale Schiene zu versuchen. "Es ist wirklich wichtig, es auf die menschliche Ebene zu bringen", erklärt er. Die Angestellten sollen ihr Umfeld überzeugen, dass Facebook nur das beste für sie will. "In meiner Erfahrung ist es am einfachsten, den Leuten das Gefühl zu geben, dass man ihre Sorgen ernst nimmst und daran arbeitet. Das macht viel aus."

Dass diese Sorgen auch in Bezug auf die Privatsphäre bestehen, weiß wohl niemand besser als der Facebook-Chef. Darauf angesprochen, ob der Konzern wie Elon Musks Projekt Neurolink an einer direkten Verbindung ins Hirn arbeitet, witzelte er: "Facebook will Gehirn-Operationen durchführen - die Kongress-Anhörung dazu will ich mir lieber sparen."

Von solchen Anhörungen hat Zuckerberg ohnehin genug. Nachdem er sich im Rahmen des Cambridge-Analytica-Skandals den Fragen des US-Kongresses und des EU-Parlaments gestellt hatte, verweigerte Zuckerberg zahlreiche Anfragen anderer Regierungen. "Es macht für mich keinen Sinn, mit jedem einzelnen Land zu sprechen, das mich vorlädt und dazu - ganz offen gesprochen - auch gar keine rechtliche Grundlage hat."