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Raubkopien: "Mehr Angebot als Netflix": FBI nimmt illegalen Streaming-Dienst Jetflicks hoch

Trotz zahlreicher legaler Alternativen streamen viele Nutzer weiter illegal. Die Betreiber von zwei der größten Portale wurden nun angeklagt. Sie sollen zeitweise deutlich mehr Filme und Serien angeboten haben als Netflix oder Amazon Prime Video.

Die illegalen Streaming-Plattformen ließen sich auf zahlreichen Systemen und Geräten nutzen (Symbolbild)

Die illegalen Streaming-Plattformen ließen sich auf zahlreichen Systemen und Geräten nutzen (Symbolbild)

Getty Images

Es ist kinderleicht: Man legt einen Account an, bezahlt den monatlichen Beitrag - und schon kann man Unmengen von Filmen und Serien streamen und herunterladen. Doch was klingt wie ein normaler Streaming-Dienst à la Netflix oder Amazon Prime Video war in Wirklichkeit ein illegaler Klon. "Jetflicks" bot eine ähnliche Nutzererfahrung wie die legalen Konkurrenten - aber mit Raubkopien. Nun klickten bei den Betreibern die Handschellen.

Acht Personen wird vorgeworfen, zwei der größten illegitimen Streaming-Plattformen der USA betrieben zu haben. Das Angebot soll alleine bei Jetflicks auf dem Höhepunkt mit 115.849 Serienfolgen und 10.511 Filmen deutlich größer als das von Amazon oder Netflix gewesen sein, so die Staatsanwaltschaft. Der große Haken: Die Betreiber hatten für keinen einzigen der Inhalte eine Nutzungslizenz.

Angebot wie die legalen Plattformen

Stattdessen luden sie einfach alles von Plattformen für Raubkopien herunter, packten es auf die eigenen Server und kassierten eine Abo-Gebühr. Die Betreiber legten Wert auf Aktualität. "Manche der Serien wurden den Abonnenten bereits am Tag nach der Ausstrahlung angeboten", so die Anklageschrift. Günstiger als die legalen Dienste war das nicht: Jetflicks kostete etwa ab 10 Dollar, die zweite Plattform kostete gar ab 20 Euro monatlich, bot aber Rabatte bei langfristigeren Abos. Jetflicks ist mittlerweile abgeschaltet, weil die zweite Plattform aktuell noch online ist, verzichten wir auf die Nennung des Namens.

Die Aufmachung orientierte sich klar an den bekannten Streaming-Diensten. Sie boten Unterstützung für zahlreiche Geräte und Betriebssysteme, Look und Bedienung der Homepage erinnert ebenfalls an die legalen Plattformen. Von den zahlreichen, oft dubiosen Werbebannern anderer illegaler Angebote war keine Spur. So manchem Kunden wird vielleicht gar nicht bewusst gewesen sein, dass es sich um Raubkopien handelte. Das Angebot eigentlich exklusiver Inhalte und teils aktueller Kinofilme sollte aber Alarmglocken läuten lassen.

Nun drohen lange Strafen

Während nach den Ermittlungen des FBI alle acht Angeklagten Jetflicks betrieben haben sollen, wird nur einem von ihnen vorgeworfen, den noch aktiven Konkurrenten ins Netz gestellt zu haben. Ihm und dem Hauptangeklagten wird neben Verschwörung zur Verbreitung kopiergeschützter Materialien auch Geldwäsche zur Last gelegt. 

Keiner der allesamt in Las Vegas ansässigen Angeklagten sei in Haft, berichtet die "Washington Post". Trotzdem drohen ihnen der Zeitung zufolge hohe Strafen. Während die Mitangeklagten wegen der Verbreitung der Inhalte mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren rechnen müssen, könnten die Geldwäsche-Vorwürfe die Hauptangeklagten laut der "Post" gleich mehrere Jahrzehnte hinter Gitter bringen. Ob die Ermittler auch gegen die Nutzer vorgehen wollen, ist nicht bekannt.

Quellen: US-Justizministerium, Washington Post, Ars Technica