"Wenn die E-Mail fremdgeht" Mail-Missgeschicke der stern.de-User


Vor einigen Wochen hatte stern.de eine Sammlung von Mail-Missgeschicken präsentiert - und darum gebeten, Erlebnisse mit falsch adressierten E-Mails einzuschicken. Hier sind sie...

Der Ausgangstext zum Nachlesen: "Wenn die E-Mail fremdgeht"

Freundschaft per Fehlklick

Ich arbeite in einer großen Behörde mit einem mehrere 10.000 Einträge umfassenden Outlook-Adressbuch. Ein Kollege wollte mir einmal eine Liebesmail seiner Angebeteten schicken, diese landete jedoch in Essen bei einer Kollegin gleichen Nachnamens.

Aber die schönste Geschichte ist mir selbst passiert. Ich bekam eines Tages eine Powerpoint-Präsentation mit lustigem Inhalt aus Berlin. Natürlich gibt es in Berlin einen Kollegen, der genauso heißt wie ich. Ich habe der Absenderin zurückgeschrieben, und dann ging das so hin und her, und heute sind wir unheimlich gute Freunde, die lange miteinander telefonieren, viele, schöne Mails schreiben, und vielleicht ist auch mal ein Besuch in naher Zukunft in der Hauptstadt drin. Und wir sagen uns immer, nur durch diesen unheimlichen Zufall haben wir uns überhaupt kennengelernt.

Sie sehen, es kann auch durchaus positiv sein, eine falsche E-Mail zu erhalten.

M. Schade

Völkerverständigung durch Feldsalat

Im Netz hatte ich ein ganz tolles Rezept für Feldsalat gefunden. Es stammte aus der Region, wo meine Mutter herkam. Ohne lange zu zögern, schickte ich es an die AOL-Adresse meines Vaters, mit dem Mail-Absender meiner Frau. Noch einige Floskeln, tolles Rezept, wie geht es Euch, usw. -klick- Das Rezept war unterwegs. Ich dachte die Adresse so zu kennen, das Adressbuch von Outlook wurde nicht benutzt.

Einen Tag später kam die Antwort, auf Englisch. Irgend jemand bedankte sich ganz höflich für das ihm zugesandte Rezept. Er wollte es unbedingt ausprobieren. In der Antwort stand dann, dass der Absender Amerikaner sei und an der Ostküste wohne. Vielleicht, so war zu lesen, könne man ihm erklären, wie es zu dieser Verwechslung der Adresse gekommen sei. Er hatte den gleichen Nachnamen wie ich.

Die Verwechslung, haben wir ihm erklärt, war zustande gekommen, weil ein Buchstabe in der richtigen Anschrift mit einem anderen einen Dreher hatte. Wir schreiben uns nun schon seit vier Jahren und haben viele familiäre Neuigkeiten ausgetauscht. Irgendwann wollen wir uns treffen. G. Tholema

Erotik für andere

Ich habe vorletztes Jahr zu Weihnachten eine E-Mail an meinen Mann geschickt mit einem erotischen Bild einer Calvin-Klein-Parfum-Werbung und den Worten: "Der Geruch von letzter Nacht ist noch in meiner Bettwäsche."

Netter Hinweis für ein Weihnachtsgeschenk (ich bekomme jedes Jahr einen Wunschduft), leider ging die E-Mail nicht an meinen Mann, sondern an meine Arbeitskollegin.

Erst war mir das ja peinlich, aber dann hab ich gedacht: "Naja, wenn man nach 20 Jahren Ehe noch solche E-Mails schreibt, dann kann die auch mal jemand anderes lesen." *ggg*

W. Lohmeyer

Das fehlende Ausrufezeichen

Ich wollte eigentlich nur das Kommando "!help" an meine Majordomo-Liste senden, um mir alle Funktionen dieses Mailing-Listen-Programms per E-Mail senden zu lassen.

Stattdessen habe ich nur "help" (ohne Ausrufezeichen) in die Mail geschrieben, und 6000 Empfänger des Newsletters von "Download-Tipp.de" haben eine kurze und knappe E-Mail mit dem Wort "help" erhalten.

In der Folge erhielt ich neben zahlreichen Nachfragen per Mail, wie man mir helfen könne, auch einige Anrufe und - festhalten -: Ein Bekannter, der telefonisch wegen der anderen Anrufe immer nur das Besetztzeichen zu hören bekam, hat sich aufs Fahrrad gesetzt und nach 15 Minuten an der Tür geklingelt, weil er dachte, ich bräuchte Hilfe. ;-)

L. Jung, www.download-tipp.de

Mutti muss nicht alles wissen

Auf Nachfrage eines Bekannten schrieb ich in einer E-Mail: "Für ein Blech Kekse brauchst du mindestens ein Gramm Hasch. Kann aber auch mehr sein." Leider sind die Einträge in meinem Adressbuch nach Vornamen sortiert, und so schickte ich die Mail einen Fehlklick später statt an Andreas an Andrea - meine Mutter! Da meine Mutter jedoch technisch recht unversiert ist, hatte ich ihr ihren E-Mail-Account selbst eingerichtet, und zum Glück konnte ich mich an ihr Passwort erinnern. Ich habe die Mail also gelöscht, und nichts ist passiert. Aber für eine nette Geschichte reicht es allemal.

J. Peters

"Allen antworten" - wörtlich genommen

Vor einigen Jahren - ich war noch Internet-Neuling - bastelte der "Focus" an einem eigenen Newsletter herum, und ich war mit einer der Ersten, der ihn dann auch abonnierte... Wochenlang kamen täglich kurz zusammengefasste Meldungen. Soweit alles im bekannten "grünen Bereich"!

Eines Abends - ich komme gerade von einem Essen mit Freunden retour und checke meine Mails - ... da befindet sich die neueste Ausgabe des Focus-Newsletters in meinem Account! Allerdings total verstümmelt und als kompletter Buchstabensalat!

Da ich - kurz nach Mitternacht - noch ziemlich gut drauf war, schrieb ich als Kommentar: "Was soll der Buchstabensalat? Salat hatten wir erst gestern!"

... "Antworten" gedrückt und fort damit! Dann schaltete ich meinen PC aus und haute mich aufs Ohr!

Am nächsten morgen gegen 7:00 Uhr klingelte mein Telefon, und ein Typ plärrte mich erbost an, warum ich ihn mit "so einem Scheiß" belästige! "???????" Keine Ahnung, wovon der sprach! Mehrere Nachrichten auf dem Anrufbeantworter waren auch ziemlich unfreundlich!

Als ich meinen Account öffnete, hatte ich sage und schreibe 524 Mails... alles Retour-Meldungen aus aller Welt! Ich hatte mit meiner "Antwort"-Funktion genau den Server vom "Focus" getroffen - und der hatte meinen flapsigen Kommentar an alle Abonennten weltweit verschickt!

Innerhalb von zwei Wochen steigerte sich die Zahl der Empfangs-Meldungen auf 2847! Jetzt ritt mich der Teufel... ich mailte an Helmut Markwort und Dr. Hubert Burda, dass man vielleicht - ganz nach dem Slogan der "Gelben Seiten" - jemanden hätte vorher fragen sollen, der sich mit sowas auskennt! Dazu bedankte ich mich und schrieb, dass ich mich als "kleine Medien-Firma" doch sehr gefreut habe, dass mich der "Focus" völlig kostenlos mit so interessanten Adressen eindeckt! Und dass das jetzt für mich der Anlass sei, darüber heftigst nachzudenken, mit diesem Grundstock meinen eigenen LaukeMedia-NEWSLETTER - mit freundlicher Unterstützung vom "Focus" - herauszubringen... Und dass ich mich, wenn die Expansion meiner kleinen Firma "Früchte tragen würde" - wohl auch sehr über "Focus Money" aus dem Hause Burda freuen würde!

Kommentar kam keiner retour - soviel Spaß verstand man dort wohl nicht!

Wie ich aber aus "trüber Quelle" im Hause erfahren habe, soll es in der Online-Abteilung fürchterlich gerummst haben!

Übrigens: Die letzten Bestätigungs-Mails kamen ca. sechs Monate später! Soviel zu den Lesern des Focus-Newsletters!

G. Lauke

Rache ist digital

Ich bin Journalistin in der Rallye-Weltmeisterschaft. Einem britischen Kollegen ist ein gemeines E-Mail-Missgeschick passiert: In seiner Abwesenheit hat sich seine betrogene Ehefrau an den Laptop gesetzt und eine E-Mail in seinem Namen an den kompletten Verteiler (Presseverteiler, Vorstände von VW und Seat, Freunde...) geschickt.

Da der Vorfall einige Jahre zurück liegt, habe ich die Original-Mail nicht mehr, aber ich habe die Presseberichte aus englischen Medien angehängt.

Für meinen Kollegen hatte die Sache bittere Folgen: Er war zum Versendezeitpunkt in Spanien bei einem Pressetermin. Er ist danach länger bei Freunden abgetaucht. Die Ehefrau musste auch die Folgen spüren: Denn britische TV-Stationen und Boulevardblätter (die natürlich auch im Verteiler waren) haben die Geschichte aufgegriffen - und standen plötzlich mit Kamerateams in ihrem Vorgarten.

Die Sache hat allerdings noch ein Happy End: Der Kollege ist inzwischen vor der Mail-Versenderin geschieden...

A. Voigt-Neumeyer


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