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Bahnstreik: Experte beziffert Kosten der GDL-Forderungen auf 42 Millionen

Vor Gericht scheiterte die Bahn mit ihrem Versuch, den Streik der GDL zu stoppen. Jetzt macht es die GDL selbst: Der Streik wird am Samstagabend beendet. Die Ereignisse des Tages in der Chronik.

Die Bahn hofft auf eine schnelle Rückkehr zum normalen Betrieb

Die Bahn hofft auf eine schnelle Rückkehr zum normalen Betrieb

+++ 20.51 Uhr: Experte beziffert Kosten der GDL-Forderungen auf 42 Millionen +++

Würde die Deutsche Bahn im Tarifstreit mit der GDL deren Forderungen erfüllen, kostete sie das nach Berechnungen eines Bahnexperten 42 Millionen Euro pro Jahr. "Bei etwa 20.000 Lokführern, die im Jahr rund 35.000 Euro verdienen, ergeben sich je Prozent Lohnsteigerung sieben Millionen Euro Kosten", sagt Christian Böttger von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft dem Portal "Focus Online".

+++ 16.51 Uhr: Bahn will rasche Rückkehr zu Normalbetrieb +++

Die Deutsche Bahn will nach dem vorgezogenen Ende des Lokführerstreiks am Samstagsabend so rasch wie möglich ihren normalen Betrieb wiederherstellen. Man arbeite "mit Hochdruck" daran, nach dem Ende des Streiks im Nah- und Fernverkehr möglichst schnell nach dem regulären Fahrplan zu fahren, teilt das Unternehmen mit.

"Dies wird jedoch vor allem im Fernverkehr aufgrund der komplexen Einsatzplanung von Zügen und Personal einige Zeit in Anspruch nehmen und am Sonntag noch zu einem deutlich eingeschränkten Angebot führen", schränkt die Bahn ein. Im Nahverkehr könne die Rückkehr zum Regelbetrieb wohl schneller umgesetzt werden: "Die Fahrgäste können hier schon im Verlauf des Sonntags schrittweise wieder auf deutlich mehr Züge zurückgreifen."

+++ 15.30 Uhr: GDL beendet Streik am Samstag +++

Überraschende Wende im Bahnstreik. Die GDL beendet ihren Streik bereits am Samstag um 18 Uhr. Claus Weselsky bezeichnete den Schritt als "Versöhnungsgeste". "Wir könnten den Streik bis Montag, 4.00 Uhr, fortsetzen", sagt der GDL-Chef. Es handele sich um eine Geste der Versöhnung. Eigentlichen wollten die Lokführer bis Montagfrüh im Ausstand bleiben.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber sagt angesichts des vorgezogenen Streikendes, dass sich damit der Einsatz der Bahn vor den Gerichten gelohnt habe: "Das ist ein gutes Zeichen für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter."

+++ 15.03 Uhr: Gericht erlaubt Lokführerstreik - Bahn gescheitert +++

Die Deutsche Bahn scheitert mit dem Versuch, den Lokführerstreik mit juristischen Mitteln zu stoppen. Das Landesarbeitsgericht Hessen lehnt es als zweite Instanz ab, den Arbeitskampf per einstweiliger Verfügung zu beenden. Eine weiterer Klageweg ist nicht möglich.

+++ Hier twittern stern-Reporter über den Bahnstreik +++

+++ 14.58 Uhr, Berlin: Automatische Dauerberieselung +++

"Diese Nummer kostet sie 1,52 Cent pro Minute, wir verbinden sie frühestens in drei Sekunden. Diese Ansage war für sie kostenlos." Und der Anruf vergeblich: Die Fundservice-Hotline sowie alle weiteren Telefon-Beratungsangebote der Bahn sind auf automatische Dauerberieselung geschaltet, denn bei der DB Dialog GmbH wird das Personal knapp. Bis zu 600 Mitarbeiter gleichzeitig hängen seit Streikbeginn an den Drähten, um ratlose, wütende, aber auch verständnisvolle Bahnreisende über die kostenlose Streikhotline 08000 99 66 33 zu beraten. Manche Bahn-Mitarbeiter unterbrachen ihren Urlaub, viele wurden von all den anderen Telefondiensten abgezogen, auch Führungskräfte sitzen mit Headset am Bildschirm und sprechen mit Kunden.

Die Bahn hat die Presse eingeladen, um vorzuführen, mit welchem Einsatz hier Dienst am Kunden geleistet wird. Der Streik kam schließlich über die Bahn wie eine Naturkatastrophe. Dass zu einer Konfrontation immer Zwei gehören – geschenkt. Jürgen Gudd, Chef der DB Dialog GmbH, zieht denn auch den passenden Vergleich: Bei den großen Sommer-Unwettern 2013 und 2014 riefen jeweils um die 180.000 Kunden bei der extra eingerichteten Hotline an. Im aktuellen "Ereignismodus", also von der Freischaltung der Nummer am Dienstagabend bis Freitag Mittag haben schon 370.000 orientierungslose Reisende die Hotline konsultiert.

"Sehen kann ich im Moment nur, dass gar nichts fährt", sagt Heike Wittor einem Bahnkunden aus Ostdeutschland, der sich im Raum Erfurt bewegen möchte. Sie arbeitet seit 2000 im Callcenter und ist eigentlich beim Fundservice, springt aber derzeit wie alle ihre Kollegen bei der Hotline ein. 50 bis 80 Anrufe schafft sie in ihrer Sechs-Stunden-Schicht. Brummt einem da nicht abends der Kopf? "Ich hab’s drauf, das bin ich gewöhnt", antwortet sie professionell, schiebt aber hinterher, dass es schon besonders anstrengend ist, im Moment. "Beim ersten Streik war es noch friedlich, jetzt sind alle genervt. Was ich auch verstehen kann." Silke Müller

+++ 14.42 Uhr: GDL lehnt Streikpause für Einheitsfeier ab +++

Die GDL lehnt den Vorschlag der Bahn ab, zur Einheitsfeier am Sonntag den Berlin-Verkehr zum Wochenende vom Streik auszunehmen. Die Bahn wollte dafür noch in der Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht Hessen das Urteil aus der ersten Instanz annehmen. Das hätte bedeutet, dass der Streik als rechtmäßig anerkannt wäre und die Bahn keine Rechtsmittel mehr dagegen gehabt hätte. Der GDL-Anwalt erklärt aber, dass der Vorschlag das Verfahren nicht voranbringe. Allerdings werde die Gewerkschaft auch zur Berlin-Frage nach dem Urteil eine Erklärung abgeben.

+++ 14.35 Uhr: EVG-Chef: Hetze gegen Weselsky muss aufhören +++

Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner wirbt für einen fairen Umgang mit GDL-Chef Claus Weselsky. "Wir kritisieren auch die Hetze gegen Weselsky. Das muss aufhören", sagt Kirchner in Berlin.

Der EVG-Chef fordert die GDL in Tariffragen erneut zu einer "fairen Kooperation" auf. Das Vorgehen der GDL sei "völlig falsch". Der viertägige Streik führe zur Konfrontation sowohl zwischen Bahnbeschäftigten und Kunden als auch unter Eisenbahnern.

Der Krankenstand bei der Bahn gehe in den vom Streik betroffenen Bereichen "drastisch nach oben", teils auf 30 bis 35 Prozent. "Die Kollegen entziehen sich so der Situation oder sind wirklich so krank, dass sie nicht mehr kommen können", sagt der EVG-Chef.

+++ 14.10 Uhr: Zugverkehr läuft teils wieder besser +++

Trotz des Lokführerstreiks läuft der Zugverkehr nach Bahn-Angaben am Freitag in einigen Regionen Deutschlands besser als erwartet. Zum Teil hätten mehr Züge eingesetzt werden können als nach den Ersatzfahrplänen vorgesehen, sagt eine Konzernsprecherin. Offenkundig hätten sich mehr Lokführer zur Arbeit gemeldet. In Bayern und bei der Berliner S-Bahn heißt es, es seien mehr Züge unterwegs als am Vortag. Die GDL, die den Streik organisiert, hatte zuvor angegeben, die Streikbeteiligung sei so hoch wie bei den vorherigen Arbeitsniederlegungen.

+++ 14.05 Uhr: GDL lehnt zweiten Vergleichsvorschlag ab +++

Vor dem Landesarbeitsgericht Hessen scheitert der erneute Vergleichsversuch, mit dem der Lokführerstreik beendet werden sollte. Die GDL lehnt den Vorschlag des Gerichts ab und verlangt eine Entscheidung der zweiten Instanz. Gemäß der Empfehlung des Gerichts hätten sich die Parteien bis zum 15. Dezember auf den Einigungsweg begeben und auch die Konkurrenzgewerkschaft EVG einbeziehen müssen.

+++ 13.33 Uhr: Gericht macht neuen Vergleichsvorschlag +++

Das Frankfurter Landesarbeitsgericht unterbreitet der Bahn und der Lokführergewerkschaft einen neuen Vergleichsvorschlag. Die Verhandlung über die Rechtmäßigkeit des Streiks ist inzwischen unterbrochen, damit die Parteien den Vorschlag bewerten können. Richter Michael Horcher sagt bei Vorlage des Kompromissvorschlags an die Adresse der Streitparteien: "Ich bitte um wohlwollene Prüfung."

Viele der Demonstranten hatten Banner mitgebracht

Viele der Demonstranten hatten Banner mitgebracht

+++ Berlin, 13.25 Uhr: 500 GDL-Streikende vor Bahn-Zentrale +++

Rund 500 Mitglieder der Lokführergewerkschaft GDL haben am Freitag vor der Zentrale der Deutschen Bahn in Berlin demonstriert. Sie waren mit Bussen aus verschiedenen Teilen Deutschlands angereist. Auf Transparenten forderten sie vor allem eine Begrenzung der Arbeitszeit: "Überstunden und kein Ende!", stand auf einem, auf einem anderen: "Unsere Akkus sind leer - Einstellungen müssen her".

Der stellvertretende GDL-Vorsitzende Norbert Quitter verteidigte auf der Kundgebung den viertägigen Streik seiner Gewerkschaft, an dem außer Lokführern auch viele Zugbegleiter teilnähmen. "Das ist Solidarität und hat nichts mit Spaltung der Belegschaft zu tun", rief er. Der Streik sei notwendig, um Tarifverträge für alle GDL-Mitglieder durchzusetzen.

+++ Frankfurt, 12.30 Uhr: Bahn argumentiert vor Gericht mit Mauerfall-Party +++

Ist der Streik der Lokführer verhältnismäßig? Darüber streiten in diesem Minuten Deutsche Bahn und GDL vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht in Frankfurt. Die Argumente der Bahn: Ein Streik mit einem solchen Ausmaß habe es noch nie gegeben. Millionen Arbeitnehmer kämen nicht zu ihren Unternehmen, Geschäftsleute versäumten Termine. Besonders brisant aus Sicht der Bahn: Die nationalen Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin seien massiv betroffen, die Veranstaltungen, zu denen zwei Millionen Besucher erwartet werden, könnten durch den Ausstand nicht wie geplant stattfinden, so ein Bahnvertreter. Weder kämen Gäste rechtzeitig in die Hauptstadt, noch können sich durch den Streik bei der S-Bahn die Besucher innerhalb Berlins gut bewegen. "Es geht hier nicht um einen Regionalexpress im Bayerischen Wald, sondern um ICE und die Berliner S-Bahn", so ein Bahnvertreter. Ein weiteres Argument der Bahn: Die GDL sei als Spartengewerkschaft nicht dem Solidaritätsgedanken verpflichtet, sondern handle egoistisch auch gegenüber anderen Kollegen bei der Bahn, die nicht diese Schlagkraft haben wie die Lokführer.

Die GDL sieht das naturgemäß anders. "Es ist sicher schwierig zu den Feiern nach Berlin zu gelangen, aber die Feierlichkeiten werden nicht ausfallen", so ein GDL-Vertreter. GDL-Chef Weselsky sagte: Die Bahn hat im Nahverkehr nur noch einen Marktanteil von 30 Prozent, es gibt also genügend andere Verkehrsunternehmen, die Fahrgäste nutzen können". Auch der Fernverkehr breche nicht zusammen, da es verbeamtete Lokführer einspringen können, die gar nicht streiken dürfen.

+++ 12.20 Uhr: EVG: GDL schadet anderen Gewerkschaften +++

Die EVG wirft der konkurrierenden GDL vor, ihren Konflikt mit der Deutschen Bahn auf dem Rücken anderer Gewerkschaften auszutragen. "Wenn man die aktuellen Umfragen betrachtet, sieht man, dass eine Mehrheit in der Bevölkerung für Streik kein Verständnis mehr hat", sagt der stellvertretende EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel. Die Bürger wünschten vielmehr ein Eingreifen des Gesetzgebers und eine Einschränkung der Gewerkschaftsrechte.

Hommel wirft der GDL vor, entgegen ihrer eigenen Darstellung auch nicht für das Grundrecht der Koalitionsfreiheit zu streiken. "Hier geht es nicht darum, dass Grundrechte einer Gewerkschaft - das würden wir uns auch nicht gefallen lassen - beschnitten werden, sondern um ganz normales Verhandlungsprozedere", betont Hommel.

+++ 12.19 Uhr: EVG: Streik belastet Bahn-Beschäftigte stark +++

Die EVG kritisiert die zunehmende Belastung der Beschäftigten. Der Krankenstand in vielen Betrieben der DB, die im Streik stehen, gehe drastisch nach oben, sagt der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner. Es gebe Bereiche, wo der Krankenstand 30 bis 35 Prozent betrage. "Das heißt, viele Kollegen entziehen sich diesem Tarifkonflikt oder sind so belastet von dieser Auseinandersetzung, dass sie krank werden und einfach nicht mehr zum Dienst kommen können."

Besonders betroffen seien die Beschäftigten der Bahn, die in den Bahnhöfen arbeiteten und mit den Kunden in Kontakt stünden. Die EVG kritisiert, dass die Mitglieder der GDL sich dieser Auseinandersetzung oft nicht stellten.

In den Betrieben leide die Kollegialität durch die Streiks der GDL, beklagt Kirchner, der eine "zunehmende Radikalisierung und Polarisierung". Wenn Kollegen, die zum Dienst erschienen, als Verräter oder Feinde bezeichnet würden, dann sei eine Grenze überschritten. Das Ausmaß, das hier erreicht worden sei, werde seiner Ansicht noch lange nach dem Ende dieses Tarifkonflikts anhalten, sagt Kirchner.

+++ 11.40 Uhr: Bahn klagt mit alten Argumenten +++

In der Berufungsverhandlung wiederholt die Deutsche Bahn ihre am Vortag gescheiterte Argumentation. Vor dem Landesarbeitsgericht Hessen führte ihr Anwalt Thomas Ubber aus, dass Teilforderungen der GDL gegen die Friedenspflicht verstießen und jüngere Mitarbeiter diskriminierten.

Wichtigstes Argument blieb die nach Auffassung der Bahn unverhältnismäßige Härte des Streiks, mit dem die GDL seit Mittwoch große Teile des deutschen Bahnverkehrs lahmlegt. Erneut brachte die Bahn einen täglichen Schaden von rund 100 Millionen Euro für die deutsche Wirtschaft vor. Dem Unternehmen selbst entstehe durch den Streik ein Schaden in ähnlicher Höhe.

Das Landesarbeitsgericht machte zunächst keinen neuen Vergleichsvorschlag.

+++ 10.50 Uhr: GDL will vor Bahn-Zentrale protestieren +++

Im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn gehen die Lokführer jetzt auch auf die Straße. Etwa tausend Kollegen werden am Mittag zu einer Protestkundgebung vor der Bahn-Konzernzentrale in Berlin erwartet, wie der örtliche Bezirkschef der GDL, Frank Nachtigall, sagt. Die Bahn verweigere der GDL nach wie vor das Grundrecht auf Koalitionsfreiheit und habe versucht, den rechtmäßigen Streik gerichtlich zu untersagen, hieß es zur Begründung.

+++ Frankfurt, 10.40 Uhr: Zweiter Prozess beginnt +++

Kurz nach 10.30 Uhr trifft GDL-Chef Claus Weselsky im Landesarbeitsgericht ein. "Ich bin zuversichtlich, dass wir Recht bekommen und weiter streiken können", sagte er vor Beginn der Berufungsverhandlung. Die Richter müssen heute entscheiden, ob der Streik der Lokführer verhältnismäßig ist. Die Deutsche Bahn kritisiert, dass der Streik gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit steht. Der Schaden für die Volkswirtschaft betrage 100 Millionen Euro, so der Schienenkonzern. Frank Brunner

+++ 10.33 Uhr: Reisende meiden Streik-Notverkehr +++

Der Bahn-Streik vertreibt die Reisenden auch aus den normal verkehrenden Zügen. Eine Bahn-Sprecherin sagt, auch am zweiten Streiktag würden rund 30 Prozent der Verbindungen im Personen-Fernverkehr bedient. "Allerdings sind die Züge relativ leer", sagt sie. Auch im Regionalverkehr hätten sich viele Reisenden Alternativen gesucht.

Zentrale Verbindung wie die zwischen Köln und Berlin verkehren der Bahn zufolge wie gewohnt jede Stunde. Auch zahlreiche wichtige Verbindungen ins Ausland liefen weitgehend ungestört. Starke Einschränkungen gibt es bei Verbindungen nach Ostdeutschland, wo sich mehr Lokführer an dem Ausstand beteiligen als im Westen.

Der Bahn-Sprecherin zufolge fahren an normalen Freitagen 878 Züge im Fernverkehr. Davon könnten voraussichtlich 256 starten. Darunter seien wichtige Verbindungen wie Basel-Berlin oder Zürich-Hamburg, die wie üblich im Zwei-Stunden-Takt bedient würden. Auch zwischen Köln und Paris sowie Frankfurt und Amsterdam laufe der Betrieb normal. Dagegen seien auf Ost-West-Strecken wie Leipzig-Frankfurt oder München-Berlin nur vereinzelt Züge unterwegs. Im Güterverkehr fänden gut 50 Prozent der normalerweise üblichen Lieferungen statt, sagt sie.

+++ 10.15 Uhr: Kirchner warnt vor Entsolidarisierung +++

Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner warnt in der phoenix Runde vor Tarifpluralität. Diese führe zu einer Entsolidarisierung. "Was die GDL will, ist die Trennung innerhalb der Berufsgruppen. Das spaltet die Belegschaft, und da machen wir nicht mit", so Kirchner. Die Folge sei eine Schwächung gegenüber dem Arbeitgeber.

Die GDL hingegen ist für Tarifpluralität bei der Bahn und Konkurrenz unter Gewerkschaften. "Wenn man diesen Wettbewerb nicht fördert, gibt es nur einen Gewinner, und das ist der Arbeitgeber. Ein guter Wettbewerb sorgt dafür, dass Gewerkschafter nicht selbstgefällig und nicht anfällig für irgendwelche Verführungen werden", sagt der stellvertretende GDL-Bundesvorsitzende Norbert Quitter.

+++ 9.46 Uhr: Beamtenbund hofft auf zweite Instanz +++

Der Deutsche Beamtenbund hofft auf eine Annäherung zwischen der Bahn und der GDL in der zweiten Gerichtsinstanz. "Ich baue zuversichtlich darauf, dass in der Revisionsentscheidung des Landesarbeitsgerichts heute noch einmal ein Versuch gemacht wird, die strittigen Verfahrensfragen zu lösen", sagt der DBB-Vorsitzende Klaus Dauderstädt im Deutschlandfunk. "Das wäre vielleicht sogar ein Signal, den Arbeitskampf zu beenden." Anschließend könne man möglicherweise in Verhandlungen übergehen.

Die GDL ist Mitglied der Beamtenbundes. Dauderstädt kritisiert, dass die Bahn weiterhin darauf bestehe, keine unterschiedlichen Tarifverträge im Betrieb gelten zu lassen. "Das ist der Kernpunkt der Auseinandersetzung, und solange das nicht geklärt ist, ist ein Kompromiss schwierig", fügt er hinzu.

+++ 8.28 Uhr: DB-Personalvorstand fordert GDL zu Gesprächen auf +++

DB-Personalvorstand Ulrich Weber fordert die GDL auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Wir können sehr schnell, heute, morgen, am Wochenende sprechen, aber die Gesprächsbereitschaft vermisse ich in der Tat auf Seiten der GDL", sagt Weber im ARD-Morgenmagazin. Man könne schlecht über die Medien zu einer Verständigung kommen.

"Wir haben seit Wochen und Monaten keinen einzigen erkennbaren Schritt, wie es in Tarifverhandlungen üblich ist, aufeinander zu", sagt Weber. Das sei das Wesen von Tarifautonomie und Tarifverhandlungen, dass Forderungen in der Welt seien, "die nie zu 100 Prozent zu erfüllen sind". Die beteiligten Parteien müssten nach Kompromissen suchen.

"Wir bewegen uns und die GDL ist herzlich eingeladen, das doch auch zu tun", sagt Weber auch im Interview beim RBB-Inforadio.

+++ 7.34 Uhr: Umfrage: Verständnis für Streik nimmt ab +++

Die Deutschen haben immer weniger Verständnis für den Streik der Lokführer, ergab eine Umfrage des ARD-DeutschlandTrends von Montag bis Dienstag dieser Woche. 51 Prozent gaben an, kein Verständnis für einen Streik der Lokführer zu haben (10 Punkte mehr als im Oktober). 46 Prozent hingegen sagten, sie hätten Verständnis (8 Punkte weniger als zuvor).

+++ 7.22 Uhr: Bahnstreik-Humor - "Achtung: Zugfahrten"

+++ 6.51 Uhr: Neue Verhandlungen am Vormittag +++

Das Hessische Landesarbeitsgericht wird voraussichtlich am Vormittag über die Verhältnismäßigkeit des Lokführerstreiks bei der Deutschen Bahn verhandeln. Der Vorsitzende Richter Michael Horcher erklärte in der Nacht, voraussichtlich ab 10.30 Uhr könne über die erwartete Berufung der Deutschen Bahn gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Frankfurt am Main verhandelt werden.

Das Arbeitsgericht hatte den GDL-Streik am Donnerstagabend für rechtens erklärt, die Deutsche Bahn kündigte Berufung an. Richter Horcher betonte, dass gegen eine Entscheidung des Landesarbeitsgerichts im Eilverfahren keine Rechtsmittel mehr eingelegt werden können. Das Bundesarbeitsgericht könne nicht angerufen werden.

+++ 6.10 Uhr: Kauder sieht Lokführer missbraucht +++

Unions-Fraktionschef Volker Kauder sieht die Streikfront bei der Lokführer-Gewerkschaft GDL bröckeln. "Mehr und mehr Lokführer merken doch, dass sie für einen Machtkampf missbraucht werden, in dem es längst nicht mehr um ihre Interessen geht", sagt der CDU-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Zugleich signalisiert er Verständnis für den Bahn-Konzern, der zwei Tarifverträge für eine Berufsgruppe nicht dulden will. Bei einem derart großen Unternehmen seien unterschiedliche Verträge für eine Gruppe von Beschäftigten kaum zu handhaben, betont Kauder.

Er warnt davor, wegen des Bahnstreiks in Deutschland "eine Krise herbeizureden". Die Streiktage seien nach wie vor verhältnismäßig gering. Die Gewerkschaften gingen meist verantwortungsvoll mit dem Streikrecht um. "Nichts ist aus den Fugen geraten, aber ärgerlich ist es schon", meint er mit Blick auf den wochenlangen Tarifkonflikt bei der Bahn.

+++ 5.30 Uhr: CDU-Politiker Fuchs will Streiks gesetzlich eindämmen +++

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs fordert von der Regierungskoalition weitere gesetzliche Regelungen, um künftig Streiks von Spartengewerkschaften einzudämmen. "Mir fehlt bisher der Glaube, dass das Gesetz zur Tarifeinheit künftige Streiks von Spartengewerkschaften wie den GDL-Streik wirklich verhindern kann", sagt der CDU-Politiker der Zeitung "Rheinische Post". Nötig seien "striktere Regeln, wenn durch Streiks die öffentliche Daseinsvorsorge erheblich beeinträchtigt wird".

+++ 5.20 Uhr: Chaos durch Bahnstreik bleibt bisher aus +++

Ein Chaos auf den Bahnhöfen bleibt trotz des bundesweiten Streiks bisher aus. Der Verkehr laufe auf diesem Niveau stabil, erklärt die Deutsche Bahn. Die Reisenden hätten sich offenbar auf die Streiks eingestellt, auf den Bahnhöfen seien deutlich weniger Menschen als sonst. Fernbusse und Mietwagenfirmen meldeten den erwarteten Ansturm auf ihre Angebote.

+++ 5.05 Uhr: Lokführer streiken nach Urteil weiter +++

Millionen Bahnreisende müssen auch heute wegen des bundesweiten Streiks der Lokführer-Gewerkschaft mit massiven Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Eine Sprecherin der Bahn bestätigte in Berlin, dass der Streik im Personenverkehr wie angekündigt in den zweiten Tag gehe. Der Konzern hatte am Donnerstag vergeblich versucht, den Ausstand verbieten zu lassen. Das Frankfurter Arbeitsgericht lehnte einen Antrag der Bahn auf eine einstweilige Verfügung aber ab.

"Streiks haben große Auswirkung und Schäden. Aber das ist nun einmal Wesen eines Streiks", sagte Richterin Ursula Schmidt. Ein von Schmidt zuvor gemachter Kompromissvorschlag war zuvor von beiden Seiten abgelehnt worden.

jen/mka/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters

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