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Abhöraktion Tempora: Liebe Briten, viel Spaß mit unseren Banalitäten

Jeder weiß: Neun von zehn E-Mails enthalten Hallöchen-Grüße, Hotelbuchungen und Golfplatzprosa. Jetzt sitzt ihr Teetrinker da vor Abermillionen von Nichtigkeiten und müsst sie alle lesen.

Eine Aufmunterung von Jochen Siemens

Ich war noch nie in Bude, Cornwall, England. Also ich selbst noch nicht, aber meine unzähligen E-Mails in die USA, meine seltenen Facebook-Meldungen, meine Amazon-Bestellungen, meine Hotel-Reservierung in Florida aus dem März, die Fotos meiner Tochter, die ich an Freunde in New York geschickt habe, das nicht autorisierte Interview mit Heidi Klum, das ich ihr nach Los Angeles zur Korrektur gemailt habe.

Das alles war schon in Bude, ein, deutsch ausgesprochen, sinniger Name: Bude. Denn irgendwo dort, zwischen der Lansdown Road, den sechs Tennisplätzen und der Sir Thoma's Bucht muss eine unfassbar gigantische Bude stehen, also eher eine hangargroße Halle in der ein baumstammdickes Kabel mit dem Namen TAT 14 aus Deutschland kommend, kurz aus der Erde auftaucht und dann in Richtung USA wieder im Meer verschwindet.

"German model Heidi Klum lives on an airport wide space"

Und genau an der Biegung des Kabels haben anscheinend britische, ja, was eigentlich; Agenten, 007s, Stenotypisten, Elektriker? meine E-Mails abgefangen, gelesen, geprüft und vielleicht nicht gespeichert, aber trotzdem. Es hat also irgendeiner dieser Teetrinker gelesen, was Heidi Klum später aus ihrem Interview gestrichen hat, und was eigentlich nur Heidi und ich wissen. Es war, kann ich sagen, unter anderem die genaue Quadratmeterzahl ihres Grundstückes. Nicht sehr brisant.

Aber vielleicht hat es der Agent abends seiner Frau erzählt: "Stell dir vor, Heidi Klum wohnt auf soundsoviel Quadratmetern und sie hat dann gesagt 'Wahnsinn! Soviel?'". Und vielleicht haben es die Briten auch gespeichert, weil ihnen der Name Klum bekannt vorkam. "German model Heidi Klum lives on an airport wide space" oder so.

Wir Deutschen sind keine 23-jährigen, blonden Nachbarinnen

Natürlich ist es unverschämt, was die Briten da jahrelang gemacht haben. Meine E-Mails zu checken. Und meine Telefonate aus dem Kabel auszulesen, wie es technisch heißt. Das macht man nicht. Ich öffne ja auch nicht die Briefe, die mein Nachbar bekommt. Und ich horch' auch nicht an der Wand. Nun ist mein Nachbar allerdings auch keine 23-jährige, blonde Nachbarin mit häufig wechselndem Männerbesuch, dann könnte ich vielleicht nicht anders, als zu lauschen. Aber lassen wir das. Wir Deutschen sind jedenfalls keine 23-jährigen blonden Nachbarinnen der Briten.

Aber lässt man mal die wahrscheinlich praktizierte Industriespionage und das Scannen von Bankkonten beiseite, hat die Affäre Tempora etwas Amüsantes. Denn man stelle sich nur vor, wie sich Tausende von schlechtgelaunten, teetrinkenden Beamten in Bude durch Millionen von Mails lesen müssen: Deutsche Mails mit Hotelbeschwerden, Mietwagenbestellungen, Reiseverabredungen, Hallöchen-Grüßen deutscher Rentner an ihre Freunde in Florida, Golfplatzprosa irgendwelcher Manager, Botox- und Viagra-Bestellungen, dieser ganze millionenfach gemailte und gequatschte Unsinn, zu dem einen Internet und Handy verleiten.

Wetten? FC Singapur besiegt TuS Colombo mit 2:0

Die Affäre ist nicht amüsant, weil sie mir und uns die Privatheit raubt - auch das Banale ist privat. Wobei wir mal wieder lernen, dass Privatsphäre etwas sehr Abstraktes ist. Konkret ist im Internet nichts privat, schon gar nicht wir selbst. Die Tempora-Affäre ist aber amüsant, wenn man sich vorstellt, dass sich die Teetrinker mit meinen und unseren Banalitäten herumschlagen müssen.

Dass sie zum Beispiel die Scheidung eines Bekannten von mir, die sich ausschließlich über E-Mail zwischen Deutschland und den USA abspielte, lesen mussten. Da ging es wochenlang um Teller, Tassen, Gabeln und Mountain-Bike-Räder und wer sie bekommt und wer sie behält. 90 Prozent des privaten E-Mail-Geschreibes besteht aus Kabbeleien und Nichtigkeiten, und das sind pro eine Million abgefangener Mails immerhin 900.000. Die aber gelesen werden müssen. Und, ganz wichtig, verstanden werden müssen. Gut, hier und da vielleicht mal ein Highlight, wie wenn jemand ein Nacktfoto seiner neuen Freundin herumschickt, oder ein Schiedsrichter-Bestecher mailt, dass der FC Singapur im Kreisligaspiel gegen die TuS Colombo 2:0 verlieren würde und man schon mal wetten könne. Aber der Rest? Infofreies Fett könnte man sagen und da passt das Bild.

Eine Überforderung namens Rasterfahndung

Denn Datengier macht eben nicht allwissend, sondern auch fett, dick und schwer beweglich. Es hat keinen Sinn, in einem Heuhaufen jeden Halm zu verhören, ob er vielleicht eine Stecknadel sei. Man braucht einen Magneten, aber Tempora war alles andere als ein Magnet, im Gegenteil. In der Steinzeit der Datensammelei, der in Deutschland sogenannten Rasterfahndung, ging 1977 der entscheidende Hinweis auf die Wohnung, in der Hans-Martin Schleyer gefangen gehalten wurde, unter, weil Beamte den Zettel mit dem Hinweis auf den falschen Stapel gelegt hatten. Die Stapel sahen alle gleich aus.

Und der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk weist in seinem Buch "Stasi konkret" nach, wie sehr die vermeintliche DDR-Krake Staatssicherheit unter dem Ballast der IM-Karteikarten-Notizen, Akten und Tonbänder unbeweglich und am Ende machtlos wurde. Hinzu kam, so der Autor, die Beschränktheit, wenn nicht Dummheit der Überwacher.

Und bei der WM nächstes Jahr holt ihr wieder nichts

So gesehen könnte man angesichts Tempora gelassen bleiben. Denn ich habe Kollegen, die stöhnen schon, weil sie nach einer Woche Ferien 50 E-Mails lesen müssen und dabei die wichtigste übersehen. Wie soll denn ein Brite, den ich nicht kenne, und der in Bude leben muss, 200.000 oder mehr Mails nach Verdächtigem durchsuchen? Und glaubt wirklich einer dieser 007s, dass jemand einen Bombenbauplan per E-Mail verschickt? Schaut doch mal in die Schweiz, da fliegen ständig Steuerbetrüger auf, weil ihre Kontostände auf altmodischen CDs gebrannt und verkauft werden. Mails sind Gift für Schwarzgeld-Banker.

So. Ich werde diesen Text jetzt einmal zu einem Freund in die USA mailen. Den interessiert das zwar nicht, aber so wird er zumindest in Bude gelesen. Und wenn wir schon dabei sind, Hallo britischer Mitleser, ihr habt bei der WM im nächsten Jahr wieder mal keine Chance.

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.