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Schockierend einfache Masche: Kostenlos eingekauft: Mit diesem Trick betrog ich Amazon monatelang

Teurer Alkohol, haufenweise Nudeln, Zahnpasta und Süßwaren: Mehrere Monate habe ich regelmäßig bei Amazon eingekauft. Gezahlt habe ich kein einziges Mal.

Eine Studentin lässt sich, ohne zu zahlen,  mehrere Monate von Amazon Pantry, dem Lebensmittelhandel von Amazon, beliefern 

Student sein hat viele Vorteile. Unter anderem auch ein kostenloses Konto bei Amazon. So sitze ich da, im Schneidersitz auf dem Bett und kaufe ein. Amazon Pantry nennt sich der Online-Supermarkt, bei dem ich versandkostenfrei bestellen kann. Immer teurer wird mein Einkauf. Neben Lebensmitteln wandern Waschmittel und Alkohol in meinen virtuellen Einkaufswagen. Endsumme: 112 Euro. Klingt erst mal teuer. Am Ende zahle ich aber keinen Cent.

Betrug auf Rat von Freunden

Beim ersten Mal kommt es mir ein bisschen falsch vor. Dass es Betrug ist, weiß ich ja. Aber die Masche ist so einfach: Als das Paket ankommt, beantrage ich bei Amazon eine Reklamation. Als Grund nenne ich eine zerbrochene Flasche im Paket. Die standardisierte Antwort wundert mich wenig: "Aufgrund der Beschaffenheit des Artikels ist eine Rücksendung nicht erforderlich." Einige Tage später sind die 112 Euro wieder auf meinem Konto. Den Einkauf habe ich da schon längst verräumt. So geht das vier Mal. Vier Mal, in denen ich nicht vorhabe jemals für das Paket zu zahlen. Vier Mal, in denen ich Unmengen von Nudeln, Nutella und Shampoo in meinen Regalen verstaue. 

Den Tipp, auf diese Art Geld zu sparen, habe ich von einer Freundin bekommen. "Probiere es mal aus. Wir machen das alle." Die Idee klingt verlockend. Ganz besonders für mein kleines Studentengehalt. Eine meiner Freundinnen hat inzwischen elf Pakete erhalten, darin unter anderem teure Schmink- und Pflegeprodukte. Erst eins musste sie zurückschicken, beteuert sie mir. Die Versandkosten gingen dabei auf Amazon. Meine Freundinnen und ich sind nicht die einzigen, die damit durchkommen. Dass es nicht in Ordnung ist, wissen wir alle.  

Amazons Großzügigkeit wird ausgenutzt

Bei meinem Antrag auf Reklamation berufe ich mich jedes Mal auf das Widerrufsrecht - in diesem Fall sind es zwei Wochen. Vier Mal bekomme ich den Hinweis, dass die Geldzurückerstattung beantragt ist. Vier Mal darf ich die Artikel trotzdem behalten. Irgendwann frage ich mich: Wieso zur Hölle lässt uns Amazon damit durchkommen?

Auf Nachfrage hält einer der Unternehmenssprecher von Amazon sich kurz: "Die Rückgabe-Richtlinien von Lebensmitteln variieren nach Art und Beschaffenheit des Produktes." Wie sich das Unternehmen vor Betrügern dieser Art schützt, erläutert er nicht. Auch auf die Frage, wie häufig das Widerrufsrecht missbraucht wird, bleibt eine Antwort aus. 

Scheinbar ist es für Amazon einfacher, Produkte mit einem niedrigen Warenwert dem Kunden zu überlassen. So können Versandkosten und Lagerkosten für das Unternehmen gespart werden. Die Ware muss nicht erneut geprüft werden, der Kunde ist bedient. Ein kleiner Preis, den das Unternehmen für die Zufriedenheit der Leute zahlt. Ein kleiner Preis, der dem milliardenschweren Konzern nicht schadet.

Das dachte ich auch. Zumindest am Anfang. Nach dem vierten Mal bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Auf einmal fühlt es sich falsch an, Nudeln zu kochen, für die ich nicht gezahlt habe. Mir ist unwohl bei dem Gedanken, Freunden Alkohol einzuschenken, der mir nicht gehört. Am Anfang war es lustig. Jetzt bin ich unsicher. Wenn ich nicht dafür zahle, wer dann?  

Amazon zu betrügen, kann böse enden

Irgendwann wird das Konto meiner Freundin für Bestellungen bei Amazon Pantry gesperrt. Jetzt reicht es auch mir. Ich weiß, dass Amazon das Kaufverhalten seiner Kunden beobachtet. Meine Freundin ist mit einer Sperrung davon gekommen. Ich mit ein paar kostenlosen Einkäufen. Doch wie lange so ein Betrug gut gehen kann, ist unterschiedlich.

Der Rechtsanwalt Christian Solmecke bezeichnet das Verhalten beider Seiten als äußerst fragwürdig. Laut dem Anwalt kann es zu einem Ausschluss der Widerrufrechts nur dann kommen, wenn der Verbraucher dem Unternehmen schaden will. In diesem Fall jedoch, nutze der Kunde lediglich die Kulanz Amazons, die vom Anbieter in freien Stücken gewährt wird. So lange dies zum eigenen Vorteil geschieht, ist das Handeln also legal. Eine strafrechtliche Verfolgung ist bei dieser Art Fälle nicht üblich, erklärt der Rechtsanwalt. Fehlende Kaufabsicht des Verbrauchers ist nur schwer zu ermitteln und nicht automatisch rechtswidrig. Ausgenutzt werden sollte es dennoch nicht. Amazon hat das Recht Maßnahmen wie Kontensperrung und Bestellungsstopp zu ergreifen.

Dass mein Konto gesperrt wird, will ich nicht riskieren. Noch weniger möchte ich mich bei jeder Mahlzeit wie ein Betrüger fühlen. In Zukunft kaufe ich also wieder im Supermarkt ein - und zahle selbstverständlich auch für meinen Einkauf.

Eine Studentin lässt sich, ohne zu zahlen,  mehrere Monate von Amazon Pantry, dem Lebensmittelhandel von Amazon, beliefern