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Event "Unleashed" Apple wagt die Revolution – durch einen großen Schritt zurück

Apple-Chef Tim Cook überlies den Großteil der Präsentationen seinem Team
Apple-Chef Tim Cook überlies den Großteil der Präsentationen seinem Team
© Apple / PR
Bei seinem Event unter dem Motto "Unleashed" hat Apple seine neuen, hochpotenten Spitzen-Notebooks präsentiert. Doch die echte Revolution war eine andere.

"Courage" - so begründete Apples damaliger PR-Chef Phil Schiller einen der umstrittensten Schritte des Konzerns. Beim iPhone den Klinkenstecker zu streichen, dass sei der Mut, mit dem man Dinge weiterentwickle, begründete er die damals enorm unpopuläre Entscheidung. Und auch bei seinen Notebooks hatte Apple in den letzten Jahren immer wieder umstrittene Schritte gewagt, indem man Anschlüsse und sogar unzählige Tasten strich. Bei der heutigen Keynote zeigte Apple wieder Mut - indem man in die andere Richtung ging.

Denn wie es im Schwimmbad Mut braucht, um vom Sprungturm wieder herunterzusteigen, war auch Apples heutige Ankündigung in einer Form ein Eingeständnis: So ging es nicht weiter. Fünf Jahre, nachdem man mit der zusätzlichen Bedienleiste Touchbar die Bedienung des Notebooks revolutionieren und mit dem Streichen beliebter Anschlüsse voll auf den modernen Standard USB-C setzen wollte, nimmt Apple all seinen Mut zusammen. Und bringt seine neuen Macbook Pro in dieser Hinsicht wieder auf den alten Stand. So, wie es sich die Kunden seit Jahren gewünscht hatten.

Alt und neu

Hätte man die heutige Keynote direkt im Anschluss an die 2016 gesehen, würde man sich wohl verwundert die Augen reiben. Begeistert zeigte Apple-Managerin Shruti Haldea, dass die neuen Notebooks über HDMI, einen SD-Kartenleser und den Magsafe-Anschluss verfügen - also genau drei der Schnittstellen, die Apple damals hinausgeworfen hatte. Die Touchbar ist dagegen wieder verschwunden und wurde durch größere Funktionstasten ersetzt. 

Dass Apple aber gerade diese vier zurückkehrenden Features - nämlich Magsafe, den HDMI-Anschluss, den SD-Kartenleser und die nun größeren Funktionstasten - so hervorhebt, überraschte selbst hartgesottene Fans. Als die ersten Leaks durchsickerten, dass HDMI und den Kartenslot zurückbringt, wurde das noch von vielen als Wunschdenken abgetan. Denn noch vor ein paar Jahren wäre ein solches Zurückrudern kaum denkbar gewesen. Apple, das war der Konzern, der alte Zöpfe abschnitt. Und sie nicht wieder aus der Kiste holt.

Starke Kombination aus alt und neu

Das bedeutet nicht, dass die neuen Notebooks technisch nicht supermodern sind. Im Gegenteil. Die Displays gehören mit der neuen MiniLED-Technik zu den modernsten auf dem Markt, die neue Prozessor M1 Pro und M1 Max sind der Konkurrenz so weit voraus, dass ihr die Ohren schlackern dürften. Sogar dann, wenn sich nur ein Teil von Apples vollmundigen Versprechen auch in der Praxis beweisen könnten. Die Erfahrungen mit dem  M1 lassen vermuten, dass Apple seine großen Versprechen halten kann. Mehr technische Details zu den Notebooks finden Sie hier.

Die Rückkehr zu den alten Anschlüssen muss vielleicht auch als Kompromiss-Angebot gegenüber den Profikunden gesehen werden. Denn mit der Umstellung auf die von Apple selbst entwickelten M-Prozessoren verlieren sie auch eine wichtige Option: Sie können auf den Maschinen kein vollwertiges Windows mehr installieren. Zwar ist die Emulation in sogenannten Virtuellen Maschinen mittlerweile sehr gut nutzbar, eine native Nutzung von Windows-Programmen ist aber nicht mehr nötig. Kauft man einen der neuen Macs, muss man sich also festlegen. Und muss mit den neuen Anschlüssen vielleicht einen Kompromiss weniger eingehen.

Dabei hilft sicher, dass Apple die alten Buchsen clever implementiert hat. Statt vier Thunderbolt-Buchsen gibt es nun nur noch drei - während mit HDMI, SD-Schlitz und Magsafe drei der häufigsten Nutzungsszenarien für die Anschlüsse zusätzlich angeboten werden. Die meisten Nutzer dürften also Anschlüsse hinzugewinnen. Hinzu kommt: Der praktischste Nutzen des mit der USB-C-Buchse kompatiblen Thunderbolt-Anschlusses bleibt. Man kann weiterhin darüber laden oder unterstützte Geräte und sogar Monitore ansteuern. Die Nutzer haben also schlicht erheblich mehr Wahl als vorher. 

Mehr Wahl

Diese zusätzliche Wahl zieht sich interessanterweise auch durch die übrigen Neuvorstellungen des Abends. Beim Homepod bietet Apple nun mit Blau, Gelb und Orange drei komplett neue Farbtöne an, die den Kunden zu Auswahl stehen. Den Musikdienst Apple Music gibt es nun erstmals in einer sehr günstigen Form: Der Apple Music Voice genannte Dienst kostet mit 4,99 Euro im Monat nur die Hälfte. Der Kompromiss: Er lässt sich nur per Siri steuern. 

Mehr Auswahl gibt es nun auch bei den Airpods. Die neuvorgestellte dritte Generation schafft gekonnt den Spagat zwischen den Airpod Pro und der Vorgänger-Version. Von den Pro-Modellen erbt sie den kürzeren Steg, inklusive der Touchsteuerung sowie den Raumklang namens Spatial Audio. Bei den Kosten ist sie aber deutlich näher an den Einsteiger-Airpods. Noch mehr Wahl bleibt, weil die günstigen Modelle der zweiten Generation mit einem etwas gesenkten Preis im Angebot bleiben. 

Diese Wahlfreiheit deckt sich mit einer neuen Richtung, die Apple in den letzten Jahren langsam aber sicher einschlug. Gab es früher maximal ein bis zwei Geräte pro Kategorie, hat sich der Konzern immer weiter aufgestellt. Am besten ist das am iPhone zu sehen: Fünf aktuelle iPhones bietet der Konzern an, wenn man das iPhone SE mit einrechnet, mit unterschiedlichen Größen, Features und entsprechend differenzierten Preise. Und natürlich in einer breiten Auswahl an Farben. Hinzu kommen die zahlreichen älteren Modelle, die - ebenfalls anders als früher - immer öfter als günstigere Alternative im Programm bleiben.

Auch bei der Software ist Apple offener geworden. Ließ sich früher das iPhone oder iPad kaum anpassen, können die Nutzer das System in den letzten Jahren immer weiter an den persönlichen Geschmack anpassen, Widgets nutzen und sogar manche Standard-Apps anpassen. Nachdem Apple seinen Nutzern lange vorschreiben zu wollen schien, wie sie Dinge zu tun hatten, hat der Konzern in den letzten Jahren gelernt, den Kunden öfter die Wahl zu lassen. Und mittlerweile offenbar selbst daran gefallen gefunden.

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tkr

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