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Event "Peek Performance" Apples großer Spagat: eine kleine Enttäuschung und die ganz große Überraschung

Tim Cook
Kleiner Mac, ganz groß: Der Mac Studio war die Überraschung des Abends.
© PR
Bei seinem ersten Event des Jahres hat Apple gleich drei seiner wichtigsten Produktlinien aktualisiert. Der Star des Abends war aber ein anderer als zunächst erwartet.

Unter dem Motto "Peek Performance" – zu Deutsch "Unsere Vorstellung von Performance" – hat Apple sein erstes Event des Jahres abgehalten. Als rein virtuelle Übertragung aus dem Hauptquartier in Cupertino hat der Konzern eine Menge Neuerungen vorgestellt. Das Thema des Abends dürften das neue iPhone SE, das überarbeitete iPad Air und so weiter aber für die meisten Menschen dennoch nicht sein: Der Krieg in der Ukraine überschattet auch beim Apple-Event die Nachrichtenlage.

Der Konzern ging darauf nur sehr subtil ein. Nachdem Apple bereits letzte Woche den Verkauf seiner Produkte in Russland eingestellt hatte, machte CEO Tim Cook auf der Bühne den Standpunkt mit einem indirekten Statement noch einmal klar: Das gelbe Apple-Watch-Band zum strahlend blauen Pullover war für den Apple-Chef ungewohnt bunt – und damit ein umso stärkeres Signal der Solidarität mit der Ukraine. Zum Krieg selbst äußerte Cook sich auf der Bühne aber nicht: Dort drehte sich alles nur um Apple.

Keine Revolution beim iPhone

Die größte Vorfreude des Abends dürfte es auf das iPhone SE gegeben haben – das sich leider als kleine Enttäuschung erwies. Fans hofften, dass Apple nun auch beim Sparmodell endlich den Homebutton streichen würde und mit dem Display die ganze Front füllt. Das blieb allerdings aus. Zwar bekommt das Einsteiger-iPhone nun auch den potenten A15-Chip der 13er-Modelle, das 4,7-Zoll-Display und der Homebutton bleiben aber erhalten. Und auch die zweite Hoffnung sparsamer Apple-Fans blieb unerfüllt: Gerüchte, dass Apple das alte iPhone SE zum Preis von 200 Euro im Programm behalten würde, stellten sich als falsch heraus. Das günstigste iPhone wird sogar teurer: Mit einem Preis von 520 Euro kostet das neue iPhone SE 50 Euro mehr als der Vorgänger.

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Eine erfreuliche Überraschung gab es dagegen beim neuen iPad Air. Zwar war ein Performance-Boost erwartet worden, indem das iPad den schnellen A15-Chip der iPhone-13-Modelle bekommt. Dass Apple stattdessen aber den rasanten M1-Chip seiner Notebooks und des iPad Pro verbaut – damit hatten wohl nur Optimisten gerechnet.

Aber auch sonst kann sich das iPad Air sehen lassen. Es bietet eine neue Frontkamera, die nun mit der Funktion "Center Stage" auch bei Videotelefonaten durch den Raum folgt. Und: Als erstes Air-Modell bietet es 5G-Empfang.

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Noch mehr Leistung

Der Star des Abends kam allerdings quasi aus dem Nichts: Wie das Motto verriet, hatte Apple Leistung im Gepäck – und zwar noch mehr, als die meisten Zuschauer erwartet haben dürften. Mit dem M1 Max legte Apple erst im Herbst die Latte für extrem hohe Leistung bei wenig Stromverbrauch noch einmal höher und brachte die Konkurrenz mächtig ins Schwitzen. Der M1 Ultra verdoppelt nun dessen Leistung noch einmal – und das wörtlich: Der Chip besteht aus zwei M1 Max die über eine spezielle Schnittstelle miteinander verbunden sind.

Diese erlaubt es, Daten zwischen den Chips mit unglaublichen 2,5 Terabit pro Sekunde zu verschieben. Laut Apple arbeiten die Kerne wie somit ein einzelner. Das heißt: Die Chips arbeiten extrem performant, ohne dabei mehr Strom zu verbrauchen oder Anpassungen auf Seiten der Software zu benötigen. Insgesamt will Apple somit die Performance der besten Grafikkarten auf dem Markt erreichen – und gleichzeitig 200 Watt weniger verbrauchen.

Auf diesen Mac haben die Fans gewartet

Zum Einsatz kommt der Chip in einem völlig neuen Mac – dem Mac Studio. Der wirkt optisch wie ein etwas angeschwollener Mac Mini, entspricht bei Leistung und Anpassungsfähigkeit aber eher dem Mac Pro. Darauf haben viele Fans seit Jahren gehofft.

Möglich wird das Design durch den neuen M1-Chip. Dieser entwickelt trotz der Leistung so wenig Hitze, dass er mit zwei recht großen Lüftern im Innern des kompakten Mac Studio auskommt, deren Betrieb man laut Apple kaum wahrnimmt. Und das alles, obwohl die Leistung 3,4 Mal so hoch sein soll wie beim aktuellen Mac Pro. Selbst das Mac-Pro-Modell mit 28 Rechenkernen soll nur knapp die Hälfte der Leistung erreichen.

Zusätzlich bietet Apple jede Menge Anschlüsse am Mac Studio – von Thunderbolt, über HDMI bis zu USB-A und einer Profi-Audiobuchse ist alles dabei. Im Extremfall sollen sich damit unter anderem vier Monitore und ein 4K-Fernseher ansteuern lassen – gleichzeitig. Auch die Daten der Festplatte sind beeindruckend: Mit bis zu 7,4 Gigabyte pro Sekunde schaufeln die bis zu acht Terabyte großen SSDs die Daten herum. Und: In einem Jahr soll der Rechner bis zu 100 Kilowattstunden weniger Strom verbrauchen als Highend-PCs.

Chips im Bildschirm

Damit das Gesamtbild stimmt, hat Apple zum ersten Mal sein einigen Jahren auch noch ein passendes Display im Angebot. Das Studio Display orientiert sich optisch am letzten Neudesign des iMacs, verbindet sehr schmale Rahmen mit einem hauchdünnen Gehäuse. Stark: Das Display bringt einen eigenen Prozessor mit – den A13 des iPhone 11. Das Display kann also nun mitdenken.

Dadurch kann das Display zum Beispiel die mit der Webcam aufgezeichneten Videos verarbeiten und als erster Desktop-Mac mithilfe der eingebauten Kamera sogar "Center Stage" anbieten. Außerdem: Die eingebauten Speaker unterstützen sogar Spatial Audio, also 3D-Klang. Mit drei USB-C- und einer Thunderbolt-Buchse ist es zudem extrem anschlussfreudig. Für Notebooks braucht man allerdings nur den einen Thunderbolt-Anschluss. Der gibt nicht nur alle Daten weiter, sondern lädt das Notebook auch auf.

Starker Abend bei Apple

Mit seinem Frühlings-Event hat Apple bewiesen, dass der Konzern immer wieder für eine Überraschung gut ist. Und das, obwohl das iPhone SE durch die vielen Gerüchte am Ende weniger gut dastand, als erhofft. Mit dem aus dem Nichts kommenden M1 Ultra und dem passenden Mac Studio – inklusive des passenden Displays – machte man die kurze Enttäuschung allerdings mehr als wett.

Eine hierzulande eher unspektakuläre Ankündigung dürfte in den USA für Aufregung sorgen: Mit Friday Nights Baseball steigt der Konzern erstmals in das gigantische Sportgeschäft ein und sendet jede Woche zwei Baseball-Spiele. Sollte sich das als Erfolg beweisen, müssen sich die Sport-Sender dieser Welt wohl vor einem neuen, erschreckend zahlungskräftigen Konkurrenten in Acht nehmen.


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