BUNDESTAGSWAHL Die Internet-Kanzler: Der König von Bayern


Die Kanzlerkandidaten im Netz - kurz vorgestellt. Nach geklärter »K-Frage«, erfreut sich der Kandidat der Union, Edmund Stoiber, im Internet reger Beliebtheit - bei Freund und Feind.

Während Fast-Präsident Al Gore einst behauptete, er hätte das Internet erfunden, kommt der Vielleicht-Bundeskanzler Edmund Stoiber mit »Laptop und Lederhose« daher und ist einfach jemand, »der das Netz im alltäglichen Leben zu schätzen gelernt hat«. Der Kanzlerkandidat der Union fordert »eine Schmalband-Flatrate für Deutschland«, deren Wiedereinführung, laut Stoiber, eine »bahnbrechende Wirkung« hätte. Genauso könnte man, in Zeiten von DSL und Breitbandzugängen, natürlich auch eine eigene Pferdekutsche oder Gaslaternen für alle fordern. Um die Internet-Kompetenz des »Kompetenzteams« zu testen, bat die »Münchner Abendzeitung« Stoiber zum Praxistest: sechs Fragen für Internet-Anfänger. Er sollte Begriffe wie Yahoo, Provider und Maus erklären. Der Test konnte leider nicht beendet werden, da der Prüfling nach der dritten Frage entnervt aufgab.

Stoibers Woche

Der Schwerpunkt der Stoiber-Homepage liegt mehr auf menschelnder Wahlkampf-Werbung als auf dem politischen Programm. So gibt es einen Lebenslauf und viele Details aus seinem Privatleben. Beispielsweise wird beschrieben, wie er beim Fußballclub FC Farchet Wolfratshausen »die große Liebe« als Zuschauerin fand, die Bankkauffrau Karin Rudolf. Man erfährt, dass es »Liebe auf den ersten, auf jeden Fall aber auf den zweiten Blick« war. Ans Herz gehen die Familienfotos - allen voran »Im Laufstall der kleine Edmund mit seinen Schwestern Hannelore und Silke-Anne«. Zusätzlich kann ein E-Mail-Newsletter mit dem Titel »Stoibers Woche« abonniert werden. Wer allerdings sein Regierungsprogramm lesen will, wird auf die Seite regierungsprogramm.de weitergeleitet.

Auf der Seite der CSU ist das Konterfei des bayrischen Ministerpräsidenten allgegenwärtig, wohingegen das Internetangebot der CDU erst einmal die »Sommertour« von Angie Merkel bewirbt. Um den Kanzlerkandidaten zu finden, muss man schon ein bisschen scrollen. Dafür können »Journalisten und politisch interessierte Bürgerinnen und Bürger« auf der Unionsseite wahlfakten.de viele »Begrenzungsgedanken« finden, warum durch die Gesetze von Rot-Grün so viele doofe Ausländern nach Deutschland kommen.

Grenzenlos solidarisch

Wer will, dass die Union so richtig Geld für neue Internetangebote hat, der kann seine Online-Einkäufe über cdu-solidaritaet.de erledigen. Für jeden Klick bekommt die CDU dann sozusagen eine Spende und das ausnahmsweise mal ohne Lederkoffer und Stiftung in Lichtenstein.

Keine Wechselstimmung

Obwohl Stoiber auf der Wahlkampfseite »Wohlstand für alle« fordert, finden das irgendwie nicht alle gut. Es hat sich sogar ein Netz-gegen-Stoiber formiert, zu dem zahlreiche private Internetseiten gehören. Unter Domains wie bleib-in-bayern.de oder stoiberdarfnichtkanzlerwerden.de kann man nach Herzenslust mit Leuten diskutieren, bei denen noch nicht so die rechte »Wechselstimmung« aufgekommen ist.

Torsten Beeck


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