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Alle Gespräche werden aufgenommen Clubhouse und der Datenschutz: Vier Gründe, warum die App umstritten ist

Clubhouse ist die derzeit populärste iPhone-App
Clubhouse ist die derzeit populärste iPhone-App
© Getty Images
Clubhouse ist der derzeit angesagteste App. Um dabei sein zu können, geben viele Nutzer ihre Kontaktdaten preis - was das Unternehmen damit anfängt, ist nicht klar ersichtlich. Auch sonst wird Datenschutz nicht besonders großgeschrieben.

Clubhouse ist die App der Stunde. Es ist ein Netzwerk ohne Bilder, ohne Text, ohne Likes - dort wird nur geredet. Klingt langweilig, doch genau das macht den Charme aus. Es ist quasi ein Podcast zum Mitmachen. Angefacht wurde der Hype von zahlreichen Prominenten und Influencerinnen, Schauspielern und Moderatorinnen, die sich öffentlichkeitswirksam auf der Plattform anmeldeten. Hinzu kommt die künstliche Verknappung: Derzeit können sich nur iPhone-Nutzer*innen anmelden, und das auch nur mit einer Einladung von einem bereits bestehenden Mitglied.

Um andere einladen zu können, soll man der App gleich zu Beginn den Zugriff auf das eigene Kontaktbuch gewähren. Das ist mit einem Klick erledigt. Nur: Was passiert eigentlich mit den Daten? Und wie ist Clubhouse in puncto Privatsphäre aufgestellt?

Die Sache mit dem Kontaktbuch

Dass man in einem Netzwerk das Kontaktbuch teilt, liegt eigentlich auf der Hand - schließlich macht eine Plattform nur Spaß, wenn man sich dort mit anderen austauschen kann. Wer sein Kontaktbuch für Clubhouse freigibt (das kann, muss man aber nicht), leitet jedoch auch die Telefonnummern von Freunden, Bekannten oder Geschäftskontakten an Clubhouse weiter - ohne deren Zustimmung. Überlegen Sie also genau, ob Ihnen etwas Bequemlichkeit solch einen Vertrauensbruch wert ist oder ob Sie der App lieber den Zugriff auf das Kontaktbuch entziehen. Denn was Clubhouse mit den Daten anfängt, ist in den Nutzungsbestimmungen nicht klar ersichtlich. Und bis auf die Einladungs-Funktion ist der umfang ansonsten identisch.

Alle Gespräche werden aufgenommen

Ein Gespräch im Clubhouse-Raum wirkt so intim, als würde man mit Freunden und Bekannten an einem Tisch oder auf einer Bühne sitzen. Doch man sollte sich stets bewusst sein: Das Unternehmen zeichnet sämtliche Gespräche mit. So heißt es in den Nutzerrichtlinien unter dem Punkt "Temporäre Audioaufzeichnungen": "Ausschließlich zur Unterstützung der Untersuchung von Vorfällen zeichnen wir das Audio in einem Raum vorübergehend auf, während der Raum aktiv ist. Wenn ein Benutzer einen Vertrauens- und Sicherheitsverstoß meldet, während der Raum aktiv ist, behalten wir die Audioaufzeichnung für die Zwecke der Untersuchung des Vorfalls und löschen sie dann, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist."

Apple zeigt im App Store transparent, welche Daten die App Clubhouse sammelt
Apple zeigt im App Store transparent, welche Daten die App Clubhouse sammelt
© Screenshot App Store

Sollte in einem Raum, solange er aktiv ist, kein Vorfall gemeldet werden, "löschen wir die temporäre Audioaufnahme, sobald der Raum beendet wird". Zudem stellt das Unternehmen klar, dass keine Audio-Inhalte von stummgeschalteten Rednern und Zuhörern aufgezeichnet werden und dass alle temporären Audioaufzeichnungen verschlüsselt sind. Nutzer*innen wiederum ist es ausdrücklich untersagt, ohne Einverständniserklärung aller anderen Teilnehmer Aufnahmen der Gespräche zu erstellen.

Keine Server in Europa

Clubhouse ist noch ein sehr junges Unternehmen mit Firmensitz in den USA. Dort stehen derzeit auch die Server. Eine europäische Tochterfirma gibt es bislang noch nicht. Heißt im Klartext: Wer die App nutzt, ist damit einverstanden, dass die eigenen Daten in die Vereinigten Staaten übertragen werden. 

Werden Profile gebildet?

Das Geschäftsmodell von Clubhouse ist noch unklar. Derzeit gibt es keine Bezahlinhalte, alles ist kostenlos, es gibt keine Werbung. Jedoch ist in den Datenschutz-Informationen in Apples App Store ersichtlich, dass Clubhouse die Nutzungsdaten der User sammelt. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, schließlich können die Betreiber anhand solcher Daten lernen, das Nutzungsverhalten der User besser zu verstehen und so zielgerichtet neue Features zu entwickeln. Allerdings können diese Daten auch genutzt werden, um Profile zu erstellen. Zu den Risikokapitalgebern des Unternehmens gehört Andreessen Horowitz, der mit Facebook und Instagram bereits zwei Unternehmen in der Frühphase unterstützte, die bekannt dafür sind, ihre Nutzer*innen detailliert zu durchleuchten.

Die nächsten Wochen werden entscheidend

Clubhouse hat als Start-up mit gerade einmal neun Mitarbeiter*innen geringe Entwicklungskapazitäten. Doch wenn die App weiter in diesem Tempo wächst, könnte der laxe Umgang mit dem Datenschutz zum Problem werden. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob das Unternehmen an entscheidenden Stellen nachbessert und die Privatsphäre der User ernst nimmt - oder ob es einen ähnlichen Weg wie Facebook & Co. einschlägt.


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