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Corona-App Angst vor Überwachung: Darum will die Corona-Warn-App bei Android Zugriff auf den Standort

Die Contact-Tracing-Apps gelten als wichtiger Bestandteil des Kampfes gegen das Coronavirus (Symbolbild)
Die Contact-Tracing-Apps gelten als wichtiger Bestandteil des Kampfes gegen das Coronavirus (Symbolbild)
© Drazen Zigic / Getty Images
Mit der Corona-Warn-App sollen die Menschen vor einem Infektionsrisiko mit dem Coronavirus gewarnt werden – ohne sich dabei überwacht zu fühlen. Viele Android-Nutzer sind nun verwirrt: Die App will Zugriff auf die Standort-Daten. Was steckt dahinter?

Seit heute ist die Corona-Warn-App verfügbar. Sie soll Menschen warnen, wenn sie in den letzten Tagen Kontakt mit einem nachweislich an Covid19-Erkrankten hatten und damit womöglich selbst gefährdet sind. Im Vorfeld hatte die App viel Gegenwind bekommen – und sich Angst vor Spionage gegenüber gesehen. Eine Einstellung bei der Version für Googles Smartphone-System Android dürfte diesen Effekt noch verstärken. Allerdings zu Unrecht.

Dass es bei den Nutzern zu verdutzten Reaktionen kommt, ist aber nachvollziehbar. Richtet man die App ein, bittet sie darum, den Zugriff auf die Standortbestimmung zu genehmigen. Und das, obwohl sie für die Kontakt-Verfolgung nicht den Standort der Menschen speichert, sondern nur eine Bluetooth-Verbindung. Kein Wunder, dass viele Menschen sich von den staatlichen Stellen verschaukelt fühlen, die immer wieder versprachen, die App nicht zur Überwachung zu nutzen.

Keine Standort-Abfrage der Corona-App

Doch die Bundesregierung hat mit der Frage nach dem Standort gar nichts zu tun. Sie ist eine Besonderheit von Android – bei der Version für iPhones gibt es die Anfrage nicht. Seit der Android-Version 6.0 sind die Freigabe für den Standort und die für Bluetooth in einer einzigen Genehmigung durch den Nutzer zusammengefasst. Man kann Apps schlicht nicht die Nutzung von Bluetooth erlauben, ohne gleichzeitig auch Zugriff auf die Standortdaten zu geben.

Die Anfrage bedeutet aber nicht, dass die Corona-Warn-App auch davon Gebrauch macht. "Diese Einstellung ist erforderlich, damit Bluetooth-Geräte in deiner Nähe gefunden werden. Für Benachrichtigungen zu möglicher Begegnung mit Covid-19-Infizierten wird der Gerätestandort jedoch nicht genutzt", heißt es in einem Hinweisfenster in der App selbst. In einer Antwort in Googles Playstore bekräftigt das mit der Entwicklung betraute Robert-Koch-Institut ebenfalls, dass die App ohne den Standortzugriff zwar nicht funktioniert, die App selbst aber nicht auf die Daten zugreift.

Die Corona-App startet in Deutschland

Google und Apple wollen keine Überwachung

Das wäre auch von Seiten Googles nicht in Ordnung. Der Konzern hatte gemeinsam mit Konkurrent Apple die Schnittstelle entwickelt, über die Contact-Tracing-Apps in der ganzen Welt über Betriebssysteme hinaus funktionieren sollen. Eine der wichtigsten Auflagen der Konzerne: Die Regierungen dürfen die Daten der Apps nicht zu Überwachungszwecken auswerten – und auch nicht den Standort ermitteln. Hätte die Corona-Warn-App dagegen verstoßen, hätte Google sie also gar nicht erst in den Play Store gelassen. 

Eigentlich soll die Zusammenlegung der beiden Funktionen in eine einzelne Berechtigung die Nutzer schützen. "Weil auffindbare Geräte auch Informationen zum Standort eines Nutzers verraten könnte, benötigt der Prozess zur Suche [nach anderen Bluetooth-Geräten, Anmerkung der Redaktion] die Berechtigung zur Standortabfrage", erklärte der Konzern auf einer Entwicklerseite. Einfacher gesagt: Weil Bluetooth unter Umständen zur Abfrage von Standorten missbraucht werden kann, wollte Google dem einen Riegel vorschieben.

Einen negativen Effekt hat die Berechtigung allerdings schon. Schaltet man wegen der Corona-App die Standortabfrage ein, haben auch alle anderen Apps darauf Zugriff, denen man irgendwann mal die Berechtigung dazu gegeben hat. Auch die Corona-App warnt mit dem etwas kryptischen Hinweis "Andere Apps mit der Berechtigung zur Standortermittlung haben Zugriff auf den Gerätestandort" davor. Im Idealfall sollte man daher prüfen, welche Apps diesen Zugriff haben. Die Option findet sich je nach Hersteller in den Einstellungen unter "Standort", "Standortzugriff" oder ähnlichen Begriffen. Dort lässt sich auch die Berechtigung jeweils nur für einzelne Apps entziehen. Oder man wirft lange nicht genutzte Apps einfach mal vom Gerät.

Quellen: Google, Play Store


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