HOME

Datenschutz-Grundverordnung: Wenn der Datenschutz zu Hause das Licht ausschaltet: Die absurden Folgen der DSGVO

Die DSGVO soll Bürger vor neugierigen Firmen schützen. Theoretisch. In der Praxis hat die Regelung teils völlig absurde Folgen - von nicht erreichbaren Webdiensten bis zur abgeschalteten Wohnungsbeleuchtung. Und Facebook will mehr wissen als vorher.

DSGVO Bürger

Eigentlich soll die am Freitag in Kraft getretene Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO, die Bürger vor dem Datenhunger der Unternehmen schützen. In der Praxis sorgt sie aktuell vor allem für panische Unsicherheit: Bei Verstößen drohen harte Strafen, andererseits sind weite Teile der Regelung noch ziemlich schwammig. Kein Wunder, dass viele Firmen lieber auf Nummer sicher gehen. Mit teils absurden Folgen für die Kunden.

Die stehen nämlich nicht nur vor E-Mail-Bergen, die eine Erlaubnis zur weiteren Datenverarbeitung erbetteln. Sondern auch vor ganz konkreten Einschnitten. Dabei geht es nicht um theoretische Fragen, wie der, ob man Whatsapp künftig weiter im Job nutzen darf. Aus Angst, die neuen Regeln nicht einhalten zu können, schalten viele Firmen, aber auch Vereine, Kirchen und private Blogger ihre Angebote einfach ab.

Wenn der Datenschutz die Lampe abknippst

Wer Pech hat, steht dann wortwörtlich im Dunkeln. Nutzt man etwa smarte Lampen der Marke "Yeelight", stellten die letzte Woche den Dienst ein. "Nach der DSGVO können wir unsere Dienste nicht mehr für Sie anbieten", erklärt eine Fehlermeldung der Yeelight-App lapidar. Das Licht bleibt aus. Warum der Dienst ohne Datensammlung nicht funktionieren kann, bleibt die Ansage schuldig.


Auch andere US-Dienste sperren zur Sicherheit ihr Angebot einfach komplett für Nutzer aus der EU. So erscheint auf den Seiten vieler Tageszeitungen wie der "LA Times" oder dem "Chicago Tribune" nur eine Fehlermeldung, auch Dienste wie Instapaper oder das Online-Spiel Ragnarok Online bleiben den Europäern verwehrt.

Folgen der DSGVO auch im echten Leben

Noch schlimmer sieht es in der EU selbst aus. Weil das Publikum ebenfalls hier sitzt, fällt das selektive Blocken von EU-Bürgern als Möglichkeit weg. Die Folge: Auch in Deutschland schalten viele Betreiber ihre Seiten aus Angst lieber erst mal ab. Ein Blogger hat gut 300 Seiten gesammelt, die seit dem 25. Mai nicht mehr zu erreichen sind.


Selbst in der Offline-Welt hat das Gesetz Folgen: Bei der "Bewegungs- und Rehabilitationssportgemeinschaft Ingelheim" trat gleich der ganze Vorstand zurück, berichtet die "Tagesschau". Die Arbeit sei unter dem neuen "lachhaften" Gesetz nicht mehr möglich. "Es ist unmöglich, damit zurecht zu kommen. Ich kann nicht zu 250 Mitgliedern fahren und mir unterschreiben lassen, dass ich ihnen einen Brief schicken darf", zitiert die Tagesschau den Kassenwart.

Privatsphäre im Kühlschrank

In den sozialen Netzwerken sammeln sich Unmengen weiterer kruder Fälle. Da gibt es Samsung-Kühlschränke, die erst nach Zustimmung der neuen Privatsphäre-Richtlinien wieder in Dienst gehen wollen. Yahoo-Betreiber Oath will Transparenz und erlaubt, Werbetracker einzeln abzuschalten. Die Nutzer müssen sich dazu bloß durch eine Hunderte Einträge lange Liste arbeiten. So zeigt das Unternehmen wohl eher unbeabsichtigt, warum die Verordnung überhaupt nötig wurde.

Auch die verzweifelten Mails der Unternehmen sorgen für Schmunzeln. Weil wohl kaum einer sie öffnet, um der Datensammlung zuzustimmen, greifen einige zu verzweifelten Mitteln. Und locken mit Betreffzeilen wie "Interessiert in sehr günstige Flüge?" Im Inneren steckt dann doch nur die übliche Bitte, auf einen Link zu klicken. Als hätte man sonst nicht genug Spam.

Keiner ist so dreist wie Facebook

Den Vogel abgeschossen hat aber Facebook. Bereits Mitte Mai rollte der Social-Media-Gigant seine neuen Privatsphäre-Regeln aus. Sämtliche Nutzer konnten den Regeln entweder mit einem Klick zustimmen oder sich eine detaillierte Ansicht zeigen lassen. Bei der Gelegenheit konnten die Nutzer dann auch gleich zustimmen, ihr Gesicht automatisch von Facebook erkennen zu lassen. Unter dem Deckmantel des Datenschutzes will Facebook also noch mehr sammeln als vorher.

Anmerkung: In einer früheren Fassung des Textes klang es irreführenderweise so, als ob Facebook die Gesichtserkennung automatisch einschaltet und man sie händisch abschalten muss. Das ist nicht der Fall, der Nutzer kann sie ihm Rahmen der neuen Datenschutzregeln selbst aktivieren. 

DSGVO Bürger
Themen in diesem Artikel