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Jeder Nutzer hat noch ein Profil: Facebooks geheime Schattenprofile: Das Netzwerk weiß mehr über uns, als wir ahnen

Facebook sammelt jede Menge Daten, das ist nicht neu. Doch im Hintergrund legt das Netzwerk über jeden von uns "Schattenprofile an" -  die verraten mehr über uns, als die meisten denken.

Facebook sammelt viele Daten seiner Nutzer - und verarbeitet diese unbemerkt im Hintergrund

Facebook sammelt viele Daten seiner Nutzer - und verarbeitet diese unbemerkt im Hintergrund

Es scheinen merkwürdige Zufälle zu sein, die sich auf ereignen. Man schreibt mit einem Kollegen ein paar Mal beruflich via Business-Mail miteinander, plötzlich wird er einem als Freund vorgeschlagen. Oder man bekommt den Stiefbruder zu sehen, den man bislang nie kennengelernt hat. Ein Samenspender soll einmal sogar das daraus entstandene Kind Jahre später als Freund vorgeschlagen bekommen haben, obwohl er mit den Eltern überhaupt nicht auf Facebook befreundet war.

Das Schockierende daran: Es sind keine Zufälle. Facebook hat keine hellseherischen Fähigkeiten, wie einige Nutzer naiv glauben mögen. Stattdessen sammelt das Netzwerk alle Daten, die es bekommen kann, wertet diese systematisch aus - und legt hinter dem Nutzerprofil ein zweites Profil an. Es ist für den User unsichtbar, es wird daher oft als "Schattenprofil" bezeichnet, auch wenn Facebook den Begriff nicht mag.

Das Unternehmen selbst hält sich dazu bedeckt und liefert andere, mitunter skurrile Erklärungen, woher die Freundesvorschläge kommen - so habe man sich womöglich etwa im selben Wlan-Netzwerk aufgehalten oder gemeinsame Freunde. Die "Gizmodo"-Redakteurin Kashmir Hill hat genauer nachgeforscht und mehr über die Schattenprofile herausgefunden, die der Grund für die zunächst unerklärlichen Verbindungen sind.

Die im Dunkeln sieht man nicht

Damit Facebook wachsen und Werbekunden immer genauere Zielgruppen ermöglichen kann - die Grundlage des Geschäftsmodells -, benötigt das Netzwerk nicht nur die persönlichen Daten des Nutzers, sondern auch die von dessen Freunden, Bekannten und Kollegen. Unter anderem deshalb fordert die Plattform seine Mitglieder regelmäßig auf, "Freunde zu finden".

Das geht ganz einfach, indem man die Kontakte des Smartphones hochlädt - samt aller darin enthaltenen (Spitz-)Namen, Bilder, Telefonnummern, Berufsbezeichnungen, Unternehmensangaben, Anschriften und E-Mail-Adressen. Ein Knopfdruck genügt. Die hochgeladenen Daten versucht das anschließend, möglichst genau bereits bestehenden Profilen zuzuordnen. So ist etwa der Fall zu erklären, indem ein entfernter Kollege als Freund vorgeschlagen wurde, obwohl man mit ihm bislang nur beruflich Kontakt hatte.

Die Kontakte werden nicht darüber informiert, dass Facebook mitunter sehr persönliche Daten bekommt. Man sollte sich daher zweimal überlegen, ob man das Netzwerk wirklich in das eigene Adressbuch lässt. Trotzdem scheinen viele leichtfertig auf den Knopf zu drücken: Eine Stichprobe des Autors ergab, dass von derzeit 394 Facebook-Freunden 119 ihr Kontaktbuch freigegeben haben. Das ist knapp ein Drittel - und scheint die Norm zu sein.


Die Sache mit der Telefonnummer

Zu Facebook gehört auch der extrem populäre Messenger Whatsapp (mehr als eine Milliarde Nutzer) und das Bildernetzwerk Instagram (mehr als 800 Millionen angemeldete Nutzer). Dort können Nutzer ebenfalls ihre Kontakte hochladen, die Daten werden allerdings nicht für Facebooks "Freunde finden"-Funktion genutzt, beteuert ein Sprecher - noch nicht.

Dass Facebook immer umfangreichere, genauere Profile erstellen kann, hat auch damit zu tun, dass immer mehr Dienste dazu übergehen, die Telefonnummer der Nutzer abzufragen. Sei es Whatsapp, Twitter oder .

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Telefonnummer verwenden die meisten Menschen mehrere Jahre, mitunter Jahrzehnte. Eine neue E-Mail-Adresse ist dagegen schnell angelegt. Das erleichtere die Identitätszuordnung und Synchronisierung der Kontakte enorm, zitiert einen Facebook-Sprecher. "Mobilfunknummern sind noch besser als Sozialversicherungsnummern, wenn es um die Identifikation geht", sagt der Technologie-Experte Bruce Schneier. "Die Menschen geben ihre Nummer für alles Mögliche her."

Die Welt ist ein kleineres Dorf, als erwartet

Durch die Daten könne Facebook eine Verbindung zu längst zurückliegenden Ereignissen herstellen, schreibt "Gizmodo". "Ein One-Night-Stand aus dem Jahr 2008, eine Person bei der man 2010 einmal übernachtet hat, ein Vermieter aus dem Jahr 2013: Wenn sie jemals deine Nummer in ihr Telefon getippt haben oder du ihre in deins, hat Facebook die Verbindung, sobald man die Kontakte hochlädt." Vermutlich kenne Facebook daher jede Adresse, jeden Spitznamen und jede Telefonnummer, die man einmal benutzt hat. Und könne unabhängig vom Nutzer Kontakte miteinander vernetzen: Wenn Freund B und Freund C beide die Nummer von Person A haben - womöglich kennen sich die beiden auch persönlich?

Die enorme Datenmenge von Facebook zeigte zuletzt auch, dass das Kleine-Welt-Phänomen viel ausgeprägter ist als vermutet. Der US-Psychologe Stanley Milgram formulierte 1967 die bis heute gern zitierte Hypothese, dass jeder Mensch auf der Welt mit jedem anderen über durchschnittlich sechs Ecken miteinander verbunden sei. Die Welt ist ein Dorf, glaubte man lange Zeit. Facebook weiß mittlerweile, dass das Dorf in Wahrheit noch viel kleiner ist: Jede Person (das gilt zumindest für die knapp zwei Milliarden Facebook-Nutzer) sei im Schnitt über dreieinhalb Nutzer miteinander verbunden, schrieb das Netzwerk im vergangenen Jahr in einem Blogpost. Vielleicht ist der Wert seitdem sogar noch ein bisschen kleiner geworden.

Widerstand gegen Facebook (fast) zwecklos

Und was, wenn man nicht will, dass Facebook all die Daten über einen sammelt? Dann bleibt einem nichts weiter übrig, als alle Nutzer, die ihr Kontaktbuch freigegeben haben, einzeln anzuschreiben und sie zu bitten, die Daten hier zu entfernen. Man sollte aber wirklich jeden überredet bekommen. Denn sobald sich einer weigert, bleiben diese Daten auf dem Server, schreibt "Gizmodo". Hier kann man die importierten Kontakte verwalten.

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