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Gerichtsentscheidung: Myspace ersetzt nicht die Eltern

Eine 13-Jährige gibt sich auf der Webcommunity Myspace als volljährig aus, lernt einen Mann kennen und wird später angeblich von ihm sexuell missbraucht. Ihre Eltern verklagen daraufhin den Webseitenbetreiber - zu Unrecht, wie ein US-Gericht entschieden hat.

Ein US-Bundesrichter hat eine Millionenklage gegen die Internet-Plattform MySpace verworfen, die von Eltern eines angeblich missbrauchten Mädchens eingereicht worden war. "Wenn irgendjemand die Pflicht hatte, Julie Doe zu schützen, dann waren dies ihre Eltern, nicht MySpace", zitierte die "Los Angeles Times"den Richter Sam Sparks vom Bezirksgericht in Austin (US- Bundesstaat Texas).

Die Eltern des Mädchens mit dem Decknamen "Julie Doe" hatten dort das populäre Portal auf 30 Millionen US-Dollar Schadenersatz verklagt. Ihre damals 13-jährige Tochter hatte sich als 18-Jährige ausgegeben, um das von Myspace vorgegebene Mindestalter von 14 zu umgehen. Über die Webseite hatte sie dann einen 19-jährigen Collegestudenten kennen gelernt, die sich dem Mädchen gegenüber als High-School-Schüler ausgab. Die beiden tauschten Telefonnummern und trafen sich nach ein paar Wochen zu einem Abendessen und einem Kinobesuch. Im Anschluss daran soll der Mann das Mädchen angeblich sexuell missbraucht haben. Der Missbrauchsfall selbst ist noch nicht vor Gericht.

Die Website biete ungenügende Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz von Minderjährigen, hielten die Eltern dem MySpace-Betreiber News Corp. vor. Der Anwalt der Familie von "Julie Doe" in Texas will Berufung einlegen. Die Familie sei zu "einem sehr langen Kampf" bereit, erklärte Adam J. Loewy. Ein anderer Anwalt sagte: "Myspace weiß, dass seine Community eine Spielwiese von Pädophilen ist. Deshalb sollte Myspace Vorsichtsmaßnahmen einführen." Das Unternehmen begrüßte die Entscheidung des Richters: Es sei "nicht verantwortlich für das Fehlverhalten der Besucher unserer Website", hieß es.

Es stehen noch andere Klagen aus

Vier kalifornische Familien hatten im Januar vor einem Gericht in Los Angeles ähnliche Klagen wegen angeblicher sexueller Belästigung Minderjähriger eingebracht. Das Community-Portal müsste Prüfmechanismen einrichten, um zu garantieren, "dass die Nutzer tatsächlich so alt sind, wie sie angeben", zitierte die Zeitung damals einen Anwalt der Familien. In einem Fall war ein Mädchen von einem 25-jährigen Mann angeschrieben worden, der sein Opfer bei einem Treffen mit Drogen betäubte und sexuell missbrauchte. Der Mann wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Die Betreiber von MySpace arbeiten derzeit an einer Schutzsoftware, die Eltern bessere Überwachungsmöglichkeiten geben soll. Damit könnten sie unter anderem prüfen, ob sich ihr Nachwuchs heimlich mit mehreren Profilen im Internet darstellt, teilte das Unternehmen mit. Die Software "Zephyr" soll im Sommer erhältlich sein. Weltweit sind bereits 140 Millionen Menschen Mitglied des Webangebotes MySpace.

san mit Material von DPA und AP
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