Hotspots Dafür wirst du noch bezahlen


WLan nur für die eigene Wohnung ist von vorgestern. Wer heute etwas auf sich hält, richtet einen öffentlichen Hotspot ein. Das ist unkompliziert - und man kassiert bei jedem, der sich einwählt.
Von Georg Dahm

Ab und zu kann man sich ruhig mal fragen, ob es die anderen eigentlich auch so gut haben wie man selbst. Nehmen wir nur den Internetzugang: Wie viele von uns leben behaglich mit einer üppigen DSL-Leitung, während der Nachbar vor einem schwachbrüstigen Telefonanschluss friert? "Da muss man doch helfen", sagen manche und teilen mit den Hausgenossen ihre Flatrate. "Da ist doch noch mehr drin!", sagen andere und machen aus der Nachbarschaftshilfe ein Geschäft: Sie teilen ihren Anschluss mit allen, die in WLan-Reichweite sind und fürs Surfen Geld bezahlen wollen: Mit Passanten, den Gästen im Café nebenan, den Leuten aus dem Nachbarhaus. Bezahlt wird pro Megabyte, Stunde oder Tag; die Abrechnung übernimmt ein Dienstleister, der einen Teil des Umsatzes einbehält.

Geldverdienen mit dem eigenen Hotspot

Wer sich geschickt anstellt, verdient mit seinem eigenen Hotspot: Gleich vier Unternehmen versuchen, Hotspots in Privatwohnungen aufzubauen. Sie werben nicht nur mit den Profitmöglichkeiten, sondern meist auch damit, dass man alle anderen Hotspots des Verbunds gratis nutzen kann. Beim Marktführer Fon sind das in Deutschland schon 25.000 Stück, T-Mobile hat nur 8000. Allerdings stehen viele private Hotspots eben in Wohngebieten; nicht immer liegt in ihrem Sendebereich ein Café oder der Busbahnhof. Auch im Ausland funktioniert der Tauschring: Fon-Hotspots gibt es zum Beispiel in Zürich und Warschau, in San Diego, Paris und Lissabon. Die Konkurrenten sind nur in Deutschland aktiv und haben jeweils zwischen 100 und 300 Hotspots.

Aufbauen kann man so einen drahtlosen Internetzugriffspunkt für 20 bis 70 Euro. So viel kostet ein geeigneter WLan-Router, den man zusätzlich zum vorhandenen DSL-Modem oder -Router benutzt - als Basisstation, die das öffentliche Netz aufbaut und vom privaten abschottet. Mit diesem Zwei-Router-System ist der eigene PC geschützt. Und weil jeder Gast mit einer eigenen Kennung ins Netz geht, ist im Zweifel auch besser zu klären, wer da die Raubkopien zum Tausch anbietet.

Ein Haken bleibt

Einen Haken hat die Sache mit dem gebührenpflichtigen Hotspot allerdings auch: Provider wie die Telekom, Alice oder 1&1 verbieten ihren Kunden ausdrücklich die gewerbliche Nutzung privater Internetzugänge. "Das ist ein heikles Thema", sagt Andreas Werner, Vertriebsleiter bei Hotsplots. "Ich habe aber noch von keinem Fall gehört, bei dem ein Provider deswegen gegen einen Kunden vorgegangen ist."

Definitiv auf der sicheren Seite ist man als Benutzer mit dem Angebot von Sofanet. Hierbei wird der Hotspot-Verkehr über eigene Leitungen abgewickelt, sodass man in jedem Fall rechtlich auf der sicheren Seite ist - und nicht die Kündigung des Internetanschlusses riskiert. Wer sowieso kein Geld verdienen will, kann Freunden bei allen Anbietern außer Sofanet einen Gratiszugang einrichten - oder bei der Freifunkbewegung mitmachen. Die versucht, den öffentlichen Raum mit einem kostenlosen Netz aus WLans zu überziehen. Berlin und Leipzig liegen schon unter einer Freifunk-Wolkendecke, im reichen Hamburg sind es erst ein paar Wölkchen.

Leichter Einstieg

Der Einstieg ins Hotspotgeschäft ist keine komplizierte Sache. Bei Fon etwa gibt es den WLan-Router "La Fonera" für knapp 35 Euro zu kaufen. Um das Kistchen anzuschließen, braucht man eine Steckdose und eine freie Netzwerkbuchse an Router oder DSL-Modem. Fonera funkt sofort und muss nur noch in der Hotspotdatenbank registriert werden. Schöner Zusatznutzen: Neben dem öffentlichen baut das Gerät ein verschlüsseltes privates WLan auf.

Die Reichweite eines solchen Hotspots ist allerdings beschränkt. In den angrenzenden Stockwerken ist der Empfang noch gut, mit jeder Mauer aber sinkt die Qualität. Wenn man den Router ans Fenster stellt, kann man die Reichweite erhöhen - über längere Distanzen hilft eine Richtantenne für 2 Euro. Bei der Mitsurfzentrale, Hotsplots und Sofanet sind mehr Handgriffe nötig, die aber - zur Not mithilfe der freundlichen Technikhotline - zu bewältigen sind. Damit der vorhandene Router den Hotspot ins Internet lässt, müssen erst einige Einstellungen geändert werden - wobei Sofanet auf eine Durchleitungstechnik setzt, die nicht jedes Gerät beherrscht.

Gewerbliche Anmeldung ist nötig

Wer noch einen WLan-Router übrig hat, kann vielleicht auch den als Hotspot nutzen: Auf den Anbieter-Websites steht, welche Modelle dafür aufgerüstet werden können. Bei Sofanet ist praktisch jeder WLan-Router hotspottauglich, es muss keine Software aufgespielt werden. Sind alle Hürden genommen, folgt ein Ausflug in das deutsche Regulierungswesen: Jeder gewerbliche Hotspot muss bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Auch darauf weisen nicht alle Anbieter hin. Das Risiko trägt der Betreiber: Die Agentur droht mit Bußgeldern von bis zu 10.000 Euro. Dafür hilft sie am Telefon auch beim Ausfüllen des achtseitigen Formulars.

FTD

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