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Image-Pflege von Google: Herr Singhal und die Zukunft des Suchmonsters

Amit Singhal ist der Kopf hinter der Google-Suche. Wer sich mit ihm unterhält, lernt einen der wichtigsten Online-Entwickler kennen, erfährt einiges über die Pläne des Internetriesen - und hört viele Allgemeinplätze, warum Datenschutz natürlich ganz furchtbar wichtig ist.

Von Gerd Blank

Die Welt ist eine Google und ohne Google läuft nichts mehr. Könnte man jedenfalls meinen, wenn man den Worten von Amit Singhal lauscht. Singhal ist Google Fellow. Davon gibt es weltweit nur vier Personen. Fellow, die auf technischer Ebene die höchstmögliche Karrierestufe bei Google, wird man, wenn man etwas Wichtiges für das Unternehmen geleistet hat. Und Singhal hat wohl das Wichtigste getan: Er hat die Suche bei Google maßgeblich mit- und weiterentwickelt. Er ist der eigentliche Vater vom sagenumwobenen Google-Algorithmus.

"Sprache ist keine Mathematik", sagte Singhal in einem Gespräch mit stern.de. Dennoch versucht der Google-Algorithums genau das: Sprache berechenbar machen. Es ist die Formel, die Sprache erkennt, Inhalte berechnet und suchbar, nein besser, findbar macht. Und es ist die Formel, die das Web beherrscht. Man muss ihn einfach gern haben, den Wissenschaftler aus Indien, der schon seit über 20 Jahren an der Suche im Allgemeinen und seit zehn Jahren an der Google-Suche im Speziellen arbeitet. Ein höflicher und fröhlicher Mann. "Ich bin ein glücklicher Mensch", sagte Singhal mit einem Strahlen. "Ich liebe meinen Beruf. Wer kann das nach so langer Zeit von sich sagen?".

Suchen, ohne zu suchen

Singhal arbeitet an Lösungen, die das Suchen noch weiter vereinfachen sollen. Nutzer sollen in der Zukunft gar nicht mehr suchen müssen, sondern die passenden Ergebnisse sollen jederzeit abrufbar sein. Als Beispiel nennt der Wissenschaftler seinen Terminplan. Sein Handy weiß, wann er sich verabredet hat und wann sein Flugzeug geht. Es weiß auch, dass er seinem Sohn einen Fußball kaufen soll. Die ideale Suchmaschine würde zwischen den Terminen zeigen, wo in der Nähe seines aktuellen Standortes ein Sportgeschäft ist. Noch ist das Zukunftsmusik, aber in Teilen kann aktuelle Technik bereits viele Daten bündeln. "Die Suche, wie wir sie heute kennen, ist allerdings noch sehr primitiv."

Längst reicht es nicht mehr, Webseiten zu finden. Inzwischen muss eine Suchmaschine natürlich auch Bilder und Videos aufspüren, und das im Bruchteil von Sekunden. Singhal und sein Team wollen die Bildersuche noch weiter verbessern. Bisher findet man lediglich Aufnahmen, die korrekt benannt wurden oder die bestimmte Dateiauszeichnungen haben. Künftig soll die Suchmaschine auch Oberflächen, Farben und andere Bestandteile des Motivs - und möglicherweise Gesichter erkennen. Google ist bewusst, dass gerade Bilder eine sehr kritische Angelegenheit sind. So bekommt der Suchmaschinenbetreiber vor allem in Deutschland heftigen Gegenwind für seinen Dienst Google Street View. Während es in den USA unkritisch ist, Fotos von Straßen, Gebäuden und Menschen mit einem Kartendienst zu verbinden, ruft dieser Service hierzulande Datenschützer und Politiker auf den Plan.

Moderne Technik zum Wohle aller

"Jede technische Entwicklung kann auch für böse Dinge genutzt werden", versucht Singhal zu beschwichtigen. "Dank Buchdruck konnte man die Bibel veröffentlichen, aber auch Hetzschriften und niederträchtige Inhalte. In den richtigen Händen kann moderne Technologie aber zum Wohl aller eingesetzt werden. Wir haben unseren Nutzern, beispielsweise mit Google Dashboard, Werkzeuge gegeben, mit denen sie ihre Privatsphäre unter Kontrolle haben."

Das Hauptaugenmerk von Singhal gilt aber nicht dem Datenschutz, sondern der Sprache. "Wir möchten, dass die Menschen sich verstehen können." Mit Google Translate hat die Suchmaschine bereits seit Jahren einen Übersetzungservice integriert. Texte können in unzählige Sprachen übersetzt werden, auch in Kunstsprachen wie Klingonisch (Science-Fiction-Fans kennen Klingonen aus dem "Star Trek"-Universum). Doch künftig will Google auch gesprochene Sprache übersetzen, "damit die Welt näher zusammenrücken kann. Technik sorgt dann für mehr Menschlichkeit."

Um diese optimistische Weltsicht zu demonstrieren, zückt der Google-Fellow sein (Android-)Smartphone und zeigt die Anwendung eines Übersetzungdienstes. "Where can I find a Bier and a Sausage?" spricht Singhal in das Gerät. Google Translate erkennt, dass die Frage in englischer Sprache gestellt wurde. Nachdem man Deutsch als Zielsprache ausgewählt hat, erscheint im Display "Wo finde ich ein Bier und ein Würstchen?" Nach einem weiteren Knopfdruck ertönt eine Frauenstimme, die genau diese Frage auf deutsch noch einmal aufsagt. Von der Ursprungsfrage bis zur gesprochenen Übersetzung dauerte es etwa zehn Sekunden. "Wir können mit dieser Verzögerung nicht zufrieden sein, wir müssen schneller werden."

Bandbreite ist ein Problem

Die Google-Server wären bereits in der Lage, eine Übersetzung in Echtzeit zu ermöglichen. Doch die langsamen Internetverbindungen kosten Zeit. Die Infrastruktur sei noch nicht in der Lage, die gewaltigen Datenmengen so schnell zu übertragen, dass keine Pause entsteht. "Aber in wenigen Jahren könnte es soweit sein", sagte Singhal mit einem breiten Grinsen. Vielleicht lächelt er, weil Google in den USA gerade Hochgeschwindigkeitsnetze testet und finanziell unterstützt.

Wer die Google-Seite aufruft, könnte denken, dass das Finden von Inhalten ein einfaches Geschäft ist. Schließlich gibt es nur einen Suchschlitz, das Ergebnis erscheint in sekundenschnelle. Doch das gilt nur für Inhalte, die bereits einige Zeit im Netz verfügbar sind, also Texte, Bilder und Videos, bei denen Google genug Zeit hatte, diese zu indizieren. Problematisch wird es bei einer Echtzeitsuche. "Das bereitet uns riesige Kopfschmerzen und ist eine der größten Herausforderungen, vor denen wir stehen", sagte Singhal. "Aber auch das werden wir lösen und dafür sorgen, dass die Welt ein besserer Platz wird." Kleiner macht es der freundliche Herr Singhal nicht.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Alles News und Hintergründe zu Google - im Dossier"

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.