HOME

Mahnungs-Wahnsinn: Inkasso wegen eines Cents: Die irre Odyssee einer Tchibo-Kundin

Eigentlich wollte unsere Leserin nur einen neuen Handy-Vertrag bei Tchibo buchen - am Ende kamen die Inkasso-Briefe. Und alles wegen eines einzigen Cents.

Tchibo Rechnung Inkasso Ärger

Falsche Rechnungen sind ärgerlich (Symbolbild)

Dass es bei der Kündigung von Mobilfunk-Verträgen öfter Ärger gibt, hat man schon mal gehört - oder gar selbst erleben müssen. Dazu gehören leider auch immer wieder unberechtigte Forderungen, die dann von Inkasso-Unternehmen eingetrieben werden. Was unserer Leserin Heike Krämer* mit der Mobilfunksparte von Tchibo passierte, dürfte aber die Erfahrungen der meisten Kunden weit übertreffen. 

Eigentlich wollte die 77-Jährige Berlinerin nur einen günstigen Prepaid-Tarif bei dem Kafferöster buchen - und stieß damit eine Kettenreaktion an, die mit einer Inkasso-Forderung über 70 Euro enden sollte.

+++ Wie Sie den besten Handy-Tarif für sich finden, erfahren Sie in diesem Artikel +++

Vertrag nie benutzt - und trotzdem Ärger

Dabei fing alles ganz harmlos an. Ende September schloss sie einen Prepaid-Vertrag mit Tchibo Mobil ab. Der sollte im Monat 9,99 Euro kosten, dafür gibt es bei Tchibo 300 Freiminuten und 1,3 Gigabyte schnelles LTE-Datenvolumen im O2-Netz. Eigentlich ein durchaus attraktives Angebot. Nach ein paar Tagen überlegte Frau Krämer es sich trotzdem anders. Per Mail machte sie von ihrem 14-tägigen Widerrufsrecht Gebrauch, ohne die SIM-Karte jemals in ihr Handy eingelegt zu haben. Und dann ging das Chaos los.

Statt einer Rücktrittsbestätigung kam zunächst nur eine automatische Antwort, es käme wegen der vielen Anfragen zu Verzögerungen. Dann hörte Frau Krämer erstmal nicht mehr - bis sie sich drei Wochen später ihre Konto-Auszüge ansah. Tchibo hatte ihr einen einzigen Cent vom Konto abgezogen. Erneut fragte sie per Mail nach, forderte eine Erklärung für die Abbuchung und eine Bestätigung für die Kündigung. Erneut kam nur eine automatische Antwort.

Kommunikation aus der Hölle

Zwei Stunden später dann die erste richtige Antwort. In der langen Mail entschuldigt sich Tchibo für die Verzögerungen, weist auf die Webseite und die Hotline hin. Irgendwo in der Mitte ist ein einziger Satz, den man leicht übersehen kann: "Wir konnten Sie nicht ausreichend legitimieren, so dass wir Ihnen in der gewünschten Angelegenheit aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft erteilen dürfen." Was das bedeutet, sollte sie erst Monate später erfahren.

Da Tchibo nicht auf den Cent-Betrag einging, entschied sich Krämer, den Cent einfach durch ihre Bank zurückbuchen zu lassen. Erst Ende November hörte sie wieder von dem Unternehmen - als eine "Zweite Mahnung" in ihrem Briefkasten landete. Eine erste war nie angekommen. Tchibo forderte tatsächlich den Cent zurück - und hatte Mahngebühren von 5 Euro hinzugefügt. Ein Aufschlag von satten 50.000 Prozent.

Der Betrag wächst

Mitte Dezember dann die nächste Mahnung: Plötzlich wollte Tchibo auch noch eine Grundgebühr für den widerrufenen Vertrag, inklusive einer weiteren Mahngebühr. Die Summe war mittlerweile auf 17,50 angewachsen. Frau Krämer entschied, nicht zahlen zu wollen. "Das ist ein Geschäftsgebahren, da fällt mir nichts zu ein. Ich habe nicht vor, zu zahlen, von mir aus bis zum Gerichtsentscheid", erklärte sie in ihrer ersten Mail an uns. 

Zu Neujahr gab es dann den nächsten Schreck: Ein Inkasso-Büro will die Forderung eintreiben, mittlerweile ist der Betrag auf 59,88 Euro angestiegen. Nur zehn Tage später meldet es sich erneut, fordert nun 70,70 Euro. Nachdem Frau Krämer dem stern die Unterlagen übergeben hat, wenden wir uns an Tchibo - und erhalten verblüffende Antworten.

Tchibo gibt sich reumütig

Bei dem abgebuchten Cent handle es sich um eine Standard-Überweisung, um das Konto des Kunden zu verifizieren, erklärte uns ein Pressesprecher. Die Kunden werden darüber sogar per SMS informiert. Doch die geht leider an die Nummer der gebuchten SIM-Karte - und die hatte Frau Krämer ja nie eingelegt. Eine Variante, die Tchibo schlicht nicht bedacht zu haben scheint.

Die meisten der skurrilen Vorkommnisse lassen sich ähnlich leicht erklären - solange man in der Logik des Unternehmens denkt. Wäre der Widerruf angenommen worden, wäre es ja nie zu der Buchung gekommen. Der Grund dafür war schlicht, dass Frau Krämer für den Widerruf eine andere E-Mail-Adresse genutzt hatte, so Tchibo. Die Adresse war ihr im System aber nicht zugeordnet, was in der Antwort dann nur "fehlende Legitimierung" genannt wurde. Da wäre wohl kein normaler Verbraucher von selbst drauf gekommen.

"Ganz klar Fehler gemacht"

Bei den Mahngebühren handle es sich um Standardwerte, erklärte uns Tchibo. "Die Höhe der Rücklastschrift- und Mahngebühren sind mit 2,50 EUR je Transaktion festgesetzt und richten sich nicht nach der Höhe der Forderung." Dass überhaupt gemahnt wurde, sei ein automatischer Prozess. "Bei der von Frau Krämer vorgenommenen Rücklastschrift wurde nicht direkt nachgefasst - hier haben wir ganz klar Fehler gemacht", gibt sich das Unternehmen reumütig.

Inzwischen ist Tchibo Frau Krämer weit entgegengekommen. Sämtliche Forderungen sind vom Tisch, der Vertrag ist storniert. Auch das Inkasso-Unternehmen hat sich mit dieser Information bei ihr gemeldet. Und ist dann wohl etwas über das Ziel hinausgeschossen: Statt Geld zu fordern, hat es der ehemaligen Schuldnerin plötzlich Geld überwiesen - exakt einen Cent. Was das bedeuten soll, fragte sie dann lieber doch nicht nach.

*Name von der Redaktion geändert

Themen in diesem Artikel
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.