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Internet-Kriminalität: Von Dialern, Porno, Betrug - und Dänen

Vor einem Hamburger Gericht haben zwei Dänen gestanden, in großem Stil mithilfe von Porno-Dialern mehr als 40.000 Menschen betrogen zu haben. Die Masche habe funktioniert, weil viele Männer keinen Ärger mit ihren Frauen riskieren wollten.

Im Prozess um einen Internet-Pornocoup mit einer Beute von rund 3,2 Millionen Euro haben zwei Männer aus Dänemark die Tat zugegeben. Die beiden Angeklagten hätten vor Verhandlungsbeginn ein schriftliches Geständnis abgelegt, sagte der Staatsanwalt vor dem Amtsgericht Hamburg-St. Georg am Freitag.

Er habe seine Geschäftspraxis zunächst als Ausnutzung einer Gesetzeslücke verstanden, sagte der 38-jährige Angeklagte, der zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Zahlung von zwei Millionen Euro verurteilt worden ist. Der Däne, der in Spanien lebt, will die Summe innerhalb der nächsten zwei Wochen überweisen. Sein 64-jähriger Partner wurde zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung sowie zu einer Geldstrafe von 100.000 Euro verurteilt. Die beiden Dänen hatten sich mit ihrer Geschäftspraxis laut Staatsanwaltschaft zunächst tatsächlich in einer "rechtlichen Grauzone" bewegt. Durch eine Behördenentscheidung im Februar 2004 seien die Handlungen dann aber eindeutig unrechtmäßig geworden. Bis Juni hätten die Männer ihre Geschäftspraxis aber dennoch weitergeführt.

Dialer-Betrug über mehrere Firmen

Die Angeklagten sollen von November 2003 bis Juni 2004 mit Hilfe automatischer Einwahl-Programme, so genannter Dialer, unbemerkt Daten von Internet-Nutzern ausgespäht und ihnen dann unrechtmäßig Rechnungen für angebliche Abonnements von Erotik-Seiten zugestellt haben. "Es ging darum, möglichst viele Telefonnummern mit dem Datensatz einer Person zu bekommen, an die man dann die Rechnung schicken kann", sagte der Staatsanwalt. Die Männer hätten über mehrere Firmen agiert, unter anderem mit Sitz in Hamburg.

Rechnungen gingen auch Geistliche

Insgesamt seien rund 358.000 Rechnungen und Mahnschreiben verschickt worden. Rund 45.000 Empfänger hätten bezahlt. "Wenn man als Mann so eine Rechnung bekommt, ist man pikiert, will das seiner Frau nicht zeigen und keinen Ärger riskieren. Und dann haben viele das Geld überwiesen, um ihre Ruhe zu haben", sagte der Staatsanwalt. Einige Rechnungs-Empfänger meldeten sich allerdings auch bei der Polizei. "Es waren Priester, Nonnen und auch viele Frauen dabei, die angeblich diese Erotik-Abonnements hatten, und da fragt man sich, lügen die alle", sagte der Staatsanwalt. So sei die Polizei auf den Betrug aufmerksam geworden.

Die Ermittlungen und eine Hausdurchsuchung in den Firmenräumen der beiden Angeklagten deckten den Angaben zufolge schließlich ein ausgeklügeltes System für erwerbsmäßigen Betrug auf: Die beiden Männer hätten präparierte Werbebanner im Internet geschaltet. Wer darauf geclickt habe, sei automatisch auf eine ebenfalls präparierte Erotik- oder auch Lifestyle-Seite weitergeleitet worden. Dadurch habe sich ein versteckt installiertes Einwahl-Programm automatisch gestartet, mit dem der Nutzer von ihm selbst unbemerkt bei der Festnetznummer einer Firma angerufen habe. Der Anruf sei dort gespeichert worden und Grundlage für die komplette Datenermittlung des Internet-Nutzers gewesen.

"Das Unternehmen war verlustreich", sagte die Verteidigerin des 64-jährigen Angeklagten. Die beiden Männer hätten vorab viel Geld investieren müssen. Das Geschäft habe erst im Laufe der Jahre Gewinn abwerfen sollen.

DPA / DPA