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Konflikt um Blockade Killnet: Putins Hacker legen nach Sanktions-Streit Litauen lahm

Russlands Präsident Wladimir Putin
Killnet steht fest an der Seite des russischen Präsidenten Wladimir Putin
© Mikhail Klimentyev / Sputnik / AFP
Im Streit um Transporte nach Kaliningrad haben russische Hacker nun den ersten großen Schlag gegen Litauen gewagt: Eine gigantische Cyberattacke legte Behörden und Firmen lahm.

Der Streit zwischen Russland und Litauen spitzt sich weiter zu. Nachdem der baltische Staat begonnen hat, EU-Sanktionen umzusetzen und den Transport von Waren wie Stahl in die russische Enklave Kaliningrad blockierte, drohte Russland mit Konsequenzen - auch militärischen. Die erste Stufe wurde nun wohl erreicht: Litauen wurde von einer großangelegten Cyber-Attacke getroffen.

Das bestätigte die für solche Angriffe zuständige Behörde, das National Cyber Security Center (NKSC) in einem Statement. Der zum Verteidigungsministerium gehörigen Behörde zur Folge waren unter anderem das staatliche Netzwerk zur sicheren Datenübertragung, andere staatliche Stellen, aber auch private Firmen von einer DDoS-Attacke getroffen worden. Diese sorgte dafür, dass sich zahlreiche Nutzer der staatlichen Datenübertragungs-Dienste nicht einloggen konnten. Der Dienst ist dazu gedacht, im Krisen- oder Kriegsfall die kritischen Institutionen weiter betreiben zu können.

Die Täter sind alte Bekannte

Zum Angriff bekannte sich eine Hacker-Gruppe, die alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist: Killnet hat seit dem Angriff auf die Ukraine im Februar klar Stellung bezogen und nimmt seit dem immer wieder Ziele ins Visier, die als Feinde Russlands wahrgenommen werden. Auch als Mitglieder der Gruppe sich bei Telegram mit dem Angriff auf Litauen zu brüsten begannen, nannten sie explizit die Transportsperren nach Kaliningrad als Hintergrund für die Attacke.

Sicherheits-Forscher bestätigen, dass die Gruppe sich seit Samstag auf eine große Attacke am Montag vorzubereiten begann. Die Aktion wurde demnach intern als "Judgement Day" (Tag der Abrechnung) bezeichnet. Analysten des Unternehmens Flashpoint sind sich entsprechend sicher, dass die Gruppe tatsächlich hinter dem Angriff steht.

Warten auf den großen Schlag

Sie bewerten den Angriff auch aus einer zweiten Sichtweise als hochproblematisch: Killnet sieht es vor allem als Probelauf. Die Attacke sei "ein Testszenario, um neue Fähigkeiten auszutesten", hieß es demnach in den internen Gruppenchats. Auch die verbündete Gruppe Conti sei "heiss drauf, zu kämpfen".

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Die litauische Seite erwartet ohnehin, dass es noch nicht vorbei ist. Zwar sei man auf dem Weg, die Probleme zu beheben, es sei aber "hochwahrscheinlich, dass in den nächsten Tagen ähnliche oder noch stärkere Angriffe folgen werden", zitiert das Statement den Cybersicherheitschef Jonas Skardninskas. Als besonders gefährdet werden Kommunikations-, Energie- und Finanzsektor bewertet.

Quellen:NKSC, Flashpoint

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mma

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