HOME

Mail-Missgeschicke: Wenn die E-Mail fremdgeht

Kommunikation per Mail ist kinderleicht. Ebenso einfach ist es aber auch, mit einem unachtsamen Mausklick Post an falsche Empfänger zu schicken. stern.de sammelt lustige, aber auch peinliche Fälle.

Von Ralf Sander

Danke. Mehr wollte ich eigentlich nicht sagen. Zum Glück. Liebesschwüre, Wutausbrüche oder Lästereien über Bekannte - hätte so etwas in dieser einen Mail gestanden, 30.000 Personen hätten einen Text in die Hände bekommen können, der gegen mich zu verwenden gewesen wäre.

Das kam so: Mein langjähriger freier Mitarbeiter Carsten Scheibe hatte sich im Vorwort eines von ihm herausgegebenen Buches bei mir für die gute Zusammenarbeit bedankt. Ich fand das nett, schrieb schnell ein paar Zeilen des Inhalts "Vielen Dank für die lieben Worte. Ich habe mich sehr gefreut." und wählte aus dem Outlook-Adressbuch seinen Namen aus.

Fast.

Der Eintrag unter "Carsten Scheibe" lautete "computer-newsletter stern.de".

Einen verrutschten Mausklick später machte sich mein Zweizeiler auf den Weg zu rund 30.000 Abonnenten des stern.de-Computer-Newsletters.

Nach fünf Minuten die ersten Antworten

Knapp fünf Minuten später bemerkte ich den Irrtum. Mails von mir unbekannten Personen trudelten ein. Sie schrieben Dinge wie "Ich bin nicht Carsten" oder "Da ist wohl was schief gelaufen" und ganz selten "Belästigen Sie mich nicht mit ihrem Scheiß". Ein Blick in die "Gesendeten Objekte" ließ mir zuerst den Schweiß ausbrechen und mich dann hektisch mit der Technik telefonieren, um den Versand zu stoppen, was zum Glück gelang. "Nur" 5.000 Abonnenten wurden von meiner Dankes-Spam erwischt. Mir blieben rund 200 Mails, die - zum Großteil sehr freundlich und auch neugierig - auf das Malheur hinwiesen, eine liebevoll-spöttische Kurzmeldung in der "Internet World" ("Post vom stern") und die Erkenntnis, dass die moderne Kommunikation neben allen Vorteilen auch Fallstricke bietet, die der guten alten Schneckenpost weit gehend fremd sind.

Stoff für Komödien

Natürlich: Für Briefe, die nicht hätten abgeschickt werden sollen, gibt es in Literatur und Film jede Menge Beispiele, und jeder amüsiert sich königlich, wenn ein fiktiver Charakter in Briefkästen angelt, dem Postboten auflauert oder andere groteske Aktionen startet, um an den brisanten Umschlag zu gelangen, bevor er den Empfänger erreicht. Der arme Tor! Das wäre mir nie passiert!

Nun, vielleicht nicht mit einer handschriftlich sorgfältig aufgemalten Adresse, für die man auch noch die korrekte Postleitzahl nachschlagen muss. Das sind Hürden, die Sicherheit bringen. Doch eine voreilig verschickte Mail, das kann jedem passieren. Schneller, als man denkt.

Tückische Adressbücher

Praktisch, aber nicht ungefährlich - wie mein Newsletter-Beispiel gezeigt hat: Adressbücher und Mail-Programme, die angefangene Namen automatisch vervollständigen. Wer keinen allzu exotischen Nachnamen hat und in einem großen Unternehmen arbeitet, wird unter Garantie irgendwann Mails erhalten, die eigentlich für den gleichnamigen Kollegen aus der anderen Abteilung bestimmt sind. In diesem Fall empfiehlt sich: Den Absender auf den Fehler hinweisen, die fragliche Mail löschen und schnell den Mantel des Vergessens darüber ausbreiten. Wer solche Irrläufer gegen andere verwenden will, sollte sich zumindest darüber im Klaren sein, dass die Gegner mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls über solche Munition verfügen.

Gefährliche Funktionen

Ebenfalls so tückisch wie nützlich: die Antwort- und Weiterleiten-Funktionen. Ich stürzte einmal Kopf über ins Fettnäpfchen, als ich die Mail eines eher untalentierten Science-Fiction-Autoren erhielt, der mich mit einer Leseprobe von seiner Kunst überzeugen wollte. Überzeugender erschien mir hingegen das Spott-Potenzial dieses Werks, so dass ich es gleich an einen Kollegen weiterleitete - mit dem Einleitungssatz: "Lies mal, der Typ kann es gar nicht". Das wäre schon nicht nett gewesen, wenn es nur den avisierten Empfänger erreicht hätte. Leider hatte ich "Weiterleiten" mit "Antworten" verwechselt, und vor lauter boshaftem Händereiben fiel mir nicht auf, dass ich gar keine Empfängeradresse eingetragen hatte. Das Mail-Programm brauchte auch keine - denn ich schickte die Mail direkt an den glücklosen Autor. Ich habe nie wieder etwas von ihm gehört.

Mir blieb nach diesem Fehltritt Schlimmeres als ein schlechtes Gewissen erspart - ganz im Gegensatz zu einer jungen Engländerin, deren Verwechselung von "Antworten" und "Allen antworten" im März dieses Jahres vergnügt von der britischen Boulevardpresse in die Welt posaunt wurde: Die 25-jährige Londonerin auf Geschäftsreise wollte sich bei ihrem Freund per Mail erkundigen, ob ihm der gemeinsame Telefonsex auch so gut gefallen habe wie ihr. Dabei gingen zwei Dinge schief: Erstens übersah sie, dass ihr Freund die Mail, auf die sie antwortete, an eine Gruppe von 30 Personen geschickt hatte. Und zweitens klickte sie aus Versehen auf "Allen antworten". Den Unterhaltungswert dieser intimen Geständnisse bewerteten einige der "Freunde" als so hoch, dass die Mail schnell die Runde machte und nicht nur in der Firma der jungen Managerin landete, sondern auch bei der Presse. Während die Medien für ein Maximum an Peinlichkeit sorgten, bekam die Engländerin auch noch beruflich Ärger: Ihr Arbeitgeber, eine Berufsberatungsfirma, ließ mitteilen, "es ist gegen die Richtlinien, obszöne E-Mails zu versenden". Doch vermutlich waren die Intimitäten eigentlich das kleinere Problem für ihre Vorgesetzten. Schließlich hatte die kühne Britin ihre Elektropost beendet mit dem Satz: "Und nun muss ich noch ein paar schleimerische Dankes-Mails an ein paar Kunden schreiben."

Wenn der Fehlerteufel auf Reisen geht

Meistens harmlos, aber besonders im geschäftlichen Mail-Verkehr doch peinlich, sind unfertige oder fehlerhafte Mails. Besonders wild tippende Keyboardakrobaten sind ständig gefährdet, der Tastenkombination "Strg" + Enter zum Opfer zu fallen, die bei den meisten Mail-Programmen ein sofortiges Verschicken auslöst.

Ich erhielt vor kurzem eine Pressemitteilung, die offensichtlich direkt aus Word in den Mailtext hineinkopiert worden war - ohne vorher die Funktion abgeschaltet zu haben, die Korrekturen sichtbar macht. Was ich zu lesen bekam, war bunt: Mit mehreren leuchtend roten durchgestrichenen und eingefügten Worten pro Satz erinnerte der Pressetext an das erste Diktat eines Grundschülers. Die PR-Agentur entschuldigte sich kurz darauf mit einer weiteren Mail.

Sich zu entschuldigen, zu versuchen, den Schaden zu begrenzen - darum wird man nicht herumkommen, wenn die E-Mail erst einmal auf dem Weg ist. Methoden der Empfangsverhütung sind rar. Zwar bieten einige E-Mail-Lösungen, zum Beispiel der Microsoft Exchange Server, das Feature, Mails zurückzurufen. Das funktioniert aber nur, wenn alle Beteiligten das gleiche System benutzen - wenn überhaupt. Ich habe noch nie erlebt, dass eine Rückrufaktion den gewünschten Effekt erzielt hat. Denn das Rückholen einer Mail wird dem Empfänger groß angekündigt: "XY versucht, eine Mail zurückzurufen", brüllt es aus der Betreffzeile einer automatisch verschickten Infomail. Nun wird sich das Gegenüber erst recht voller Aufmerksamkeit dem Brief widmen, den man gerne verschwinden ließe.

Nette Ausnahmen

Verirrte Mails sind meistens peinlich, gelegentlich lustig, durchaus auch unangenehm - und manchmal sehr nett. Ein Kollege erhielt nach einem absolvierten Pressetermin eine Mail der Öffentlichkeitsarbeiterin, die bei dem Treffen dabei gewesen war. Sie wollte an ihre Kollegin schreiben, hatte sich aber offensichtlich beim Adressieren vertan. In der Mail stand: "Der Typ vom stern war echt süß". Dumm gelaufen.

Obwohl...

Vielleicht war der Ausrutscher mit dem Mauszeiger gar kein Zufall?

Themen in diesem Artikel
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.