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NEULICH IM NETZ: Monopoly für Technologie: eine Sperrmüll-Liste

Neue Jahre sind schlecht für alte Zöpfe. Hier kommen, verehrte IT- und Online-Manager, ausgesprochen ernst gemeinte Vorschläge, was so alles auf den Sperrmüll der Technologiegeschichte kann.

Neue Jahre sind schlecht für alte Zöpfe. Hier kommen, verehrte IT- und Online-Manager, ausgesprochen ernst gemeinte Vorschläge, was so alles auf den Sperrmüll der Technologiegeschichte kann.

Wer noch das gute alte Monopoly kennt, weiß zweierlei: Nur die Steuergesetzgebung wurde konsequenter verbogen als die Original-Spielregeln. Und sobald ein angeschlagener Magnat Häuser oder Hotels zurückgeben muss, ist es aus mit ihm.

Verlorene Spiele muss man aufgeben

Also, liebe Firma Apple, lass es. Die Sache ist entschieden. Vielleicht habt Ihr ja wirklich die bessere Software, aber wer will das wissen? Mein Vorschlag: Verkloppt eure Lizenzen an Bill Gates, feiert mit euren Grafiker-Freunden aus aller Welt ein rauschendes Fest und macht euch dann endlich an die Neuauflage des wunderbarsten aller Handhelds, des Apple Newton.

Psion hat es euch schließlich vorgemacht. Nicht den besseren Handheld, um Gottes Willen. Aber den Mut, ein verlorenes Spiel aufzugeben. Zu dem Thema Spiel hätten sicher auch Sega und Nintendo etwas beizutragen.

Netscape ist nicht heilig

Der nächste Streichkandidat wäre der Netscape-Browser. Hier trifft es wieder einen Arrivierten, einen Pionier. Aber mal ehrlich: Wer schlägt noch faustgroße Steine über ein wenig Holzspäne zusammen, um nicht frieren zu müssen? Wozu also Nostalgie? Immerhin hat es Netscape mittlerweile zum Bic-Feuerzeug der Browser gebracht, aber jetzt ist der Tank leer, also weg damit. Das rettet zwar niemanden vor der Willkür, mit der Microsoft als Übermacht auch hier Standards ignoriert, aber von Netscape ist auch keine Rettung mehr zu erwarten. Und jetzt bitte keine Moralin-Duschen, als wäre Netscape eine Kreuzung aus Martin Luther King und Harry Potter. Netscape gehört AOL TimeWarner. Die machen Bugs Bunny-Filme, CNN und Online-Geschäfte. Keine besseren Welten.

Und dann, ihr Zugangs-Provider dieser Republik, schickt uns keine Rechnung mehr. Nicht weil wir es leid wären, dafür zu bezahlen, dass wir an der größten Demokratie-Maschine der Weltgeschichte mitschrauben dürfen (träum ruhig weiter). Nein, ihr sollt nur nachrechnen. Dabei werdet ihr feststellen, dass der ganze Aufwand mit der Rechnungsstellung sich gar nicht mehr lohnt. Die paar Online-Cents stehen längst in keinem Verhältnis mehr zu den Verwaltungskosten. Ihr werdet merken, dass eine grenzenlos ins Web gelassene Horde dort viel entspannter Geld ausgibt. Und ihr alle wollt doch nur unser Bestes.

Die Schlossallee beziehen andere

Wo wir gerade beim Bezahlen sind. Noch immer hat sich keine Online-Währung durchgesetzt. Hier könnte ein Exkurs ansetzen, warum anderswo mehr mit Kreditkarte bezahlt wird als hier zu Lande und warum »Einzugsermächtigung« unübersetzbar ist. Aber wir wollten ja aufräumen: Also tschüs, Paybox. Die Idee, mit dem Handy zu zahlen, ist ja prima. Aber die Schlossallee werden andere beziehen.

Macht die Taschen leer für Neues

Und Wap. Und Bluetooth. Im Doppelpack. Und zwar schnell, bevor Bluetooth bei der Cebit zum x-ten Mal als revolutionäre Neuerung herhalten muss und die Sakkotaschen labertütiger Produktmanager ausbeult. Dann passen da wieder größere Handys rein, mit Tasten, die auch Menschen älter als zehn Jahre bedienen können. Und der wunderbare Apple Newton II. Ich freu mich.

Guido Augustin

H&A medien