Multimedia Spürhund-Rennen

Mit neuen Methoden wollen alternative Suchmaschinen das Finden von Informationen im Internet leichter machen als bei Google.
Von Dirk Liedtke

Es soll Menschen geben, die glauben, das Internet und Google seien so ziemlich das Gleiche. Kein Wunder: Selten nur erwischt man ein Stichwort, für das die Suchmaschine keine Fundstelle im weltweiten Netz auflistet. Selbst der Duden hat in seiner aktuellen Ausgabe das Wort "googeln" als gleichbedeutend mit der Suche im Internet aufgenommen.

Doch der Eindruck der totalen Katalogisierung täuscht gewaltig: Von mehr als zehn Milliarden Internetseiten kennt Google lediglich vier Milliarden. Der Rest hat nur geringe Chancen, von der Masse der Online-Surfer je besucht zu werden - weil diese nur über Suchmaschinen ins Netz einsteigen.

Für solche Netzdienste

praktisch unauffindbar sind Seiten, die sich ständig verändern: Regelmäßig aktualisierte Nachrichtenüberblicke sind ein Beispiel, Suchergebnisse aus Datenbanken ein anderes. So werden etwa die Angebote einer Reise-Website auf Anfrage des Kunden zusammengestellt und angezeigt - und gleich danach verschwindet die Seite mit den Last-Minute-Trips nach Tunesien wieder, ohne je von einer Suchmaschine katalogisiert worden zu sein.

Die Wissenslücken der Suchmaschinen sind allerdings nicht das einzige Problem: Bei vielen Google-Nutzern wächst offenbar der Frust. Das zeigt eine Umfrage, die das Institut für Entscheidungstheorie und Unternehmensforschung der Uni Karlsruhe durchführt. Bislang haben mehr als 5400 Internetnutzer den Online-Fragebogen ausge-füllt (www.neteval.de/suche). Erste Ergebnisse liegen dem stern exklusiv vor: Fast zwei Drittel der Befragten erhalten häufig viele "irrelevante Links". Mehr als jeder Zweite klagt über "Spamseiten", die sich unter erwünschte Suchergebnisse mischen. Diese Seiten werden gezielt von findigen Verkäufern hergestellt, die dort auf ihre Angebote bei Ebay oder Amazon verweisen.

Gute Treffer

werden so zur Glückssache. Allerdings sind daran oft auch die Suchenden selbst schuld. Wer macht sich schon die Mühe, Suchbegriffe optimal zu kombinieren und unerwünschte Treffer - etwa aus der Sexecke - durch entsprechende Einschränkungen der Suche auszuschließen?

Die Anbieter von Suchmaschinen versuchen derweil, die jeweils aufgespürten Sites besser zu präsentieren. Einfach nur aufzulisten gilt als überholt: Die sinnvolle Gruppierung der Treffer schafft einen besseren Überblick.

Das aber ist nur ein kleiner Schritt in die Zukunft der Internetsuche. So wollen Anbieter wie Amazon und Google neue Inhalte erschließen: Den Text von mehr als 100.000 Büchern kann man auf der US-Website von Amazon durchsuchen. Google testet einen ähnlichen Dienst.

Einen Ausblick gewähren auch die Pläne von Microsoft. Der Software-Gigant möchte Google die Vorrangstellung streitig machen. So wird im Labor eine Technik erprobt, bei der Suchabfragen beantwortet werden, die ganz normal in Umgangssprache gestellt werden. Statt der Stichworte "Wetter Rimini Vorhersage" genügt dann die Eingabe "Wie wird das Wetter am Wochenende in Rimini?". Zurzeit soll die Erkennungsquote bei 40 Prozent liegen. Bei einem anderen Projekt erinnert sich das System an Websites, die der Nutzer in der Vergangenheit besucht hat. Diese Vorlieben fließen dann in die Auswahl der Suchergebnisse ein. Bereits bekannt ist, dass in der nächsten Windows-Version, aber auch bei zukünftigen Google-Varianten, nicht nur das Internet durchsucht wird, sondern zugleich alles, was sich auf der eigenen Festplatte oder etwa in einem Firmennetzwerk findet - der Übergang zwischen den Datenwelten soll nahtlos werden.

Leute, die schon ihr Büro nicht aufräumen, können dann auch ihre Festplatte zumüllen - es findet sich ja alles mit ein paar Mausklicks wieder.

Mitarbeit: Mascha Jacoby print

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