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Musikportal "Simfy": Hört, hört, liebe Freunde!

Über das Internet mit anderen Musik zu tauschen, hat den Ruch des Illegalen - meistens zu Recht. Zwei Studenten wollen das Teilen von Musik auf legale Weise ermöglichen. Auf ihrem Webportal "Simfy" kann jeder Musik speichern und Freunden zur Verfügung stellen - aber nur zum Hören.

Von Matthias Lauerer

Seit Jahren plagt sich die Musikindustrie mit illegalen Musik-Tauschbörsen. Viele dieser Angebote haben die Plattenfirmen inzwischen schließen lassen, Tausende Nutzer fanden sich vor Gericht wieder. Und die legalen, gebührenpflichtigen Downloadangebote für Musik befinden sich zwar im Aufwind, doch die verschiedenen Copyright-Schutzmaßnahmen und Nutzungseinschränkungen werden von vielen Musikfreunden als Gängelei empfunden.

Warum also nicht etwas Neues erfinden, um Musik kostenlos und legal bereitzustellen? Das dachten sich auch Christoph Lange, 23, und Steffen Wicker, 25, und entwickelten "Simfy", eine Gemeinschaft für Musikliebhaber. Registrierte Nutzer können ihre Lieblingstracks auf die Website hochzuladen. Die Anmeldung ist kostenlos. Die Musik ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. So kann sich jeder eine eigene Musikdatenbank anlegen, auf die er von jedem Computer zugreifen kann, der Internetzugang hat.

Doch das Simfy-Team kam noch auf eine weitere ungewöhnliche Idee: Es ist möglich, auch in die Musiksammlungen seiner Freunde hineinzuhören und die eigenen Songs für andere freizugeben. Die Simfy-Macher berufen sich auf das Recht auf Privatkopien, die man für Freunde anfertigen darf. Außerdem ist nur das Anhören der Songs erlaubt. Ein Herunterladen der Musik ist nicht vorgesehen.

Bei Simfy lässt sich die Musik außerdem mit Zusatz-Informationen verbinden. So können User per Klick zum Beispiel den entsprechenden Songtext eines Musikstücks aufrufen. Auch das Erstellen von Listen mit Lieblingssongs ist möglich, die der Musikliebhaber dann mit dem Geschmack der Freunde vergleichen kann.

Musik mobil machen

Seit Mitte Dezember sind die Noch-Studenten mit ihrem Netzangebot nun am Start, von Januar 2007 an hatten die Gründer Lange und Wicker an dem Projekt gearbeitet. "Wir haben Simfy entwickelt, weil uns Musik immer noch zu wenig mobil erschien. Jeder von uns kennt das: Auf einer Party fehlt ein Song, der gerade dann nicht auf dem MP3-Player verfügbar ist. Und ich möchte ihn sofort hören. Mit Simfy ist Musik nun immer verfügbar."

Für die Zukunft träumt Lange davon, dass Simfy zum zentralen Ort für das Musikhören im Internet wird." Um diesem Ziel näher zu kommen, sicherte sich die Firma 100.000 Euro von Risikokapital-Gebern. Mit dieser Finanzspritze konnte das Team in kurzer Zeit auf 13 Mitarbeiter aufgestockt werden, die Simfy in Mannheim weiterentwickeln.

Zufrieden sind die Musik-Enthusiasten auch mit den aktuellen Nutzer-Anmeldungen: "Wir liegen damit im guten vierstelligen Bereich", so der 23-jährige Lange, der an der Universität Mannheim im neunten Semester Betriebswirtschaft studiert.

Nächste Station Handy

Schon träumt man bei Simfy von mehr: "Wir entwickeln gerade einen mobilen Player fürs Handy. Der Prototyp ist bereits fertig." Spätere Kooperationen mit großen Mobilfunk-Herstellern folgen.

Bei der Entwicklung haben sich die Unternehmensgründer auch mit den rechtlichen Klippen der Musik-Nutzung auseinandergesetzt: "Wir halten die Kriminalisierung von Musikhörern für übertrieben. Oft wird dabei nämlich vergessen, dass man auch als Konsument weiterhin elementare Rechte der Musiknutzung genießt", sagt Gründer Christoph Lange. Dazu zählt für ihn auch "das Recht auf die Privatkopie".

Simfy selbst stellt die Musik zwar nicht zum Herunterladen und Abspeichern zur Verfügung, aber findige PC-Nutzer können mit frei verfügbarer Software die Musik während des Abspielens mitschneiden. Dem kann man bei Simfy nichts entgegensetzen. Außer einen Wunsch vielleicht, den Gründer Lange hegt: "Unsere Nutzer sollen bitte fair sein." Es bleibt abzuwarten, ob sein Wunsch in Erfüllung geht.

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