HOME

Nach Amoklauf in Florida: Warum der Text einer Schülerin gerade das Internet bewegt

Ihre Worte treffen die USA mitten ins Herz. Der bewegende Gastbeitrag einer Schülerin und Überlebenden des Schulmassakers in Florida wurde in 48 Stunden hunderttausendfach geklickt, geteilt und kommentiert. Wir erklären, warum.

In einer Waffe steckt eine USA-Flagge

Nach dem Amoklauf in Florida finden landesweit Proteste für schärfere Waffengesetze statt

DPA

14 Schüler und 3 Erwachsene wurden von Amokläufer Nikolas Cruz an einer Highschool in Parkland erschossen: Wer trägt die Schuld für die brutale Tat? Hätte das Massaker verhindert werden können? Isabelle Robinson, Amoklauf-Überlebende und Schülerin an der Marjory Douglas Highschool in Parkland, hat dazu eine klare Meinung: Ja, die Bluttat hätte verhindert werden können – aber ganz sicher nicht von Kindern oder Schülern. Das ist eine der wichtigsten Aussagen ihres bewegenden Gastbeitrages mit dem Titel "Ich habe versucht, mich mit Nikolas Cruz anzufreunden. Er hat trotzdem meine Freunde getötet". Der Text ist im März in der New York Times erschienen.

In The New York Times Opinion Section, Isabelle Robinson, a senior at Marjory Stoneman Douglas High School, writes, "No...

Gepostet von The New York Times am Dienstag, 27. März 2018


Riesiger Social-Media-Erfolg in den USA

Der so emotionale wie aufrüttelnde Appell der Parkland-Überlebenden hat in den sozialen Medien in den USA in nur 48 Stunden fast 650.000 Reaktionen eingesammelt. Das hat der Mediendienst "Meedia" ausgewertet. Doch warum ist der Gastbeitrag einer Highschool-Schülerin so erfolgreich? Robinson hat einen Nerv getroffen – insbesondere bei jungen US-Amerikanern. In ihrem Beitrag beschreibt sie eindrücklich, wie sie als Siebtklässlerin den späteren Amokläufer zum ersten Mal trifft, wie er sie verletzt – und wie sie ihm ein Jahr danach sogar Nachhilfe geben muss.

Und sie klagt an. Die Aufgabe sei ihr übertragen worden, obwohl schon damals bekannt gewesen sei, dass Nikolas Cruz psychische Probleme hatte und als gewalttätig aufgefallen war. Dazu schreibt sie: "Wenn ich daran zurückdenke, bin ich entsetzt. Jetzt verstehe ich, dass ich alleine und ohne Unterstützung mit einem Schüler, dessen Vergangenheit von Wutanfällen und Brutalität geprägt war, zurückgelassen worden bin." Es sind Worte, die sich ins Gedächtnis brennen. Worte, die neben der ganzen Debatte um Waffengesetze eine zusätzliche Schwachstelle des US-amerikanischen Bildungssystems offenbaren.

Tragen Mitschüler eine Mitschuld?

Man dürfe Kinder und Schüler niemals in die Pflicht nehmen, kranke Mitschüler zu heilen. Das könnten und sollten sie einfach nicht leisten: "In erster Linie gehen wir in die Schule, um zu lernen." Robinson wehrt sich gegen Stimmen, die behaupten, dass Schüler eine Mitschuld an der grausamen Bluttat gehabt hätten. Die krude Behauptung: Hätten Mitschüler sich anders, vielleicht freundlicher, um den auffälligen Cruz gekümmert, hätte die Tat eventuell verhindert werden können. Mit ihrem Beitrag in der "New York Times" zieht Robinson einen deutlichen Schlussstrich unter diese Debatte: "Freundlichkeit oder Mitgefühl alleine hätten nicht die Person, die Nikolas Cruz ist und war, geändert oder die fürchterliche Tat verhindert."

Das sei eine Aufgabe für Erwachsene und Experten.

hh