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Coronakrise: Netz durch Streamingdienste überlastet: Schaltet die Schweiz bald Netflix ab?

Seitdem die meisten Menschen den Großteil ihres Alltags aufgrund der Coronakrise zu Hause verbringen, laufen die Streaming-Dienste heiß. In der Schweiz brach bereits mehrfach das Netz der Swisscom zusammen. Dies könnte dort bald das Ende von Netflix und Co. bedeuten. 

In Zeiten von Corona vertreiben sich viele Menschen die Zeit in den eigenen vier Wänden mit Streamingdiensten

In Zeiten von Corona vertreiben sich viele Menschen die Zeit in den eigenen vier Wänden mit Streamingdiensten

Getty Images

Das Coronavirus verbannt die Menschen derzeit in ihr Zuhause. Viele vertreiben sich die Langeweile mit Serien und Filmen von Streaminganbietern. In der Schweiz brach schon mehrfach das Netz des führenden Telekommunikationsunternehmens Swisscom zusammen. Jetzt erwägt die Regierung sogar eine Blockade für Netflix und Co..

Wie die "Neue Zürcher Zeitung" berichtet, hat der Bundesrat die Bürger dazu aufgerufen, Telekommunikationsdienste zurückhaltend zu nutzen. Für den Fall, dass gravierende Engpässe entstünden, könne man "nicht versorgungsrelevante Dienste" andernfalls einschränken oder blockieren.

Telefonanbieter Swisscom überlastet

Seit dieser Woche gilt auch in der Schweiz der sogenannte "Lockdown". Das öffentliche Leben ist weitgehend lahmgelegt: Restaurants, Märkte, Museen, Freizeitbetriebe, Kinos oder Fitnesscenter sind geschlossen. Die Maßnahmen gelten zunächst bis zum 19. April. Die Menschen arbeiten im Home-Office, surfen, zocken und streamen im Internet. Eine Belastungsprobe für die Kommunikationsnetze.

Auf ihrer Internetseite erklärte Swisscom, dass die außerordentliche Lage seit Montag "zu einem rasanten Anstieg der Nutzung unserer Telekommunikationsdienste geführt" hat. "Wir arbeiten laufend an Maßnahmen, beispielsweise Kapazitätserweiterungen, und bitten unsere Kunden gleichzeitig um eine verantwortungsvolle Nutzung der Telekommunikationsnetze." Es könne trotz des Kapazitätsausbaus punktuell zur Überlastung kommen. Entscheidend sei das Verhalten der Bevölkerung.

Auch in Deutschland ist das Internet in diesen Tagen wichtiger denn je. Hier sehen sich die Telekommunikationsprovider in der Coronavirus-Krise jedoch gut gerüstet. "Aus jetziger Sicht wird die Zunahme von Homeoffice und Streamingdiensten zu keiner Situation führen, in der die Netzkapazitäten an ihre Grenzen geraten", sagte ein Sprecher der Deutschen Telekom auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Téléfonica will Drosselung lockern

Ähnlich wie die Telekom registrierte auch Vodafone Deutschland "keine deutliche Steigerung des Datenverkehrs in den Netzen". "Wir gehen aber von einer erhöhten Nutzung in nächster Zeit aus", sagte Vodafone-Sprecher Volker Petendorf. Mehr Homeoffice und Schüler, die zu Hause bleiben, würden vor allem zu einer stärkeren Festnetznutzung führen. "Hier sehen wir uns gut gerüstet, insbesondere für die klassischen Anwendungen. "Allerdings zeigen Nachbarländer, wie eine massive Gaming- und Streaming-Nutzung zusätzliche Last auf Netze bringen kann. "Spezielle Teams beobachten daher die Situation Tag und Nacht sehr genau und können zeitnah Maßnahmen auf den Weg bringen, um bei Bedarf gegenzusteuern."

Telefónica Deutschland kündigte an, in den kommenden Wochen die kommunikative Grundversorgung aller O2-Privat- und -Geschäftskunden durch eine Lockerung der Drosselung sicherzustellen. Dafür werde die Surf-Geschwindigkeit nach Verbrauch des inkludierten Datenvolumens auf 384 Kbit/s angehoben. Die Aktion gilt zunächst bis Ende April - auch für die Kunden der Zweitmarke Blau.

Hamburger Ladenbesitzer

Noch scheinen also Überlegungen, gewisse Streamingangebote zu blockieren, hierzulande nicht nötig. "Die Netze sind derzeit stabil und gravierende Beeinträchtigungen werden aktuell nicht erwartet", erklärt eine Sprecherin der Bundesnetzagentur auf Nachfrage dem stern. Anbieter von Internetzugangsdiensten müssten grundsätzlich den gesamten Verkehr gleich behandeln. Rechtlich gesehen seien Ausnahmen unter anderem nur erlaubt "im Fall einer Anordnung durch Rechtsvorschrift, Gericht oder Behörde zum Schutz der Netzintegrität und -sicherheit sowie zur Verhinderung drohender beziehungswiese der Abmilderung außergewöhnlicher oder vorübergehender Netzüberlastungen."

Quellen: "NZZ"Swisscom, DPA

jek

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